«Online-Werbung bietet bessere Chancen»
Koch hält ein Plädoyer für intelligent gemachte Online-Werbung. «Für viele ist das Internet einfach nur ein Ballast, mit dem man kaum Geld verdienen kann», stellt der tkmStarcom-CEO fest. Doch mit dem individuell gestalteten Online-Auftritt «lässt sich leichter eine höhere Wirkung erzielen als mit dem klassischen TV-Spot». In den digitalen Festplattenrekordern, mit denen sich Werbung überspringen lässt, sieht Koch keine große Bedrohung für die Fernseh-Vermarkter: «Für die meisten Menschen ist Werbung ein völlig selbstverständlicher Bestandteil der Mediennutzung.» Angekündigte Preiserhöhungen für TV-Werbung kann Koch «aus Sicht der Sender nachvollziehen». Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich seien allerdings nicht durchzusetzen, wenn die Buchungen ausbleiben. Koch: «Die Unternehmen haben nicht mehr Geld für Werbung.»
Netzeitung: Herr Koch, kann die Bundestagswahl im Herbst die nötigen Impulse für die deutsche Wirtschaft bringen und damit auch für die Kommunikationsbranche?
Netzeitung: Also kein unmittelbarer Impuls für die Werbebranche?
Koch: Nein, darauf kann man nicht hoffen.
Netzeitung: Wie lassen sich die Kunden davon überzeugen?
Koch: Wir müssen in unserer Argumentation weg von Media-Einkaufsfaktoren und stärker die Beratung in den Mittelpunkt rücken, die wir leisten. In den vergangenen Jahren wurde bei vielen Agenturen ein Fernsehplan optimiert und nicht geplant. Man hat preiswertere Zeitschienen eingekauft, ohne zu überlegen, ob die Zielgruppe überhaupt da ist. Das führte dann etwa zu Kampagnen, mit denen man Berufstätige erreichen will und bei denen über 50 Prozent der Spendings tagsüber abliefen. Das hat mit Mediaplanung nichts zu tun, das ist pure Tausender-Kontaktpreis-Optimierung. Hier müssen viele Agenturen zurückfinden zu einer kreativeren, individuelleren Mediaplanung.
Netzeitung: tkmStarkom schreibt auf seiner Website, dass Online-Werbung mehr ist als die bloße TKP-Optimierung. Was ist dieses Mehr?
Koch: Es besteht darin, erkannt zu haben, dass es dieses Medium wert ist, eingesetzt zu werden. Diese Meinung vertreten nicht alle Unternehmen und Agenturen gleichermaßen. Für viele ist Online einfach nur ein Ballast, mit dem man kaum Geld verdienen kann. Wir lernen immer noch den Umgang mit diesem Medium, das weit über Werbebanner hinausgeht und ja viel komplexer ist als Print- oder TV-Werbung. Und hier haben wir mit Hilfe unserer Kunden eine ganze Menge gelernt. Es gelingt uns, das Medium sehr erfolgreich und individuell einzusetzen. Das wird dann auch honoriert. Für die Beratung ist der Kunde bereit, nicht wie die sonst im Mediabereich üblichen zwei Prozent Provision zu zahlen, sondern auch schon mal sieben, acht Prozent. Auch das macht das Medium für uns reizvoll.
Koch: Man kann grundsätzlich davon ausgehen, dass Werbung wirkt. Insofern ist da Online nichts anderes als Print oder Radio. Aber: Wir beobachten auf die zurückliegenden zehn Jahre betrachtet weltweit eine ungeheuere Zunahme von Werbung, ohne dass der Endverbraucher in seinem Gehirn mehr Platz dafür hat. Das heißt, es ist heute viel schwieriger, mit der Botschaft durchzudringen. Und da können wir mit einem individuell gestalteten Online-Auftritt leichter eine höhere Wirkung erzielen als mit der Ausstrahlung von Fernsehspots oder dem Schalten von Print-Anzeigen. Online liefert hier einfach bessere Chancen.
Netzeitung: Ein Beispiel?
Koch: Für debitel hatten wir eine Zielgruppe anzusprechen, die an der Schwelle vom Prepaid- zum Vertragshandy steht. Das ist die Gruppe der 18-Jährigen also genau das Alter, in dem man den Führerschein machen kann. Ein großer Augenblick im Leben eines jungen Menschen. Daher suchten wir uns mit fahrschule.de eine Website aus, die genau das anspricht. Während die User auf die Auswertung der Führerschein-Testfragen warteten, lief die debitel-Werbung für Vertragshandys. Der Erfolg war enorm.
Netzeitung: Herr Koch, kaufen Sie im Internet ein?
Koch: Ja, das ist für mich selbstverständlich geworden bei Reisen oder Hotelbuchungen. Das macht einen höllischen Spaß und es funktioniert jedes Mal. Das fasziniert mich.
Netzeitung: Nun hat Online einen Anteil am gesamten Werbekuchen von etwa 1,5 Prozent. Dieser soll nach diversen Schätzungen bis zum Jahr 2010 auf fünf bis zehn Prozent wachsen. Eine Gefahr für die klassischen Medien?
Netzeitung: Wie sehen Sie die Entwicklung im Fernsehbereich, welche Auswirkungen werden digitale Festplattenrekorder, etwa die Tivo-Technologie, haben? Damit lässt sich ja bekanntlich Werbung überspringen, also Adskipping betreiben.
Koch: Das Problem ist nicht zu vernachlässigen, aber diese Entwicklung betrifft eine Minderheit. Die Masse der Zuschauer wird Tivo nicht nutzen. Die Werbung zu umgehen, erfordert einen ziemlichen Aufwand. Außerdem glaube ich, dass für die meisten Menschen Werbung ein völlig selbstverständlicher Bestandteil der Mediennutzung ist. Natürlich gibt es immer eine Minderheit, die sagt, dass Werbung stört. Aber das bringt uns nicht aus der Ruhe. Wir wissen, dass die Werbewirkung insgesamt nicht zurückgeht.
Netzeitung: SevenOne Media, der Vermarkter von ProSiebenSat.1, will seine Preise um bis zu zwölf Prozent erhöhen. Ist das unverschämt?
Koch: Die Unternehmen haben nicht mehr Geld für Werbung. Als die Etats vor vier Jahren zurückgingen, haben sie schlichtweg gelernt, mit diesen geringeren Spendings umzugehen. Nehmen wir zum Beispiel den Waschmittelmarkt. Da haben die Unternehmen festgestellt: Wenn alle weniger werben, wird dadurch der Umsatz nicht rückläufig und die Marktanteile verschieben sich nicht. Warum also jetzt mehr Geld ausgeben?
Das Gespräch führte Stephan Kabosch

