Traditionsmarke vor dem Ende:
Das grüne Band der Sympathie verschwindet
11.05.2009
Herausgeber: netzeitung.de
In einer E-Mail an die Mitarbeiter sprach Commerzbank-Chef Martin Blessing von einem «historischen Tag» für die beiden benachbarten Großbanken. Verdi- Vertreter Frank Wolf betont: «Viele Beschäftigte sind nicht begeistert, Bankmitarbeiter identifizieren sich schon sehr mit ihrem Arbeitgeber.» Am vergangenen Mittwoch trugen in Berlin etwa 300 Menschen die Dresdner Bank bereits symbolisch zu Grabe.
Die Investmentsparte wurde zum Dauerkrisenherd und war im vergangenen Jahr für den Löwenanteil der 6,3 Milliarden Euro Verlust der Dresdner Bank verantwortlich, die Ehe mit der Allianz ging nach problembelasteten Jahren in die Brüche. «Seit der ersten öffentlichen Fusionsverhandlung mit der Deutschen Bank war das Institut auf dem langsam wegsterbenden Ast», meint der Ökonom Dirk Schiereck von der TU Darmstadt.
Bankenanalyst Konrad Becker von der Münchener Privatbank Merck Finck wird noch deutlicher: Die Bank habe seit Jahren keine richtig Linie mehr gefunden. «Eigentlich hat sie sich schon um die Jahrtausendwende selbst aufgegeben.» Steueraffäre, gescheiterte Fusion mit der Deutschen Bank, danach habe sich das Institut im Ausland angeboten «wie sauer Bier». «Die Dresdner Bank ist schon lange nicht mehr in der Lage gewesen, ihr Schicksal selbst zu bestimmen», urteilt Becker.
Die Alliierten zerschlugen die Bank nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die letzten drei Institute wurden 1957 zur Dresdner Bank AG mit Sitz in Frankfurt am Main zusammengefasst. Unter Vorstandschef Jürgen Ponto, der 1977 von RAF-Terroristen erschossen wurde, gelang der Dresdner in den 1970er Jahren der Aufstieg zu einer internationalen Geschäftsbank.
Nach zwei gescheiterten Fusionsanläufen, unter anderem mit der Deutschen Bank, übernahm 2001 der Versicherungskonzern Allianz die Dresdner für etwa 23 Milliarden Euro. Die letzte Hauptversammlung am 24. Mai 2002 glich bereits einer Beerdigung: Fast 130 Jahre nach ihrer Gründung verlor die Dresdner ihre Selbstständigkeit als börsennotierte Gesellschaft. (Jörn Bender, dpa und Kathrin Schulte-Bunert, dpa-AFX)

