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Mythos 68
 

Frauen in den 68ern: 

Revoluzzer waschen kein Geschirr

1968 übernahmen auch immer mehr Frauen das Wort – und die Initiative
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In der meist von Männern geführten Debatte über 68 tauchen Frauen höchstens am Rande auf. Ihre Rolle und Kritik an der Bewegung wird nur selten erwähnt. Doch was wäre 68 ohne die Frauen, fragt sich Ulrike Schulz.

«Tatsächlich waren wir selbst Akteurinnen und nicht etwa die Anhängsel von irgendwem». Das sagt die ehemalige Hochschulreferentin des SDS, Susanne Schunter-Kleemann. Denn die Frauen habe sich nicht nur an den Demos beteiligt, sondern auch eigene Aufgaben und bald auch das Wort übernommen. Eine kleine Auswahl: Annette Schwarzenau war Delegierte im «Zentralrat der Kinderläden» und am Kacke-Attentat auf die Stern-Redaktion 1969 beteiligt.

Sigrid Fronius war 1968 Vorsitzende des AStA und Mitbegründerin der Kritischen Universität. Sigrid Rüger war seit 1965 studentische Sprecherin im Akademischen Senat und zu der Zeit an der FU bekannter als Rudi Dutschke.

Die Idee zur Gründung von Kommunen in Berlin hatte nicht Dieter Kunzelmann, sondern Gretchen Dutschke-Klotz, die über Versuche in den USA gelesen hatte. Das Ergebnis gefiel ihr aber nicht mehr, als Kunzelmann offene

Nicht Rudi, sondern Gretchen Dutschke-Klotz war es, die Kommunen gründen wollte
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Beziehungsstrukturen forderte. Denn nun «sollte freie Sexualität bedeuten, dass die Frauen den Männern immer zur Verfügung stehen.» Nur wenige Frauen, wie Dagmar Pryztulla, wohnten fest in der Kommune. Viele litten dort, weil sie an dem Partner hingen, mit dem sie eingezogen waren. Eifersucht galt aber als bürgerliches Relikt, das zu überwinden sei. Außerdem konnten die Frauen die freie Liebe nicht im gleichen Maße leben, weil die Männer, die ihnen gefielen, wegen der Dominanz der Kommunarden dort keinen Platz hatten. Mit den Folgen der freien Liebe, sprich einer ungewollten Schwangerschaft, mussten sie auch meist allein fertig werden.

«Aktionsrat zur Befreiung der Frauen»

Den größten Diskussionsbedarf gab es aber – wie in einer Kleinfamilie – über die alltäglichen Pflichten des Haushaltes, denn die Kommunarden beteiligten sich nur ungern an Abwasch und Kinderversorgung.

Das Hauptproblem der Frauen mit Kindern war der Zeitmangel. Helke Sander gründete deshalb den «Aktionsrat zur Befreiung der Frauen», aus dem die ersten Kinderläden hervorgingen. Die Frauen wollten abwechselnd auf die Kinder aufpassen, um mehr Zeit für Politik zu haben.

Mehr und mehr wurde ihnen ihre eigene Unterdrückung bewusst. So forderte Sander eine Diskussion im SDS über ihre Situation. Der SDS war zwar männerdominiert, und Gretchen Dutschke-Klotz beschreibt, dass die meisten Frauen ausgelacht wurden, wenn sie sich zu Wort meldeten, dennoch war er ein Stück egalitärer als der Rest der Gesellschaft. Wenn sich etwas am Geschlechterverhältnis ändern konnte, dann hier. Als die «Genossen» sich aber auf der Frankfurter Delegiertenkonferenz im Herbst 68 weigerten, darüber zu reden, hagelte es ein Tomaten. Die wütenden Studentinnen gründeten Frauengruppen. Manche sagen, es sei das Ende des SDS gewesen. Für die Frauenbewegung war es jedenfalls ein Anfang.

Die Netzeitung veröffentlicht diesen Artikel als Partner des Medienprojekts «Mythos 68» von Jugendpresse.de und der Bundeszentrale für politische Bildung.

 
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