60.Geburtstag Israel: 60 Jahre Israel – die Jugend mitnehmen!08. Mai 2008 06:58  |  Fahnen erinnern auf dem Olivenberg an die Toten, die es bei der Gründung des Staates Israel vor 60 Jahren gab. | Foto: dpa |
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Umfragen zeigen ein distanziertes Verhältnis der Deutschen zu Israel - gerade bei der Jugend. 60 Jahre nach Gründung Israels steht das deutsch-israelische Verhältnis vor zwei großen Herausforderungen, findet Lars Hänsel von der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Es herrscht Gleichgültigkeit in Deutschland. Eine Umfrage in der vergangenen Woche zeigt, dass die meisten Deutschen keine allzu große Verantwortung für Israel empfinden. 53 Prozent der Befragten einer veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF antworteten entsprechend. Immerhin: 40 Prozent der Befragten bejahten die Frage, ob Deutschland wegen seiner Geschichte eine besondere Verantwortung gegenüber Israel trage.
Die ZDF-Umfrage hat auch ergeben, dass unter den über 60-Jährigen 48 Prozent der historischen Verantwortung Deutschlands zustimmten, 45 Prozent antworteten mit «Nein». Unter den 30- bis 39-Jährigen die Ablehnung einer solchen Verantwortung mit 65 Prozent aber noch deutlicher ausfällt. Diese Zahlen zeigen, dass es 60 Jahre nach Gründung des Staates Israel eine doppelte Herausforderung gibt: Zum Einen, die Verantwortung für die Geschichte an die nächsten Generationen weiterzugeben, zum Anderen, auch die jungen Generationen in den deutsch-israelischen Dialog einzubeziehen.
Verantwortung auch in Zukunft
 |  Das deutsch-israelische Verhältnis muss mehr sein als die Erinnerung an den Holocaust | Foto: AP |
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Eine Herausforderung ist die Vermittlung von Verantwortung schon deshalb, weil die Generation der Zeitzeugen des Holocaust bald nicht mehr Zeugnis ablegen kann. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat viele Begegnungen organisiert und arbeitet vor allem in Israel mit Holocaustüberlebenden und deutschstämmigen Juden, welche Familienangehörige im Holocaust verloren haben.
Dieses persönliche Zeugnisgeben etwa in Gesprächen von Holocaustüberlebenden mit Schulklassen, auf öffentlichen Veranstaltungen, in Workshops für Jugendliche und auf Reisen nach Israel wird bald nicht mehr möglich sein. In Zukunft kommt es deshalb darauf an, neue Formen der Vermittlung zu finden, welche vor allem auch junge Menschen ansprechen, damit sie Verantwortung übernehmen können.
Um die junge Generation in den deutsch-israelischen Dialog einzubeziehen und diesen zukunftssicher zu machen, ist es wichtig, dass nicht nur auf der politischen Ebene gute Beziehungen zu Israel gepflegt werden, sondern auch Begegnung stattfindet.
 |  Auch in Israel populär: Tokio Hotel | Foto: PR |
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Junge Leute aus Deutschland machen in Israel häufig die Erfahrung, dass sie als Deutsche akzeptiert sind und mit Gleichaltrigen vieles teilen. Für die Begegnung von jungen Leuten müssen immer wieder neue Formen gefunden werden. So hat etwa der Auftritt der deutschen Kultband „Tokio Hotel“ in Israel junge Israelis und Deutsche näher gebracht als viele diskursive Veranstaltungen.
Es gibt Erfolgsgeschichten Wichtig ist für junge Leute in Deutschland zu sehen, dass beide Länder vieles über die Vergangenheit hinaus verbindet, und Israel auch anderes und mehr ist als nur Konfliktpartei. Leider befördern die Medien eine einseitige Wahrnehmung durch ihre Nachrichtenauswahl.
MEHR IN DER NETZEITUNG: 60 Jahre Israel in der Netzeitung |
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Selten hört man von den vielen „success stories“, die Israel auch ausmachen. Das Erfolgsgeheimnis Israels seit den Anfängen vor 60 Jahren liegt sicher auch darin, nicht erst auf ein politisch gutes Klima zu warten, um den Staat aufzubauen – im Gegenteil: gegen viele feindliche Widerstände ist eine florierende Demokratie gewachsen. Die besonderen Beziehungen ruhen so vor allem auch auf gemeinsamen Werten. Beide Staaten sind moderne Demokratien – gebaut auf den Werten, welche sich aus der jüdisch-christlichen Tradition speisen.
Beide Staaten teilen heute die Herausforderungen moderner Demokratien und die damit verbundenen Zukunftsfragen, die wir als Konrad-Adenauer-Stiftung gerade mit jungen israelischen und deutschen Politikern diskutieren:
 |  Einwanderer sind ein Problem für Israel | Foto: AP |
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Migration, Integration, demographische Entwicklungen, Herausforderungen an soziale Sicherungssysteme, ethische Fragen im Zeitalter der Hochtechnologie und moderner Kommunikationstechnik und Biotechnologie – um nur einige Themen anzusprechen. Es gibt zudem viele Felder, auf denen beide Staaten gemeinsame Interessen haben, nicht zuletzt Fragen des Umgangs mit Terrorismus und den Gefahren des radikalen Islamismus.
Nicht immer nur Vergangenheit Die Zukunft der Beziehungen wird deshalb viele Säulen haben – und haben müssen. Die Säulen der letzten 40 Jahre werden die Beziehungen nicht mehr sicher in die Zukunft tragen. Sie werden, auch wenn sie weitere Themenbereiche umfassen, jedoch stets besondere Beziehungen bleiben: Die dunkle Vergangenheit wird immer ein wichtiges Element der Verantwortung Deutschlands für Israel bleiben müssen. Schließlich werden die Beziehungen in Zukunft eine noch stärkere europäische Komponente erhalten.
 |  Deutsche Marine-Soldaten für die Sicherheit Israels im Rahmen der UNIFIL-Mission | Foto: AP |
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Im Zuge der sich politisch weiter vertiefenden Europäischen Union wird Deutschland einerseits die besonderen Beziehungen zu Israel auch auf europäischer Ebene einbringen. Und dies auch ganz konkret: Deutschland beteiligt sich heute mit Soldaten an der UNIFIL-Mission, welche zur Sicherheit Israels beitragen soll. Umgekehrt hat Israel mit Deutschland nicht nur bilaterale Beziehungen, sondern auch einen wichtigen Freund und Türöffner auf europäischer Ebene.
Dass man dies in Israel auch zunehmend so sieht, hat eine von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel durchgeführte repräsentative Umfrage zu den Einstellungen der Israelis zu Europa und Deutschland klar bestätigt. Es darf keine Gleichgültigkeit herrschen im deutsch-israelischen Verhältnis geben. 60 Jahre nach der Gründung Israels beginnt eine neue Ebene in diesem Verhältnis, eines, dass vor allem die Jugend in beiden Ländern erreichen muss.
 |  Dr. Lars Hänsel | Foto: KAS |
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Dr. Lars Hänsel ist Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel
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