Nokia - Connecting Blogger22. Jan 2008 08:28, ergänzt 08:29  |  Zieht um: Das Nokia-Werk in Bochum | Foto: dpa |
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Nokia will sein Bochumer Werk schließen. Die Reaktionen der Blogger reichen von Achselzucken bis Empörung. Manche machen auch Witze. Außerdem: Ansätze eines Knigges zum Versand von Babyfotos. Der Blogblick.
Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Darauf kann man so und so reagieren. Zum Beispiel sozialdemokratisch: «Die Späne fallen zu hart!» Oder wirtschaftsliberal: «Der Staat macht die Hobel stumpf!» Nationalistisch: «Deutsche Hobel für deutsche Späne!» Verträumt: «Was? Es gibt Hobel? Schweinerei!» Oder ideologiekritisch: «Hobel? Späne? Was ist denn das für'n blöder Spruch?»
Die Entscheidung der Firma Nokia, ihre Taschentelefonfabrik in Bochum zu schließen, beschäftigt auch die Blogger - und die Meinungen gehen sehr weit auseinander.
Manfred vom Manfredblog
schlägt vor:
«Wenn Nokia weggeht, kaufen die Deutschen keine Handys mehr von Nokia. Und schreiben an die Firma und begründen das mit der Verlagerung ins Ausland. Und weichen auf seriöse Unternehmen aus.»
Auch Fritz B. Simon (Simons Systemische Kehrwoche)
setzt auf
die Konsumenten: «Wenn sich so etwas wie eine Konsumentenbewegung etablieren würde, die bewusst Einfluss auf die Politik von Unternehmen zu nehmen suchte, so würde das nicht ohne Folgen bleiben. Damit meine ich nicht, dass irgendwelche politischen Organe die Freiheit der Märkte in Schranken setzen sollte, sondern dass die Verbraucher politische, ethische, ökonomische usw. Werte, die durch das Unternehmen repräsentiert werden, bei ihren Kaufentscheidungen berücksichtigen sollten und z.B. bei einem Unternehmen wie Nokia Kampagnen starten könnten, die zur Kaufverweigerung aufrufen.»
Die Alte Eule dagegen macht ihrem Namen
Ehre:
«Überhaupt: diese ohnmächtigen Versuche, die nichts nützen! Seit fast zwei Jahren, seit Philips in Aachen dichtgemacht hat, kaufe ich keine Philips-Glühbirnen mehr - hat das der Belegschaft was genützt?? Trotzdem, man macht weiter, sei es nur, um seinen Ärger zu zeigen.»
Die Liebhaber der Marktwirtschaft argumentieren munter gegen die allgemeine Empörung. Martin Hiegl
erklärt,
«warum Nokia das Richtige tut»: «Wichtig ist letztendlich, dass das Unternehmen an sich selbst und damit die Allgemeinheit der Mitarbeiter denkt, und das tut, was für das Unternehmen am Besten ist. Geht es dem Unternehmen gut - und das ist kein Automatismus aus der billigsten Produktionsstätte - so haben Mitarbeiter einen Job.»
Die arbeitslosen Bochumer lässt er wissen: «Ob die jetzt deutsch oder rumänisch sind, spielt nur für den Nationalismus und den Einzelnen eine Rolle.» steffen4iuf
stimmt zu:
«Wer entschädigt aber den ausländischen Arbeiter, der durch Protektionismus keinen Job bekommt, wer den deutschen Konsumenten, der weniger und teure Güter konsumieren muss?»
Auch 50hz.de
meint:
«Gönnen wir den Rumänen den Erfolg. Die neuen EU-Partner haben wirtschaftliche Entwicklung bitter nötig. Und deren Erfolg ist letztlich auch für uns gut. Er sorgt für Stabilität.» Ist der Markt nur endlich wirklich frei, dann endet alle Ungleichheit. Dann wird alles gut. Oder: Von der
Hydrostatik
lernen, heißt
siegen
lernen.
Gegen die nationalistischen Untertöne in der gegenwärtigen Diskussion
wendet sich
HeinBaumgarten: «Nokia ist ein ausländischer Investor. Warum in die Ferne schweifen? Milch-Müller ist ein deutscher. Er kassierte für die Errichtung eines neuen Werks 40 Mio Euro und schuf 200 Arbeitsplätze. Anschließend legte er ein nicht mehr profitables seiner Werke still und entließ 250 Kräfte. Der Steuerzahler finanzierte jeden neuen Arbeitslosen mit € 800.000.»
Was sagt eigentlich die katholische Soziallehre zu Nokia im Besonderen und zum Kapitalismus im Allgemeinen? Der Orden des Leibowitz
zitiert
den Katechismus: «Ungezügelte Geldgier zieht böse Folgen nach sich.» Sakra! Also, Nokia-Vorstand: Das macht drei Rosenkränze und ein Vaterunser.
Der Fall Nokia ruft auch andere Spaßvögel auf den Plan. erasmus von meppen schürt den Widerstand
und fordert:
«Nokiaverbrennungen filmen und auf Youtube zeigen! Virtuelle Kettenbriefe schreiben! Dieter Wiefelspütz an den Pranger stellen! Rabatz machen! Stunk machen! Banden bilden! Los, los, ihr Gegenöffis, kommt in die Gänge!»
rai30 karikiert die allgemeine Empörung, indem er sein Mobiltelefon in den Papierkorb wirft bzw. auf den Papierkorb legt und das aufrüttelnde Foto
in sein Weblog stellt.
Außerdem unterstützt er augenzwinkernd den Vorschlag, «am Valentinstag alle Handys aus Protest auszuschalten».
Der geekblogger gibt vor, ebenfalls zum Nokia-Boykott
aufzurufen.
Mit trockenem Humor macht er sich dabei über Blogger lustig, die mit jedem noch so schlichten Posting nach Aufmerksamkeit gieren: «Darüber hinaus würde ich das 'Stöckchen' gerne an die Blogosphäre weitergeben und mich über zahlreiche Trackbacks freuen.»
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang
+++ Babyfotos: Franziska
bittet
frische Eltern: «Könntet ihr diese Briefe, die mit den Fotos verschickt werden, bitte einfach so verfassen, als ob ihr selbst der Absender seid? Ich kann es einfach nicht ertragen und es liegt auch fern meiner Vorstellungskraft, dass ein zwei, drei, vier oder sagen wir mal zwanzig Wochen altes Baby einen Brief an mich schreibt.» +++ Rechtssicherheit für Usenet-Provider: Der Rechtsanwalt Sascha Kremer
berichtet über
eine akuelle Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf, wonach Usenet-Provider nicht für Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer haftbar gemacht werden können. +++ Ein R für Holgi: Holgi, Stackenblochen, ist seine R-Taste abgefallen. Er
preist
den Service seines Frankfurter Apple-Händlers: «Heute um 09:30 Uhr klingelt mein Telefon, der freundliche Mann ist dran und sagt, er hätte ein R für mich.»
Für das Web ediert von
Bov Bjerg.
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