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Unruhen im Libanon: 

Hisbollah-Anführer Nasrallah spricht von Krieg

08. Mai 2008 23:10
Verkündete den Beginn eines Krieges: Hassan Nasrallah
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Der Machtkampf zwischen der pro-westlichen Regierung und radikalislamischen Kräften hat sich verschärft. Nach einer Rede des Hisbollah-Chefs kam es in Beirut zu heftigen Straßenkämpfen mit Toten.

In der libanesischen Hauptstadt ist es am Donnerstagabend zu schweren Kämpfen zwischen bewaffnete Anhängern der Hisbollah-geführten Opposition und der anti-syrischen Regierung gekommen. Mindestens drei Menschen wurden getötet, zehn weitere verletzt. Zuvor hatte Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah in einer im Fernsehen übertragenen Rede erklärt, die pro-westliche Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora habe den Krieg gegen die Hisbollah beschlossen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen appellierte an alle Seiten, Ruhe und Zurückhaltung zu üben.

Die Situation in Beirut hatte sich nach der Rede Nasrallahs dramatisch zugespitzt. «Ein Krieg hat begonnen, (...) und wir haben das Recht, unsere Waffen zu verteidigen», hatte er in einer von arabischen Sendern ausgestrahlten Rede erklärt. «Eine neue Ära hat begonnen», fügte er hinzu. Zu den Waffen der Hisbollah zähle auch das von ihr betriebene eigene Telekommunikationsnetz.

Siniora und seinen Verbündeten warf Nasrallah vor, Befehle von der US-Regierung entgegenzunehmen. «Das ist kein Staat, das ist eine Bande», beschimpfte er die Kabinettsmitglieder. Die Regierung hatte am Dienstag erklärt, das Hisbollah-Telefonnetz sei illegal, genauso wie die von der Hisbollah am Flughafen Beirut installierten Überwachungskameras. Außerdem hatte das Kabinett den der Hisbollah nahestehenden Sicherheitschef des Flughafens entlassen. Nasrallah drohte, jeder, der den Posten nun übernehme, werde von der Hisbollah als Verräter angesehen.

UN ruft zur Zurückhaltung auf

Der UN-Sicherheitsrat rief die verfeindeten Parteien zur Zurückhaltung auf. Die Situation könne nur durch einen politischen Dialog, nicht durch Gewalt gelöst werden, hieß es in einer Erklärung, die der Ratsvorsitzende und britische UN-Botschafter John Sawers nach internen Beratungen in New York verlas. Vordringlich sei die Wahl eines neuen Präsidenten und die Entwaffnung der libanesischen und nicht-libanesischen Milizen.

Der UN-Beauftragte für den Libanon, Terge Roed-Larsen, hatte zuvor erklärt, angesichts des Machtvakuums der vergangenen Monate hätten offenbar mehrere paramilitärische Gruppen ihre Waffenarsenale ausgebaut. Die Hisbollah, die größte Miliz, unterhalte nach wie vor eine eigene paramilitärische Infrastruktur neben der staatlichen. Dies verstoße gegen die Vorgaben der Vereinten Nationen, die eine Entwaffnung der Milizen gefordert hatten.

Kämpfe in Beirut und im Bekaa-Tal

Nach Angaben von Augenzeugen patrouillierten am Abend maskierte Kämpfer durch die Straßen Beiruts. Straßensperren wurden errichtet, Schüsse aus Maschinengewehren und Mörserfeuer waren zu hören. Viele Einwohner der Stadt brachten sich in Schutzräumen in Sicherheit. Ein Gruppe von Journalisten, darunter auch eine Mitarbeiterin der Deutschen Presse-Agentur, geriet zwischen die Fronten und ins Kreuzfeuer der verfeindeten Milizen. Soldaten der Regierungstruppen brachte die Reporter in einem Panzer aus der Gefahrenzone. Die Lage sei «nicht mehr kontrollierbar», sagte ein Offizier.

Außerhalb der Hauptstadt war es im Tagesverlauf bereits zu Kämpfen gekommen. Im östlichen Bekaa-Tal wurde bei Gefechten zwischen schiitischen Anhängern der Opposition und sunnitischen Sympathisanten der Regierungsmehrheit ein Mädchen getötet. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden mindestens vier weitere Menschen verletzt. Mitglieder der anti-syrischen Zukunftsbewegung des Sunniten Saad Hariri sperrten mehrere Straßen nach Syrien sowie Straßen, die Beirut mit den vorwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaften im Süden verbinden.(dpa)

 
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