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EU-Lateinamerika-Gipfel überschattet: 

Chavez schießt sich auf Merkel ein

16. Mai 2008 09:23
Kann Merkel nicht leiden: Hugo Chavez
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Venezuelas Präsident hat die Kanzlerin vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel erneut scharf angegriffen: Ihr «fehlt alles, sogar Vernunft». In Peru sollen die beiden gemeinsam über die Armutsbekämpfung beraten.

Unmittelbar vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima hat der venezolanische Präsident Hugo Chavez Angela Merkel erneut scharf attackiert. «Ich denke, ich biete weder ihr noch Europa einen Grund, Pfeile auf uns zu schießen oder Steine auf uns zu werfen - auf mich persönlich und auf das Land Venezuela», sagte er am Donnerstag vor seiner Abreise in die peruanische Hauptstadt.

Der venezolanische Präsident hatte die Kanzlerin bereits am vergangenen Wochenende scharf attackiert und sie in die Nähe Adolf Hitlers gerückt. Merkel hatte ihm zuvor das Recht abgesprochen, die Interessen anderer lateinamerikanischer Länder zu vertreten. Sie müsse ihre Äußerungen erklären, sagte er nun: «Venezuela verdient Respekt».

Garcia verteidigt Merkel

Merkel «fehlt alles, sogar Vernunft», so Chavez. Er hoffe, «die Dame» werde ihn in Lima nicht wie der spanische König Juan Carlos bei einem Gipfeltreffen im vergangenen Jahr dazu auffordern, den Mund zu halten. Rückendeckung erhielt Merkel vom Gastgeber, dem peruanischen Präsidenten Alan Garcia. Jemand, der so etwas sage wie Chavez, habe keine Ahnung: «Die Äußerungen machen keinen Sinn.»

Die Bundeskanzlerin selbst setzt weiter auf Deeskalation. Auf die Frage nach einer möglichen Begegnung mit Chavez sagte sie in Lima: «Ich glaube wir werden uns gut vertragen, und es wird ein guter EU-Lateinamerika-Gipfel.» In der peruanischen Hauptstadt kommen an diesem Freitag Delegationen aus 60 Ländern zusammen, um die strategische Partnerschaft zwischen den beiden Kontinenten zu vertiefen. Hauptthemen des Gipfels sind Armutsbekämpfung, Klimaschutz und Energie.

Chavez schlägt gemeinsamen Hilfsfonds vor

Merkel und Chavez werden vermutlich gemeinsam an einem Forum zur Armutsbekämpfung teilnehmen. Er kündigte an, dort einen Hilfsfonds von Europäern und Lateinamerikanern vorzustellen, der arme Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen soll. Der Fonds solle einen Umfang von einer Milliarde Dollar (650 Millionen Euro) habe. Venezuela sei bereit, mehr als ein Drittel dieser Summe einzuzahlen und dafür einen Teil seiner Ölexporterlöse aufzuwenden, so Chavez. Die Kanzlerin versicherte, dass die Europäer ihre Hilfszusagen für die Armutsbekämpfung einhalten werden. Die lateinamerikanischen Staaten müssten aber ganz klar sagen, wo genau sie Unterstützung brauchen.

Merkels Reiseroute
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Die Vereinten Nationen haben sich in den Millenniumszielen zur Jahrtausendwende dazu verpflichtet, die extreme Armut bis 2015 zu halbieren. Die EU-Kommission hatte die Mitgliedstaaten der Europäischen Union erst im April zur Einhaltung ihrer Versprechen an die Entwicklungsländer ermahnt. Die Zahlungen der EU-Staaten waren 2007 von insgesamt 47,7 Milliarden auf 46,1 Milliarden Euro zurückgegangen.

EU will Klimaschutz verbessern

In Lateinamerika müssen 47 Millionen Menschen und damit neun Prozent der Bevölkerung mit jeweils weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. In keiner anderen Weltregion klafft die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander. Chavez schlug einen gemeinsamen Hilfsfonds von Europäern und Lateinamerikanern vor, der arme Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen soll. Der Fonds solle einen Umfang von einer Milliarde Dollar (650 Millionen Euro) haben, sagte Chavez. Venezuela sei bereit, mehr als ein Drittel dieser Summe einzuzahlen und dafür einen Teil seiner Ölexporterlöse aufzuwenden.

Zur Verbesserung des Klimaschutzes will die EU-Kommission einen Fonds zur Finanzierung von Projekten für Lateinamerika vorstellen. EuroClima soll zunächst mit fünf Milliarden Euro ausgestattet sein. Merkel will auch den verstärkten Anbau von Energiepflanzen wie Zuckerrohr oder Soja zur Produktion des Benzin-Ersatzes Ethanol thematisieren. Kritiker befürchten eine Gefährdung des Regenwalds durch steigenden Bedarf an neuen Ackerflächen. Die Kanzlerin wies den Vorwurf zurück, die europäischen Bedenken seien in reinem Protektionismus begründet. Gleichzeitig erinnerte sie die Europäer an ihre Verantwortung für den Regenwald. Dies dürfe nicht nur eine «schöne Überschrift» sein, sondern müsse sich in finanzieller Hilfe niederschlagen. (Michael Fischer/AP)

Video: Juan Carlos fordert Chavez auf «die Klappe zu halten»


 
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