Unsere Blogrundschau: Wer sagt es «Eliza»?11. Mrz 2008 07:12  |  Er ruhe in Frieden: Joseph Weizenbaum | Foto: dpa |
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Blogger erinnern sich an den Computerpionier Joseph Weizenbaum. Sollte Jürgen Habermas sich Beppe Grillo zum Vorbild nehmen? Außerdem: Schills Erben, Streik in Berlin und Knöpfe auf Asphalt. Der Blogblick.
Der Tod von Joseph Weizenbaum,
des
«Ketzers der Informatik», ist Anlass, sich an ihn zu erinnern und an sein Programm
«Eliza».
Motzes traf den Rebellen einmal nach der Arbeit, also nach erledigter
Konferenz:
«cafe? gerne! 'was ich vor 10/30 jahren sagte, hat noch seine berechtigung.' (bei amazon im doppelpack erhältlich.) er würde nur einen anderen titel wählen. anstatt: die auswirkung des computers auf die gesellschaft, die auswirkung der gesellschaft auf den computer und sprach vom militär.»
Das Erdferkel
schreibt:
«Als viele damals von seinem Programm Eliza viel zu sehr beeindruckt waren und es in ihrer Ahnungslosigkeit weit überschätzten erschrak er, statt, wie viele andere es getan hätten und heute noch tun würden, laut 'Jawoll! Und in zehn Jahren haben wir eine echte KI!' zu rufen und haufenweise Fördergelder einzusacken; schon dafür gebührt ihm mein tiefster Respekt.»
Einer muss die schlimme Nachricht endlich «Eliza» überbringen. Das Erdferkel übernimmt die schwierige
Aufgabe:
– «Eliza: Hallo, ich bin Eliza. Erzähle mir von Deinem Problem… – Ich: Joseph Weizenbaum ist tot. – Eliza: Oh!»
Noch einer muss es «Eliza»
sagen.
Max, Schnipsel: – «Max: Joseph Weizenbaum ist tot. – Eliza: Was? ;) – Max: Dein Erfinder… – Eliza: Wirklich, mein Erfinder? – Max: Ja. Der, der sowas wie Dich erfunden hat. – Eliza: Kannst du das nicht etwas erläutern? – Max: Du warst eigentlich nur so eine Spielerei für Dialoge mit Benutzern. Ein Testprogramm für KI. – Eliza: Du sprichst nicht über mich in Wirklichkeit, nicht wahr?»
Eliza wird noch Weile brauchen, bis sie den Tod ihres Vaters an sich heranlassen kann.
Eine richtige Feuilletondebatte! Die Kabarettistin Schnutinger liest
anderthalb Minuten
lang aus einem Artikel über Jürgen Habermas und provoziert damit eine Debatte.
Zunächst greift Thomas Knüwer, Indiskretion Ehrensache, Schnutingers Spott
auf:
«Hier gilt: Wer uns nicht versteht, ist halt zu dumm. Ob diese Art der Ignoranz nicht vielleicht doch dazu beiträgt, auf Dauer die Leserzahl zu senken?»
Knüwers Polemik gegen die Unverständlichkeit ist Jörg Friedrich und Jean Stubenzweig Anlass für ausführliche Gegenartikel. Jörg Friedrich
schreibt:
«Sollte Habermas sich vielleicht Beppe Grillo zum Vorbild nehmen? (…) Der Philosoph ist nunmal in eine Denktradition eingebunden, er hat sich eine Gedankenstruktur angeeignet, die ihm das Verstehen der Komplexität seines Themas überhaupt erst ermöglicht hat, und aus dieser Philosophie-Tradition kommt er bei der öffentlichen Äußerung seiner Gedanken naürlich auch nicht heraus. (…) Da die Welt nun einmal komplex ist, hat es auch gar keinen Sinn, sie einfach darzustellen. In jeder einfachen Darstellung liegt die Gefahr der unzulässigen Vereinfachung. Was man dann versteht, ist die Darstellung, aber nicht die Welt.»
