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Europatag 2008: 

Europa - Visionäre gesucht

09. Mai 2008 07:15
Ein Grund zur Freude: Europa wächst zusammen
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Der heutige Europatag ist nicht unbedingt tief im Bewusstsein der Deutschen verankert. Die Stiftung Kreisau und die Kreisau-Initiative Berlin hatten daher gerade Jugendliche aufgerufen, über ein «Europa in 20 Jahren» nachzudenken. Die Netzeitung veröffentlicht den Gewinner-Essay des 17-jährigen Jacob Schrot.


Wie sieht Europa in 20 Jahren aus? Wie viele Staaten werden Mitglied sein? Werden wir eine einheitliche Regierung haben? Werden wir alle Englisch sprechen? Diese und andere Fragen standen im Zentrum der insgesamt 140 Beiträge, die aus Deutschland und Polen eingegangen sind. Eine Jury mit Gesine Schwan, Anna Wolff-Powenska, Gunter Hofmann und Adam Krzeminski wählte den Beitrag von Jacob Schrot aus Brandenburg als Sieger-Essay aus.

Europa als Einheit

Es gibt zwei Optionen, die Vision für das Europa der Zukunft zu entwickeln: da wäre zum einen die Option des Optimismus, zum anderen die des Pessimismus. Beide Varianten müssen zum Realismus kombiniert werden, damit die politischen Themenfelder eines vereinten Europas kommuniziert, debattiert und sich somit weiterentwickeln lassen.

Vor mehr als 50 Jahren wurden durch die sechs Gründerstaaten die Ziele einer Europäischen Gemeinschaft mit weiterhin aktuellen Maximen wie „Friedenssicherung“ und „Wirtschaftliche Stabilität“ definiert.

Zunächst ist da der Hintergrund der wachsenden Rate der Terroranschläge in Europa mit einzubeziehen. Auf der einen Seite gibt es ein Handlungskonzept, welches von der aktiven Bekämpfung des Terrorismus mit Mitteln des Militärs ausgeht.

Die Befürworter einer europäischen Türkei werden sich durchsetzen
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Auf der anderen Seite gibt es den Ansatz, dass ein islamisch geprägter Staat – die Türkei – der EU beitritt. Damit mildert sich das allgemeine Konfliktpotenzial der radikal geprägten islamischen Staatsdoktrinen gegenüber Westeuropa. Gewinnen wird die Erkenntnis, dass diesem Problemfeld nur entgegengewirkt werden kann, wenn Europa sich als Einheit präsentiert.

Die Türkei wird sich wandeln

In einem Verbund von Vertrauen und Achtung – von Respekt und Toleranz. Ein Europa in 20 Jahren wird eine Mixtur aus Beidem sein: die Türkei wird aufgrund politischer und ökonomischer Interessen die Menschenrechtssituation im eigenen Lande verbessert haben; Zypern ist nicht mehr geteilt, die Menschenrechte gehen mit der Genfer Konvention konform. Religions- und Pressefreiheit werden sich dem westlichen Standard nähern. Europa profitiert von höherer Stabilität, die Türkei von den Erfahrungen Europas bei der Transformation von wirtschaflichter Entwicklung und Rechtsstaatlichkeit.

Im militärischen Engagement erlangt die europäische Armee allein durch die historischen Erfahrungen bei der Friedensabsicherung um die Jahrhundertwende jetzt weltweites Ansehen, auch durch die USA bei friedenssichernden Einsätzen in Konfliktregionen.

Neue Formen der Energiegewinnung

Die Debatte um die Energie- und Umweltpolitik wird sich in 20 Jahren gelöst haben: im Angesicht des immer deutlicher werdenden Klimawandels und der alljährlichen „Apokalypse Weltklimabericht“ wird die Investitionsrate in Technologie und Forschung rapide steigen.

Bis 2029 verschwunden?
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Im bis dahin teilweise abgeschmolzenen Grönland werden Ölfelder gefunden werden, doch das wird schon bald bedeutungslos werden, denn Forscher sollen in der Kernfusionsversuchsanlage in Cadarache/Südfrankreich endlich den großen Durchbruch geschafft und ein neues Kapitel der Energiegewinnung eingeleitet haben.

Auch Methanhybrid, welches in Massen stark energiereich auf den Ozeanböden zu finden ist, wird effektiv zur Energiegewinnung genutzt. Damit entschärfte sich der Konflikt im Nahen Osten um die Hegemoniemacht Iran und die Tankstellen der Welt.

Europa 2029 - ein soziales Europa

2029 wird es längst einen europäischen Sozialfonds geben, welcher sozial Schwachen Aufstiegschancen bietet, ein Kombi-Lohnmodell wird sich nach einer Testphase in Deutschland auf ganz Europa ausbreiten und marktwirtschaftliche Probleme ganz nach dem keynesianistischem Ansatz lösen. „Social Watch“ wird erstmals wieder eine verbesserte Chancengleichheit feststellen können.

Aus illegalen Einwanderern werden Staatsbürger
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Die neue Immigrantengeneration gelangt durch die gezielte Förderung der Muttersprache als Grundlage für das Erlernen der Fremdsprache des jeweiligen Mitgliedstaates zu gleichwertiger Bildung und Akzeptanz. Die Jugend gilt bereits heute als die toleranteste Schicht generell und ist Botschafter der Solidarität.

Hedgefonds gehören schon lange der Vergangenheit an: bereits 2015 wird erkannt, dass diese überholte Form der totalen Freiheit des Marktes in die soziale Instabilität führt und nicht im Sinne der EU ist, Wohlstand zu schaffen.

Weniger nationale Kompetenzen

Die „Europäische Föderation“ wird entstehen: es gibt eine supranationale Regierungsebene, die die Europäische Union als Ganzes repräsentiert, während gleichzeitig noch einige nationale Kompetenzen bei den parlamentarischen Einrichtungen der Mitgliedsstaaten bleiben, also ähnlich der heutigen Bundesrepublik. Es wird eine lange Gradwanderung, da sowohl nationale Identitäten, als auch internationaler Handel erwünscht sind.

Wie wird Europa 2029 aussehen?
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Nur durch die Förderung des nationalen Verständnisses und der Sozialstrukturen schafft man Raum für gesamteuropäische Politik. Das „Notre Europa“ wird sich also auf der Basis von Werteintegration, Toleranz, aber auch außenpolitischer Konsequenz entwickeln. Diese Vision ist eine Grundlage für das europäische Bestreben für eine friedlichere und gemeinsamere Welt.

Jacob Schrot ist 17 Jahre alt und lebt in Brandenburg

 
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