Großbank UBS unter Druck:
USA knacken das Schweizer Bankgeheimnis
19.02.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die UBS, in Europa mit am stärksten von der Finanzkrise betroffen, hat die Schweiz an den Rand des Abgrunds gebracht. So müssen es Regierung und Finanzmarktaufsicht gesehen haben, denn nur so können sie ihren Schritt rechtfertigen. Hätte die UBS nicht zugestimmt, eine hohe Strafe zu zahlen und die Kundennamen preiszugeben, hätte ihr ein imageschädigender Prozess gedroht.
Dies hätte die Bank bis in die Pleite treiben können, und der Staat, der sich verpflichtet hat, sie aufzufangen, wäre mit in den Abgrund gerissen worden. Das ist das Szenario, mit dem sich die Verantwortlichen in den vergangenen Tagen konfrontiert sahen.
Begründet wird die Unterscheidung immer mit der Freiheit der Bürger. Dass dies aber massiv missbraucht wird, geben mittlerweile immer mehr zu. Und dass das Bankgeheimnis aus humanitären Gründen eingeführt worden sei, um jüdische Vermögen vor den Nationalsozialisten zu schützen, wird heute von Historikern als Mythos bezeichnet.
Washington habe Bern nun erpresst, hieß es am Donnerstag. Der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, Pierre Mirabaud, meinte hilflos: «Die USA haben den Dienstweg nicht eingehalten.» Denn die US-Regierung habe ein seit Juni laufendes Amtshilfeverfahren nicht abgewartet, sondern den Vergleich mit der UBS erzwungen. Danach zahlt die Bank nun 780 Millionen Dollar an Strafe und Wiedergutmachung und gibt Kundennamen preis von bis zu 300 von insgesamt 20.000 ist die Rede.
Das Bankgeheimnis wird seit den 60er Jahren im In- und Ausland, besonders von Deutschland und Frankreich, kritisiert, auch wegen des Auftauchens von Diktatorengeldern auf Konten in der Schweiz oder im Zusammenhang mit nicht zurechenbarem Vermögen von Holocaust-Opfern oder mit der internationalen Terrorfinanzierung. Versuche, es einzuschränken, schlugen bisher fehl. Es soll sogar in der Verfassung verankert werden. Und die Unterscheidung Betrug/Hinterziehung müsse fallen. Doch darauf stützt sich Schweizer Reichtum.
Andererseits muss nun jeder Kunde einer Schweizer Bank damit rechnen, dass seine Daten weitergegeben werden, wenn er denn eine kriminellen Hintergrund, was Steuerhinterziehung etwa sei, aufweise. Somit sei das Bankgeheimnis nach Schweizer Art nun durch die USA geknackt. Hans Geiger, Bankenexperte der Universität Zürich, formuliert das so: «Der Schutz der finanziellen Privatsphäre ist wichtig. Der Schutz der Steuerhinterziehung ist nicht wichtiger für den Finanzplatz Schweiz.» (Heinz-Peter Dietrich, dpa)

