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Zahlen des Statistischen Bundesamtes: 

Immer mehr Deutsche begehen Republikflucht

19. Mai 2008 15:00, ergänzt 15:46
Viele Auswanderer wollen nur über die Alpen in die Schweiz
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Millionen sehen sie mehrmals wöchentlich im TV: Bundesbürger, die mutig und tatkräftig ein neues Leben im Ausland beginnen. Die Motive der Auswanderer sind vielfältig.

Abenteuer und Freiheit oder lediglich einen neuen Job: Das suchen immer mehr Deutsche im Ausland. Im Jahr 2007 wanderten 165.000 Bundesbürger aus. Wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte, waren das sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Hauptzielländer der Auswanderer waren die Schweiz (20.000 Personen), die USA (14.000), Polen und Österreich (je 10.000). Besonders Deutsche aus den westlichen Bundesländern und Berlin zog es ins Ausland: Während von dort rund 151.000 Bundesbürger das Land verließen, waren es aus Ostdeutschland gerade einmal 14.000.

Allerdings finden nicht alle ihr Glück in der Ferne, denn auch die Zahl der Rückkehrer stieg um acht Prozent auf 111.000. Darin enthalten sind aber auch die Zuzüge von Spätaussiedlern. Unter dem Strich ergab sich bei den Bundesbürgern ein Wanderungsverlust von 54.000 Personen. Im Vorjahr hatte der Wanderungsverlust unter den Deutschen bei 52.000 gelegen.

Arbeit, Liebe, Geld

Die Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen und glauben, im Ausland ein besseres Leben zu finden, sind vielfältig. Eine Umfrage des Institut für Demoskopie in Allensbach im Jahr 2007 zeigte, dass insgesamt jeder Fünfte gern aus Deutschland auswandern würde. Vor allem junge Leute unter Dreißig (33 Prozent) spielen demnach mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen und ganz in den Lebensraum eines anderen Landes einzutauchen.

Als Gründe für ihren Auswanderungswunsch nannten die meisten der von Allensbach Befragten einen einfachen Grund: 54 Prozent gaben an, dass ihnen andere Länder besser gefallen. 36 Prozent wollten wegen Arbeit auswandern, rund 30 Prozent aus familiären Gründen. Immerhin 17 Prozent wollten aus steuerlichen Gründen das Land verlassen.

Langeweile, Frust, Bürokratie

In einschlägigen Auswanderer-Blogs und -Foren werden die Deutschland-Überdrüßigen genauer und schreiben sich ihren Frust von der Seele: Immer wieder werden zuviel Bürokratie, unfreundliche Mitmenschen oder schlicht schlechtes Wetter als Beweggrund genannt.

Bei beruflich bedingten Auswanderungen sind es vor allem bessere Verdienstmöglichkeiten oder der Plan zur Selbstständigkeit, die viele Menschen in die Fremde locken. Der organisatorische Aufwand ist jedoch erheblich: Neben Einreise-, Aufenthalts- und Zollbestimmungen sind zahlreiche Regeln des Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungsrechts zu beachten.

Probleme nicht unterschätzen

Der Entschluss zur Auswanderung ist keine einfache Entscheidung. Viele Menschen unterschätzen zudem mögliche Schwierigkeiten mit dem Klima, der Sprache, den Bildungsmöglichkeiten oder der Kultur eines Landes.

Dazu gehören auch Probleme beim Knüpfen neuer Kontakte in einer fremden Gesellschaft. Bevor ein Flug gebucht und die Wohnung gekündigt wird, ist ein Gespräch mit einer Beratungsstelle deshalb sinnvoll.

Eine erste Anlaufstelle für Menschen, die Deutschland auf Dauer verlassen wollen, ist die «Informationsstelle für Auswanderer und Auslandstätige» beim Bundesverwaltungsamt in Köln. Sie veröffentlicht Informationen über die Einwanderungs- und Arbeitsbedingungen vieler Staaten. Individuelle Beratung bekommen potenzielle Emigranten dort allerdings nicht. Die gibt es teils gegen Gebühr etwa beim Raphaels-Werk, dem Deutschen Roten Kreuz oder dem Diakonischen Werk.



 
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