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Auswirkungen des Wirbelsturms «Nargis» : 

UN-General «alarmiert» über Lage in Birma

05. Mai 2008 15:16, ergänzt 23:25
Umgestürzte Bäume in Yangon, Myanmar
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Während das Regime in Birma immer höhere Opferzahlen bekannt geben muss, bekommen die Generäle die Auswirkungen der Katastrophe kaum in den Griff. Die Bundesregierung kündigte eine Soforthilfe an.

Der verheerende Zyklon «Nargis» hat in Birma möglicherweise bis zu 10.000 Menschen in den Tod gerissen. Das sagte Außenminister Nyan Win am Montag vor Diplomaten. Das ganze Ausmaß der Verwüstung außerhalb der Großstädte war auch zwei Tage nach der Naturkatastrophe noch nicht abzusehen. Die Militärregierung bat inzwischen um internationale Hilfe für die mehreren hunderttausend Zyklon-Opfer in dem bitterarmen Land.

Nach Angaben des Berliner Auswärtigen Amts ist die Deutsche Botschaft in Rangun im Kontakt mit den Deutschen, die sich im Land aufhalten. Bisher gebe es keine Erkenntnisse, dass Bundesbürger getötet oder verletzt worden sind.

Nach einem Treffen mit ausländischen Diplomaten betonten Mitarbeiter des birmanischen Außenministeriums, man würde internationale Hilfe begrüßen. Besonders dringend würden Baumaterial, Plastikplanen und Zelte, Medikamente, Decken und Tabletten zur Wasseraufbereitung benötigt. Das benachbarte Thailand kündigte an, umgehend eine Flugzeugladung Hilfsgüter auf den Weg zu bringen.

Zwei Millionen von der EU, 500.000 Euro von der Bundesregierung

Das Auswärtige Amt in Berlin stellt deutschen Hilfsorganisationen 500.000 Euro humanitäre Hilfe für die Menschen in Birma zur Verfügung. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appelierte an die Militärregierung in dem Land, im Interesse der notleidenden Bevölkerung eine effektive Hilfsoperation zu ermöglichen und mit den internationalen Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten. Deutsche Hilfe stehe bereit. Die Aktion «Deutschland Hilft», der zehn deutsche Hilfsorganisation angehören, will nach eigenen Angaben 200.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung stellen.

Die EU-Kommission hat am Montag zwei Millionen Euro als Soforthilfe für die Opfer bereitgestellt. Nach Angaben der EU-Kommission soll das Geld über internationale Hilfsorganisationen ausgegeben werden. Zudem verstärkt die Kommission in der Hauptstadt Rangun ein Büro, das bereits bisher für humanitäre Hilfe zuständig ist.

Schon 4000 Tote gefunden

Das ganze Ausmaß der Verwüstung außerhalb der Großstädte war auch zwei Tage nach der Naturkatastrophe noch nicht abzusehen. Der staatliche Rundfunk berichtete, im Mündungsgebiet des Flusses Irrawaddy seien inzwischen 3939 Tote gefunden worden. Allein in dem Ort Naypyitaw am Irrawaddy würden 2879 Menschen vermisst. In dem 4000-Einwohner-Ort Pyinzalu im südöstlichen Teil des Irradwaddy-Deltas haben nach Angaben eines Sprechers der Hilfsorganisation ADRA Deutschland nur 400 Menschen überlebt. «Eine etwa 3,60 Meter hohe Flutwelle hat Pyinzalu überschwemmt und für mehrere Stunden unter Wasser gesetzt», berichtete ADRA-Sprecher Heinz-Hartmut Wilfert. Unter den Vermissten seien auch 19 einheimische Mitarbeiter der Hilfsorganisation.

Die Vereinten Nationen boten ihre Unterstützung an. Als ein erster Schritt sei ein Team zur Einschätzung und Koordinierung der Katastrophenhilfe gebildet worden, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Ban in New York. Es stehe zur Unterstützung der Regierung bereit, wenn es angefordert werde, sagte er.

Nach eigenen Worten ist er «sehr traurig und alarmiert» angesichts der Wirbelsturmkatastrophe in Birma und der steigenden Opferzahlen. Wegen der schlechten Kommunikation und Informationslage sei das Ausmaß der Schäden nicht abzuschätzen, sagte Ban.

UN steht bereit

Die Sprecherin des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe in Genf (OCHA), Elisabeth Byrs, sagte am Montag, ein internationales OCHA-Team stehe in Thailands Hauptstadt Bangkok bereit. Die Experten-Gruppe warte auf die Einladung der Regierung Birmas, um wie bei großen Katastrophen üblich, die Hilfen zu koordinieren. Mitarbeiter des UN-Kinderhilfswerks Unicef, die bereits in Birma arbeiteten, hätten mit ersten Hilfsmaßnahmen begonnen. Gebraucht würden vor allem Zelte, Decken, Kochgeschirr und Wasserreinigungsanlagen, da Trinkwasser verschmutzt sei.

World Vision und andere Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass bis zu zwei Millionen Menschen durch «Nargis» obdachlos wurden. Die Malteser stellten zunächst 10.000 Euro für Sofortmaßnahmen zur Verfügung, wie die Organisation in Köln erklärte.

Bilderschau:
Zyklon verwüstet Birma


Wo sind all die Uniformierten?

In Birma wurde unterdes Kritik am Militärregime laut, das offenbar nur schleppend mit der Unterstützung für die vom Wirbelsturm betroffenen Menschen vorankam. «Wo sind all die Uniformierten, die sonst in den Straßen immer bereit sind, Menschen zu schlagen?» fragte ein Rikscha-Fahrer. Von einigen Märkten wurden Plünderungen gemeldet. Der internationale Flughafen von Rangun wurde nach Angaben von Fluggesellschaften wieder geöffnet. Die Benzinpreise schossen in die Höhe, so dass Generatoren nur sparsam eingesetzt wurden.

Die Militärregierung deutete an, sie wolle trotz des verheerenden Unwetters an dem für Samstag geplanten Verfassungsreferendum festhalten. «Es sind nur noch ein paar Tage bis zum Referendum, und die Leute wollen unbedingt ihre Stimme abgeben», berichtete die staatliche Zeitung «Myanma Ahlin» am Montag. Oppositionelle Gruppen und internationale Kritiker werfen der Militärjunta vor, mit der Verfassung lediglich ihre Macht festigen zu wollen. (nz/AP/dpa)


 
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