Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Streit um Rechtssprechung in England: 

Oberster Richter für Scharia im Zivilrecht

04. Jul 2008 15:00
Das muslimische Zentrum in Ost-London
Bild vergrößern
Händeabhacken, Auspeitschen oder Steinigen soll es im Königreich nicht geben. Aber bei Familien- oder Vertragsstreitigkeiten könnte doch für die 1,7 Millionen Muslime im Land auch die Scharia gelten, findet ein englischer Chef-Richter.

Grundsätze des islamischen Scharia-Rechtssystems sollten nach Ansicht des Obersten Richters von England und Wales auch in Großbritannien zur Beilegung von Streitigkeiten akzeptiert werden.

Er sehe «keinen Grund dafür, dass die Scharia oder andere religiöse Regelsätze nicht Grundlage außergerichtlicher Einigungen» sein könnten, sagte Lord Phillips nach Angaben des Senders BBC vom Freitag bei einer Rede im Ostlondoner Muslimischen Zentrum.

Der Chefrichter stellte sich damit am Donnerstagabend hinter ähnliche Forderungen, mit denen das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, Rowan Williams, vor einem halben Jahr scharfe Kritik ausgelöst hatte. Der Erzbischof von Canterbury hatte darauf verwiesen, dass in Großbritannien 1,7 Millionen Muslime leben und erklärt, dass es «unvermeidlich» sei, Elemente der Scharia im britischen Zivilrecht anzuerkennen.

Ähnlich wie Williams sagte jetzt auch Lord Phillips, dass es unter Muslimen im Vereinigten Königreich längst Praxis sei, die Scharia zur Lösung von Familien- oder Vertragsstreitigkeiten heranzuziehen. Es sei selbstverständlich, dass niemals Strafen wie das Auspeitschen, Steinigen oder Abhacken von Händen akzeptiert werden könnten, betonte der Oberste Richter. Klar sei auch, dass die Rechtsprechung von Gerichten allein auf der Basis britischer Gesetze erfolge.

Den Vorstoß des Erzbischofs von Canterbury hatten im Februar Premierminister Gordon Brown und zahlreiche andere Politiker rundweg abgelehnt. Auch das Oberhaupt der Katholischen Kirche von England und Wales, Kardinal Cormac Murphy O'Connor, hatte sich klar dagegen ausgesprochen. «Wenn Leute in dieses Land kommen», meinte O'Connor, «dann haben sie sich an seine Gesetze zu halten.» (dpa)

 
Drucken
Versenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
 
Schlechte Wahlbeteiligung: 
Warum nur wenige zur Europawahl gingen
Reaktion auf schlechtes SPD-Ergebnis bei EU-Wahl: 
Müntefering räumt «Mobilisierungsprobleme» ein
 
150 Lkws in Peschawar angezündet: 
Taliban zerstören Nato-Truppennachschub
BND-Untersuchungsausschuss: 
Brisante Daten, laxe Kontrolle
 
Wachsender Druck auf Netanjahu: 
Steinmeier warnt Israels neue Führung
Vereidigung der größten israelischen Regierung: 
Netanjahu will «kein anderes Volk beherrschen»
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.