netzeitung.deDie älteste Sprache der Menschheit

 Herausgeber: netzeitung.de

Ein Khoisan aus dem südlichen Afrika. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein Khoisan aus dem südlichen Afrika.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit einer Kombination aus genetischen, geographischen und sprachwissenschaftlichen Analysen kommen US-Forscher zu dem Schluss, dass das afrikanische Khoisan die älteste Sprachfamilie der Welt sein muss.

Der moderne Mensch besiedelte von Afrika aus die Welt. Im Südwesten des Kontinents zeigen die Buschleute (Khoisan) noch einige Körpermerkmale (gelbbraune Hautfarbe, Lidfalte usw.) aus diesen frühen Tagen.
Klicks
Die Anthropologen Alec Knight und Joanna L. Mountain von der Stanford-University sind davon überzeugt, dass die Khoisan-Sprache auf die älteste Sprache der Menschheit zurückgeht. Auf der 51. Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Humangenetik in San Diego stellten sie ihren neuen Forschungsansatz zur Diskussion.

Auffälligstes Merkmal aller Khoisan-Sprachen sind unterschiedlich gebildete Schnalzlaute oder «Klicks». Sie geben Wörtern und Wortelementen eine verschiedene Bedeutung. Etwa 435.000 Menschen in Südafrika, Namibia, Botswana, Angola und Tansania sprechen heute noch eine der 29 Einzelsprachen und Dialekte, die zur Familie der Khoisan-Sprachen gehören. Deutlich lassen sich zwei Völkergruppen unterschieden, die über Tausende von Kilometern voneinander getrennt leben: einerseits die Buschleute und Hottentotten in Südwestafrika und andererseits die Hadza und Sandawa mit zusammen 70.000 Menschen im ostafrikanischen Tansania.

Räumliche und genetische Trennung
Von dieser großen geographischen Verbreitung gehen die beiden amerikanischen Forscher in ihrer Hypothese aus. Wenn die ostafrikanischen Khoisan-Sprecher erst in jüngerer Zeit ihre südafrikanischen Verwandten verlassen haben, dann muss ihre genetische Ähnlichkeit noch groß sein. Wenn die Trennung der Khoisan-Sprachen dagegen lange zurückreicht, dann ist genügend Zeit verflossen, so dass die beteiligten Völker sich genetisch auseinander entwickeln konnten.

Knight und Mountain verglichen deshalb die Gene der süd- und ostafrikanischen Khoisan-Sprecher miteinander. Die Mutationen der Mitochondrien-DNA (mtDNA) wie auch einzelner Nukleotide, der so genannten SNPs (sprich «snips», Single Nucleotide Polymorphisms), zeigten tatsächlich eine große genetische Varianz. Daraus schließen die Forscher, dass «die San und die Hadza die Klick-Konsonanten seit dem Ursprung von uns allen beibehalten haben», weil sie genetisch voneinander so weit entfernt sind, «wie zwei Populationen überhaupt sein können.»

Ist Sprache stabiler als Gene?
Die Übertragung von Ergebnissen der Molekulargenetik auf die Sprachgeschichte eröffnet neue Perspektiven. Allerdings meldeten Teilnehmer der Diskussion Zweifel an. Sie wiesen darauf hin, dass die Theorie ihrer Kollegen auf der Annahme beruht, die Lautentwicklung in einer Sprache gehe langsamer vonstatten als die genetische Differenzierung in einer Bevölkerung.

Sprache und Kultur seien also stabiler als der physische Bestand einer Bevölkerung. Auch könne eine spätere Verbreitung der Khoisan-Sprache zu genetisch verschiedenen Völkern nicht ausgeschlossen werden. Beispielsweise treten Schnalzlaute bei einigen Bantu-Völkern auf, die in einem langen Kulturkontakt mit Khoisan-Völkern stehen. (nz/jkm)