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Mythos 68
 

«Kurzer Sommer - lange Wirkung» : 

Dutschke und die Langhans-Brille

29. Apr 2008 11:13
Rudi Dutschke (l) und die Vordenker der 68er im Historischen Museum in Frankfurt auf einer bemalten Lkw-Plane
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Die alten 68er haben viele Gesichter – und viele Ausstellungen. In Frankfurt am Main gibt es derzeit eine, die neben Videos von Zeitzeugen auch die Brille von Rainer Langhans und Fanpost an die Kommune 1 ausstellt.

Neben Berlin war 1968 auch Frankfurt am Main einer wichtigsten Schauplätze der Studentenrevolte in Deutschland. Nun, 40 Jahre später, widmet das Historische Museum Frankfurt der Protestbewegung und ihren Folgen eine umfassende Ausstellung zu diesem Thema.

Unter dem Titel «Kurzer Sommer – lange Wirkung» will die Schau vom 1. Mai bis 31. August vor allem die Vielfalt der damaligen Bewegung auch in globaler Hinsicht deutlich machen. Insgesamt sind 700 Exponate von 700 Leihgebern zu sehen, von Flugblättern über die Brille von Rainer Langhans bis zu Fanpost an die Kommune 1.

«Spießerhölle» und «Horrorvision»

Auf rund 700 Quadratmetern hat die Schau acht thematische Schwerpunkte gewählt. Es geht dabei um Bildung und Erziehung, neue Geschlechterrollen, alternative Wohnformen, den Umgang mit der Nazizeit, internationale Solidarität, selbstverwaltete Betriebe, neue Aktionsformen, die Frage der Gewalt und den Wandel der Lebensstile. Eine in der Mitte der acht Räume inszenierte «Spießerhölle» soll deutlich machen, gegen welche «Horrorvisionen» sich die 68er mit ihren Entwürfen richteten.

Daniel Cohn-Bendit (r) blickt in einer Video-Installation als Zeitzeuge auf die Studentenrevolte in Deutschland von 1968 zurück
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In einer großen Videoinstallation blicken acht namhafte Aktive der Bewegung – darunter Gretchen Dutschke, Daniel Cohn-Bendit, Beate Klarsfeld oder KD Wolff – auf die Bewegung zurück und diskutieren deren Nachwirkungen. Am Ende der Ausstellung haben die Besucher selbst die Möglichkeit, ihre Sicht der damaligen Ereignisse zu kommentieren.

Die «dünne Haut» der Gesellschaft

Museumsdirektor Jan Gerchow sagte, dass 1968 eine ganze Generation geprägt habe, auch wenn die Bewertung unklar bleibe. Dass derzeit über die Folgen von 68 so heftig gestritten werde, zeige auch die «dünne Haut» der bundesdeutschen Gesellschaft. Man habe mit Absicht ein Schweizer Ausstellungsbüro beauftragt, um beim Blick auf die Ereignisse eine größere Distanz zu schaffen.

Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) wies auf die seiner Ansicht nach unterschätzte kulturelle Dimension von 1968 hin. Die Rolling Stones mit ihren Liedern wie «Satisfaction» hätten sicherlich mehr bewirkt als die Schriften des Frankfurter Soziologen Theodor W. Adorno.

Begleitet wird die 68er-Ausstellung von rund 100 Veranstaltungen. Darunter sind Lesungen, Konzerte oder auch Stadtrundgänge zu bekannten und weniger bekannten Orten der Revolte. (dpa)

 
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