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«Es hat viel Mut gegeben»: 

Ein Platz für den 17.Juni

17. Jun 2008 11:31
Demonstranten vor einem Panzer in Berlin
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Heute vor 55 Jahren rollten sowjetische Panzer im Ostteil von Berlin ein, um den Aufstand tausender Menschen niederzuschlagen. Viele Politiker fordern nun, besser an den 17. Juni 1953 zu erinnern.

55 Jahre sind eine lange Zeit und haben aus Sicht vieler Politiker zu einem Vergessen an den ersten Aufstand gegen die Regierung der DDR geführt. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) etwa forderte in der «Märkischen Oderzeitung», einen Platz nach dem 17. Juni 1953 zu benennen. Es sei «sinnvoll, dieses Gedenken zu lokalisieren», zumal die Zeitzeugen langsam ausstürben, sagte er. Gedenkverbände wie die «Vereinigung 17. Juni 1953» hatten zuvor gefordert, den Platz vor dem heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin dementsprechend umzubenennen. Dort, vor dem ehemaligen «Haus der Ministerien», hatte sich der Berliner Protest im Jahr 1953 gebündelt.

Der Netzeitung sagte Thierse, vor allem junge Leute sollten lernen, «dass die Geschichte der DDR ein Teil der deutschen Geschichte ist und dass der Kommunismus ein Irrweg war, insofern er der Versuch war, Gerechtigkeit unter Preisgabe der Freiheit zu verwirklichen.»

Er betonte, das Datum dürfe nicht aus dem Gedächtnis gelöscht werden. Thierse mahnte gleichzeitig, Vorurteile gegen Ostdeutsche abzubauen: «Man sollte auch lernen, dass in diesem östlichen Teil Deutschlands nicht nur Menschen gelebt haben, die feige und unterwürfig waren, sondern dass es da auch viel Mut gegeben hat», sagte Thierse.

Kritik an mangelndem Wissen

Zahlreiche Politiker kritisierten eine mangelnde Aufmerksamkeit für das historische Datum in der Gesellschaft. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck warnte vor einer Verklärung der SED-Diktatur. Mehr als je zuvor müsse heute an das Unrecht des Regimes, an Unfreiheit, Einschüchterung und Privilegiensystem erinnert werden, sagte er. Die DDR habe weder Freiheit, Gleichheit noch unabhängige Gewerkschaften gekannt.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel bemängelte fehlendes Wissen über den 17. Juni 1953 in der Bevölkerung. Das Thema tauche auch im Schulunterricht zu wenig auf, sagte der Ratsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am Dienstag im ZDF-«Morgenmagazin.» «Insofern braucht es eine entsprechende Bildungspolitik.

Politiker fordern einen nationalen Gedenktag

Der CDU-Politiker und Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Rainer Eppelmann, schlug vor, einen öffentlichen Gedenktag einzuführen. Das müsse kein Nationalfeiertag sein. Aber es ein stärkeres Engagement nötig, damit die Bürger am 17. Juni «tatsächlich daran denken». Lange habe man beim 17. Juni 1953 nur an ein paar hundert streikende Bauarbeiter in der früheren Stalinallee in Ostberlin gedacht, sagte Eppelmann. «Doch es war ein Volksaufstand, und es war eigentlich auch schon ein Sieg.» Dessen sei man sich jedoch bis vor zehn Jahren weder in Ost- noch Westdeutschland bewusst gewesen.

Eppelmanns Idee eines Gedenktages unterstützte auch der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Dr. Hubertus Knabe. Selbst Erwachsenen fiele es heute schwer, einen einzigen Wortführer des Volksaufstandes beim Namen zu nennen. Nur wenige wüssten, dass die Aufständischen damals bereits in vielen ostdeutschen Städten die Macht übernommen hätten. «Der ehemalige Tag der Deutschen Einheit wäre ein hervorragender Anlass, nicht nur in Berlin, sondern überall in Deutschland an den langen Kampf gegen die SED-Diktatur zu erinnern“, sagte Knabe.

50 bis 100 Tote

Bis zu eine Million Menschen in über 700 Orten hatten 1953 in der DDR gegen die SED-Diktatur, Normerhöhung und Lohnsenkung protestiert. Die Regierung der DDR flüchtete sich unter den Schutz der sowjetischen Besatzungsmacht. Dann rollten die Panzer der UdSSR, und Soldaten schlugen den Aufstand gewaltsam nieder.

Dabei kamen zwischen 50 und 100 Menschen ums Leben. Etwa 1600 Demonstranten wurden zu Haftstrafen verurteilt. Es folgte eine Säuberungswelle in Betrieben, Behörden und Verwaltungen. Viele Menschen durften ihre Ausbildung nicht beenden. Bis zur Wiedervereinigung 1990 wurde in Westdeutschland alljährlich mit dem «Tag der Deutschen Einheit» des Aufstandes und seiner Folgen gedacht. (nz/dpa)

 
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