15.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Drogenmafia breitet sich in Kolumbien aus.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Erstmals bereist eine deutsche Regierungschefin das südamerikanische Land, dessen Machthaber Uribe nicht eben unstreitbar ist. Zu bereden gibt es in Kolumbien viel: Farc-Geiseln, Drogenproduktion und das Verhältnis zum Nachbarn Venezuela.
Wenn Angela Merkel an diesem Samstag den kolumbianischen Präsident Alvaro Uribe Vélez in der Landeshauptstadt Bogota trifft, ist das eine echte Premiere: Kolumbien wurde noch nie von einem deutschen Regierungschef besucht. Seit dem Besuch des deutschen Forschers Alexander von Humboldt im Jahr 1801 verbindet die beiden Länder eine «traditionelle Freundschaft», meint das Auswärtige Amt.
Nach Jahren gewalttätiger innerer Auseinandersetzungen hat sich die Lage im rund 43 Millionen Einwohner zählenden Kolumbien einigermaßen stabilisiert. Dennoch sorgte Uribe erst im März wieder durch eine Militäraktion für Schlagzeilen: Er hatte nahe der Grenze zu Ecuador einen Luftangriff veranlasst. Dabei war nach Angaben des kolumbianischen Verteidigungsministeriums eines der ranghöchsten Mitglieder der linksgerichteten Guerillagruppe Farc, Raul Reyes ums Leben gekommen. Unter den 16 weiteren toten Rebellen sei auch ein zweiter Kommandeur der Farc gewesen.
Das Ereignis hatte zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen dem Küstenstaat Kolumbien und seinen Nachbarn Ecuador und Venezuela geführt. Bei ihrem ersten direkten Aufeinandertreffen seit Ausbruch des neuen Anden-Konflikts warf der parteilose Uribe seinem Kontrahenten Rafael Correa aus Ecuador Wahlkampfhilfe von Seiten der Farc vor.
600 Tonnen Kokain pro JahrInnenpolitisch steht die kolumbianische Regierung vor der Aufgabe, das staatliche Gewaltmonopol gegenüber Guerilla und Paramilitärs durchzusetzen und den Drogenhandel zu bekämpfen. Wie das Nachrichtenmagazin «Focus» berichtete, werden in dem Andenstaat jedes Jahr rund 600 Tonnen Kokain produziert, das zumeist in die USA oder nach Europa geschmuggelt wird. Präsident Uribe stehe in der Kritik, weil er zu wenig zur Schaffung alternativer Einkommensquellen für die Koka-Bauern beitrage. Neben Uribe trifft Angela Merkel in Bogota auch den Generalstaatsanwalt und Vertreter der Zivilgesellschaft, bevor sie am Sonntag Mittag nach Mexiko weiterreist.
Nach Angaben von Amnesty International (AI) leidet die kolumbianische Zivilbevölkerung extrem unter dem langjährigen Krieg von Armee, paramilitärischen Gruppen und Rebellen. «Wenn die Regierung geltend macht, die Menschenrechtslage in Kolumbien habe sich entscheidend verbessert, sollte die Bundeskanzlerin darauf verweisen, dass trotz leicht rückläufiger Zahlen Paramilitärs und Guerilla weiter viele Menschen töten und Kinder rekrutieren», sagte AI-Generalsekretärin Barbara Lochbihler angesichts der bevorstehenden Gespräche. «Besonders erschreckend ist, dass Soldaten der kolumbianischen Armee zunehmend unbewaffnete Zivilpersonen töten.»
Immer mehr Entführungen Laut AI starben 2006 allein 72 Gewerkschafter eines gewaltsamen Todes, über 100 wurden verschleppt und tauchten nie wieder auf. Auch das Auswärtige Amt warnt vor Entführungen durch illegale bewaffnete Gruppen und kriminelle Banden.
Unterdessen freut sich die deutsche Wirtschaft über «Weltspitze-Zuwächse» in den südamerikanischen Finanzmärkten. «Die Werte börsennotierter Unternehmen steigen weit überdurchschnittlich - in Kolumbien letztes Jahr um über 60 Prozent», sagte Bodo Liesenfeld vom Lateinamerika-Verein. Er begleitet Merkel auf ihrer einwöchigen Reise durch die Region.
Für ihn sei eine «Reorientierung auf Lateinamerika in vielen Bereichen der Wirtschaft spürbar, die ihre erste große Investitionsbewegung bereits in der 60er und 70er Jahren hatte, was im Vergleich zu den Investitionen in Asien heute vielfach vergessen wird». Deutschland ist Kolumbiens größter Handelspartner in der EU. Die deutsche Einfuhr aus Kolumbien betrug im Jahre 2006 wertmäßig 613,8 Millionen Euro, die deutsche Ausfuhr dorthin 885,5 Millionen US-Dollar.
Für das Web ediert von Maike Schultz