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Lupe Senkung der US-Zinsen verpufft an den Börsen

Wenn selbst die US-Notenbank panisch reagiert, wie sollen da die normalen Anleger ruhig bleiben, fragen sich Börsianer. Ein früherer IWF-Chefökonom fürchtet, dass in der Krise einige Banken nicht überleben werden.

Die deutliche Zinssenkung der US-Notenbank vom Dienstag hat sich nach Ansicht von Analysten als kontraproduktiv erwiesen. Händler auf dem Frankfurter Parkett sprachen am Mittwoch von einer «Panik-Reaktion» auf die vorgezogene Entscheidung der Notenbank. Der Zinsschritt lasse darauf schließen, dass die Lage noch schlimmer als angenommen sei. Die Fed hatte am Dienstag überraschend die Leitzinsen in den USA um 0,75 Punkte auf 3,5 Prozent gesenkt. Ursprünglich war erst für kommende Woche eine Senkung um 0,5 Punkte erwartet worden.

Der plötzliche und überraschend große Zinsschritt habe die Panik unter den Anlegern noch vergrößert, sagte Steffen Neumann von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) der Nachrichtenagentur AP. «Es gibt den Händlern zu denken, dass die Notenbank die Lage offenbar so negativ einschätzt.» Auch Börsenexperte Wolfgang Gerke kritisierte die US-Notenbank: Es sei unverständlich, wie die Fed so ihr Pulver verschieße, sagte Gerke der Netzeitung. Der Fed sei es nicht um die Stützung der US-Konjunktur gegangen, sondern allein um die Beruhigung der Aktienmärkte.
Zinssenkung könnte Endkunden nicht erreichen
LBBW-Fachmann Neumann sagte, eine Beruhigungspille wie die Zinssenkung vom Dienstag könne keine nachhaltige Wirkung haben. «Der Markt muss den Boden allein finden.» Zwar hatte der Dax am Mittwochvormittag nach der US-Zinsentscheidung deutlich im Plus eröffnet, am Nachmittag fiel er aber zeitweise um fast sechs Prozent unter die Marke von 6400 Punkten. Auch die anderen europäischen Aktienmärkte gingen auf Achterbahnfahrt. Die Wall Street schloss sich an: Der Dow Jones büßte zum Handelsstart 2,2 Prozent ein.

Experten hegen zudem Zweifel, ob die Zinssenkung der Fed bei den Kunden überhaupt ankommt. «Die Endkunden spüren wahrscheinlich wenig bis gar nichts, weil die Banken gleichzeitig ihre Risikoaufschläge erhöhen», sagte André Köttner, Fondsmanager von Union Investment. An den Märkten wird vielfach davon ausgegangen, dass die US-Notenbank in der kommenden Woche die Zinsen noch einmal senken wird – womöglich erneut um 0,75 Prozent.
Kleineren Banken droht Existenzkrise
«Die Fed hat sich einfach entschlossen, die Inflationsgefahren exzessiver Zinssenkungen zu ignorieren», kommentierte der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kenneth Rogoff, im «Handelsblatt». Damit dürfte die Kern-Inflationsrate in den USA in den kommenden zwei Jahren bis auf drei Prozent steigen, schätzte Rogoff.

Der Experte zeichnet ein düsteres Bild für dieses Jahr. Seiner Einschätzung nach steht der Dow Jones am Jahresende bei 10.000 bis 11.000 Punkten – am Mittwoch eröffnete er bei 11.850 Zählern. Ein baldiges Ende der Krise sieht Rogoff nicht: «Wir dürften in den nächsten Quartalen weitere schlechte Nachrichten bekommen», prophezeite der Harvard-Professor. «Es ist durchaus möglich, dass mindestens eine Großbank in Schieflage gerät.» US-Banken seien am anfälligsten. «Eine größere Zahl kleiner und mittelgroßer Institute wird in der jetzigen Form nicht überleben.»

Der IWF rechnet angesichts der Finanzkrise mit deutlichen Folgen für die Weltkonjunktur. «Eine erhebliche Drosselung des globalen Wachstums für 2008 scheint bereits unvermeidlich, während die Abwärtsrisiken weiter vorherrschen», sagte IWF-Sprecher Masood Ahmed in Washington. Die US-Krise und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft steht auch im Mittelpunkt des Weltwirtschaftsforums, das am Mittwoch in Davos begann. Rund 2500 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur beraten fünf Tage lang über die jüngsten globalen Entwicklungen. (nz/AP)