In seinen Kommentaren aufgefordert, Habermas zu übersetzen, tut er dies und resümiert:
«Siehste,
war auch nicht kürzer. War es verständlicher? Vielleicht. Aber war es genau das, was Habermas sagen wollte? Keine Ahnung.»
Jean Stubenzweig, Schmoll et copains — Walksfelder Bote:
«Besonders
schweres Gerät fährt gerne auf, wen die Macht des Schicksals auf den kerzengeraden Weg des Sportes oder der Ökonomie, vor allem aber deren Vermittlung geschickt hat. Auf dieser übersichtlichen Autobahn tritt der sportiv-dynamische Pilot gerne das Pedal durch und düst mit seinem Rennpanzer von A nach B. Was er auf Teufel komm' raus nicht ausstehen kann, sind diese mäandernden Entdecker der Langsamkeit, diese sprachschwurbelnden Welterklärer, die denjenigen aufhalten, der besseres zu tun hat, als sich aufhalten zu lassen. Die haben auf der Medienstrecke nichts verloren.»
Die Techniker haben es einfach. Stellt sich einer doof, knallen sie ihm ein knackiges
«Read The Fucking Manual»
an den Dez. Vielleicht brauchen die Denker und Welterklärer endlich ein Gegenstück dazu? Sie könnten den Liebhabern der Einfachheit einfach zu lesen geben, was die Philosophen selbst zum Vorwurf der Unverständlichkeit sagen.
In den Kommentaren
von Goncourt wird ein Artikel der amerikanischen Philosophin Judith Butler zitiert, der sich mit eben diesem Vorwurf befasst (
Original
bei der New York Times: «A 'Bad Writer' Bites Back»). Also: Read The (sorry!) Fucking Butler!
MEHR IM INTERNET: Kommentare der Woche |
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Anhang
Schills Erben: Der Großbloggbaumeister
erinnert an
die ehemaligen Koalitionspartner der Hamburger CDU: «Willkommen bei euren neuen politischen Freunden, liebe Hamburger Grüne.» +++ Der Berliner: Er hat die Blockade überstanden, den Mauerbau und sogar den Mauerfall (um nur die allerjüngste Geschichte zu bemühen). Er gewöhnt sich an alles, und zwar ratzfatz. jochenausberlin, everything's gone green, zum
Streik
der öffentlichen Verkehrsbetriebe: «berlin war ein anderes geworden und schon am zweiten tag störte es niemanden mehr, als hätte es die bvg nicht gegeben.» +++ Gut gegeben: Pepino, Pepilog, erzählt einen Witz aus der Zeit, als die Busse noch
fuhren:
«Busfahrer ist eine Bestimmung!» +++ Uni Münster: Das Jurblog beteiligt sich an einer
Studie:
«Politisches Potential des Internet - Wie politisch sind Migranten im Internet?» +++ Fördern und fordern: Liisa, Charmingquark,
bei der
«Agentur für Arbeit»: «Er meinte dann auch irgendwann: 'Wir können sie ja nicht vernachlässigen!' Worauf ich darauf hinwies, dass ich seit über zwei Jahren von meiner Betreuerin nix mehr gehört habe und ich unter 'fördern' dann doch etwas anderes verstehe als in regelmäßigem Turnus zu diesen Bewerbungstrainings geschickt zu werden.» +++ Bildchen I: fabe, coderwelsh:
«Das Diktatoren-Gesicht
im neuen, zu pädagogischem erdachten Hitler-Comic vom Anne-Frank-Zentrum, geht es nur mir so, aber mich erinnert hier alles an 'Tim und Struppi'.» +++ Bildchen II: Till Lassmann, till dawn:
«Hempelchen
und Pempelchen, nach Genuss von Destillat, dachten sich: Wir werden einfach Präsidentschaftskandidat!»
Für das Web ediert von
Bov Bjerg.
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