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Berlins Polizeipräsident bei Mai-Demo: 

Glietsch gibt Journalisten Schuld an Attacke

02. Mai 2008 17:35
Der Polizeipräsident musste von Polizisten geschützt werden
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Dass der Auftritt eines Polizeipräsidenten am 1. Mai in Kreuzberg provokant wirken könnte, versteht Berlins oberster Gesetzeshüter nicht. Vielmehr seien die Fotografen verantwortlich dafür, dass er zur Zielscheibe wurde.

Bei den Krawallen rund um die Feiern zum 1. Mai in Berlin sind 103 Polizisten leicht verletzt worden. Polizeipräsident Dieter Glietsch und der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zogen am Freitag trotzdem eine positive Bilanz. Im Vergleich zu den Vorjahren sei die Gewaltbereitschaft deutlich gesunken.

Glietsch, der am Freitag seinen 61. Geburtstag feierte, wies Kritik zurück, durch seinen Auftritt bei der Demonstration zur Eskalation beigetragen zu haben. Er habe nicht damit rechnen können, in eine solche Situation zu kommen und erkannt zu werden, sagte er. Das Blitzlichtgewitter der Fotografen habe die Aufmerksamkeit «der Chaoten» auf ihn gelenkt.

«Der Argumentation, dass die schlichte Anwesenheit von Polizisten oder auch einem Polizeipräsidenten als Provokation betrachtet wird und Gewalttaten rechtfertigt, kann ich nicht folgen», betonte Glietsch. Seit sechs Jahren sei er immer vor Ort gewesen. Nie habe das zu irgendeiner Art von Unmut geführt. Glietsch war am Donnerstagabend bei der Demonstration von Autonomen mit Steinen, Flaschen und Stühlen beworfen worden, als er sich persönlich ein Bild von der Lage machen wollte. Er entkam den Autonomen nur mit Mühe und blieb unverletzt. Bei den Attacken der Autonomen hatten die Personenschützer von Glietsch auch Fotografen mit Pfefferspray außer Gefecht gesetzt.

Gewalt bleibt Bestandteil der Maifeiern

Körting sagte, er halte es für richtig, dass sich die Verantwortlichen vor Ort ein Bild vom Klima machten, um über die Angemessenheit von Maßnahmen zu entscheiden. Auf jeden Fall habe sich der Trend der vergangenen Jahr von Straßenschlachten hin zu friedlichen Veranstaltungen fortgesetzt, auch wenn es einige Zwischenfälle gegeben habe. Er sei aber Realist genug, um zu wissen, «dass der Spuk» noch nicht vorbei sei. «Es gibt in Berlin ein Potenzial von eher jungen Leuten, die die Feste benutzen wollen, um zu gucken, was so geht.» Die Zahl derer, die das versuchten, nehme aber deutlich ab. Körting sagte, er habe Erkenntnisse, dass aus der Berliner autonomen Szene rund 150 Leute zu den Krawallen nach Hamburg gereist seien.

«Sehr rabiate Festnahmen»

Die Organisatoren der 1.-Mai-Demonstrationen sprachen im Zusammenhang mit den Protesten gegen Glietsch von «sehr rabiaten Festnahmen». Sie warfen «mindestens» einem Zivilpolizisten vor, seine Dienstwaffe gegen Demonstranten gerichtet zu haben. Außerdem hätten 15 zum Teil vermummte Zivilpolizisten Demonstranten mit Schlagstöcken und Pfefferspray angegriffen.

Weniger Verhaftungen, weniger Sachbeschädigungen

In Berlin waren in diesem Jahr am 1. Mai 6.000 Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet im Einsatz. Insgesamt wurden in der Walpurgisnacht und am 1. Mai in der Hauptstadt 162 Menschen festgenommen. Im letzten Jahr waren noch 130 Polizisten verletzt worden und es gab 234 Festnahmen.

Über die Hälfte der Festgenommenen sind laut Glietsch Jugendliche oder Heranwachsende. Nur sechs von ihnen waren weiblich, der Rest männlich. Zu 90 Prozent hätten die Festgenommenen die deutsche Staatsbürgerschaft. Glietsch wies darauf hin, dass sich die Zahl der Verletzten und Festnahmen noch erhöhen werde, da Meldungen auch noch später erfolgten.
Die Zahl der Sachbeschädigungen sank ebenfalls: Gab es 2007 noch 24 Fälle, so waren es 2008 lediglich neun Taten. Gegen die Festgenommenen wird vor allem wegen schweren Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. (AP)
 
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