Merkels Lateinamerika-Reise:
Handel im Schatten der USA
17. Mai 2008 09:44
 |  In Mexiko-Stadt trifft Merkel auf Calderón. | Foto: dpa |
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Den Schlusspunkt des Südamerika-Besuches der Kanzlerin bildet Mexiko. Trotz Hungerprotesten, Flüchtlingen und steigender Kriminalität steht bei dem Treffen nur die deutsche Wirtschaft im Mittelpunkt.
Mexiko ist die letzte Station auf Merkels Reise durch Südamerika. In Berlins Partner-Metropole Mexiko-Stadt trifft die Bundeskanzlerin mit Präsident Felipe Calderón Hinojosa zusammen. Gegen Mittag hält sie eine Rede vor dem Deutsch-mexikanischen Wirtschaftsforum, bevor sie dann nachmittags zurück nach Deutschland fliegt.
Bundeskanzler Schröder hatte die Vereinigten Mexikanischen Staaten Mexiko bereits 2002 und 2004 besucht, im Vorfeld des damaligen EU-Lateinamerika-Gipfels. Calderón war letztes Jahr im Rahmen seiner Teilnahme am G8-plus O5-Gipfel in Heiligendamm zu Gast in Deutschland, seinem viertgrößten Handelspartner.
75 Prozent des mexikanischen Handels mit USA
Gegenüber dem Handel mit den USA, der 75 Prozent des gesamten mexikanischen Außenhandels ausmacht, ist der deutsche Anteil jedoch verschwindend gering. Die wichtigsten deutschen Import- und Exportgüter sind Kraftfahrzeuge. Der «New Beetle» und der Bora von VW werden beispielsweise nur in Mexiko produziert.
Länderinfos MexikoEtwa 15.000 Deutsche befinden sich unter den 103 Millionen Bewohnern Mexikos. Seit 2006 ist dort die bürgerliche christlich-demokratische Partei "Acción Nacional" (PAN) an der Macht. Die links-sozialdemokratische Partei PRD hatte an einem fairen Wahlablauf gezweifelt und eine Teilneuzählung der Stimmen erwirkt. PRD-Kandidat López Obrador weigerte sich, Calderóns erneuten Sieg zu akzeptieren und stellte eine "Parallelregierung" auf. Die offizielle mexikanische Regierung musste sich Prüfungen durch sechs thematische UN-Ausschüsse unterziehen, die eine Reihe von Empfehlungen, etwa gegen Foltermethoden aussprachen. |
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In Mexiko sind etwa 1000 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung ansässig.
Besonders das seit 2001 geltende bilaterale Investitionsschutzabkommen belebe die Investitionstätigkeit vor allem mittelständischer deutscher Firmen, berichtet das Auswärtige Amt. Seit diesem Zeitpunkt besteht auch das von der Landesbank Baden-Württemberg errichtete Deutsche Industrie- und Handelszentrum in Mexiko-Stadt, das erste und einzige dieser Art in ganz Amerika.
Verlierer der Globalisierung
Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig in Mexiko ist der Tourismus. Hier stellt Deutschland zusammen mit den anderen EU-Staaten das drittgrößte Besucherkontingent nach den USA und Kanada. Unterdessen nimmt die alltägliche Gewalt im Land weiter zu. Allein in Mexiko-Stadt werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes täglich mehrere Hundert kriminelle Delikte gemeldet; die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen. Leider seien auch immer wieder Polizeikräfte und uniformiertes Sicherheitspersonal an den Straftaten beteiligt.
 |  Merkels Reiseroute | Foto: dpa |
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Und das ist nicht das einzige Problem: «Die Hungerproteste in Mexiko sind ein deutlicher Weckruf, der uns nicht vergessen lassen sollte, dass es neben den vielen Gewinnern der Globalisierung auch Verlierer gibt», sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in seiner Bundestagsrede zur Lateinamerika-Debatte. Die Krisensignale zeigten, dass es nicht ausreicht, auf die Selbstheilungskräfte des Marktes zu setzen. In Ländern wie Mexiko und Brasilien bestehe «jedenfalls das Bemühen, die Kluft zwischen Arm und Reich auch aufgrund nationaler Maßnahmen zu verringern.»
High-Tech-Überwachungstechnik an der Grenze
150.000 illegale mexikanische Einwanderer kommen jährlich in die USA. In Kalifornien sind schon heute ein Viertel der Einwohner Immigranten, die im letzten Jahrzehnt eingewandert sind. Von allen Einwanderungsgruppen stellen die Mexikaner die meisten Illegalen, die meisten Armen, und die meisten ohne Krankenversicherung.
Beim Versuch, die über 3000 Kilometer lange Grenze zu überwinden, starben allein letztes Jahr rund 400 Menschen – meist durch Verdursten in der Wüste. Inzwischen setzt das US-Heimatschutzministerium sogar schon Kamera- und Radartechnik zur Überwachung ein.Für die Entwicklungshilfe in Mexiko hat Deutschland 2007 etwa fünf Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Damit steht das Land in Nord- und Mittelamerika an sechster Stelle für den Erhalt von Mitteln im Rahmen Technischer Zusammenarbeit. Die aktuellen Projekte beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit dem städtisch-industriellen Umweltschutz, erneuerbaren Energien und dem Abfallmanagement.
Für das Web ediert von Maike Schultz