Brand in Ludwigshafen: Die Blogger ermitteln12. Feb 2008 07:18  |  Die Brandursache ist immer noch ungeklärt: Löscharbeiten in Ludwigshafen | Foto: dpa |
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Aus halben Sätzen werden ganze Wahrheiten gebastelt: der Brand von Ludwigshafen in den Blogs. Außerdem: schlechte Nachrichten aus aller Welt, bloggende Ärzte, Rounders ist wieder da. Der Blogblick.
Links am Textanfang werden signifikant öfter geklickt. Nun gut:
jurblog.de.
Warum? Dazu später.Der Brand von Ludwigshafen, bei dem am Faschingssonntag neun Menschen starben, beschäftigt auch die Blogs. Vermutungen und Ressentiments schießen bei Türken ebenso wie bei den, sorry, Krauts ins Kraut. Halbsätze aus Pressemitteilungen werden zu ganzen Wahrheiten aufgeblasen. Anschlag oder marode Stromleitung? Manche Bloggerinnen und Blogger sind erstaunlich meinungsfreudig.
Für Dilek Zaptcioglu vom Istanbul-Blog etwa scheint es einerseits ausgemachte Sache, dass die neun Toten Opfer eines rassistischen Anschlags sein müssen – falls nicht, ist es andererseits eh
wurscht:
«Was macht es eigentlich einen Unterschied, wenn das kein Anschlag war - was ja durch die exakten Aussagen der kleinen Mädchen sowieso widerlegt zu werden scheint. Der Rassismus ist eine Tatsache.»
«Islamkritische» Blogs wie Fakten - Fiktionen sehen die Brandursache lieber bei den Hausbewohnern selbst. Das Blog nimmt die Hypothese vom Stromdiebstahl als Fakt und steigert sich geifernd in die
Fiktion:
«Wieviel Türken klauen noch Strom (und Gas und Wasser) im Land?»
Fakten - Fiktionen, ehemals bei myblog.de gehostet, läuft nun, ebenso wie das bekannte, gelegentlich als Hassblog missverstandene
Politically Incorrect,
unter einer anonymen Domain. Offizieller Inhaber ist eine Kanzlei in Hong Kong, der Administrator sitzt angeblich in Somalia, der Server steht in den USA.Ermittlungen wegen Beleidigung oder Volksverhetzung braucht nun niemand mehr zu fürchten. Kleiner Wermutstropfen für die Retter des Abendlandes: Die Rechnungsadresse befindet sich in der Türkei.
Dass sich ein Blog mit dem Ludwigshafener Brand und den Reaktionen darauf auch fundiert befassen kann, zeigt das Jurblog, auf dem Ekrem Senol fast täglich berichtet. Zuerst über den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, der schon kurz nach der Tat von einem fremdenfeindlichen Motiv nichts
wissen wollte:
«Ein voreiliger Ausschluss einer fremdenfeindlichen Tat scheint sich in Deutschland aber eingebürgert zu haben, wenn die Opfer Ausländer sind (siehe insbesondere Mügeln).»
Dann über die zweifelhaften Reaktionen der Presse:
Der Brand
in Ludwigshafen und die Folgen der undifferenzierten Berichterstattung. Dass die Chefredakteure von Bild und Hürriyet nach einer Woche national gefärbter Berichterstattung dazu aufrufen, kein Misstrauen zu schüren, nennt Ekrem Senol «Sarkasmus der Woche»:
«
Sind es
nicht gerade diese Zeitungen gewesen, die aus vagen Vermutungen Tatsachen machten und damit insbesondere Misstrauen geschürt haben? Bei den Hauptverantwortlichen der beiden Blätter scheint weder das Kurzzeit- noch das Langzeitgedächtnis zu funktionieren.»
Der Großstadtneurotiker fasst das allgemeine Gerede bündig
zusammen:
«Ja nee, da is kein Herr, der Hirn vom Himmel schmeisst, auch kein Allah.»
Bad News finden sich auch anderswo. Lila (Letters from Rungholt) macht auf die Bad News Blogs
aufmerksam:
Blogger in mehreren Staaten wollen «anti-israelische Medien mit eigenen Waffen schlagen», indem sie in ihren Blogs ausschließlich negative Nachrichten über diese Länder wiedergeben.
Bis jetzt beteiligen sich u. a. Blogs aus Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich. Was als negative Nachricht gilt, ist allerdings sehr verschieden. Bad News from Germany lässt sich mühelos mit Meldungen über Neonazis und antisemitische Angriffe
füllen.
Bad News from Norway dagegen muss auf den doch eher drolligen Skandal
zurückgreifen,
dass Schulkinder während einer Bombendrohung still sitzen bleiben mussten, obwohl einige ziemlich dolle Angst hatten. Gesegnetes Land.
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang
Aschermittwoch. Haarbueschel zieht in die
Fastenzeit:
«Ab morgen wird das Web.2.0 abgeschaltet, es wird weder gebloggt, noch werden Blogs gelesen. Kein Bier, keine Schokolade. Dafür jeden Morgen und jeden Abend Mark. 12, 29-30.» +++ Gott an sich. Stefan
meint,
«eins muss man ihm lassen: humor hat er. zum beispiel hat er sich den ulk erlaubt, eine erkrankung zu erfinden, bei der die betroffenen nicht nur taub sind, sondern zugleich auch pigmentstörungen (ein weißes haarbüschel, unterschiedlich farbene augen...) haben. ('nur taub hab ich schon, jetzt mach ich noch taub mit lustigen haaren'...)» +++
Relaunch. Das Hauptstadtblog sieht
anders aus.
Zusatzfeature: eine schlanke
Mobilversion.
+++ Docblogs. Die Wissenswerkstatt listet bloggende
Ärzte.
+++ Kurzes. Casino: «grüßen in einer mail an sich
selber.»
Gingerbox: «
schon vor
längerer zeit fiel mir auf, dass die meisten blogs, die ich lese, ähnlich lang wie ich dabei sind.» Jules: «Im Alter zog er sich aufs Land zurück, um ein Werk über DHTML zu
schreiben.
» +++ Nachtrag. Rounders, die Mutter aller
Arschlochblogs,
scheint vom
Angeln
zurück:
www.achnaja.com
.
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