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TV, wohin man schaut: Internetfernsehen des 'Kölner Stadtanzeigers' (Foto: Federico Gambarini dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe TV, wohin man schaut: Internetfernsehen des 'Kölner Stadtanzeigers'
Foto: Federico Gambarini dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nichts als Filme - sind Weblogs von gestern? Außerdem: Gewalt und Porno auf dem Handy und endlich neuer Reptilien-Content. Der Blogblick. Diesmal von Gastautor und Blogger Felix Schwenzel.

Blogger schreiben nicht nur ins Internet. Manchmal bestehen Blogeinträge nur aus einem Bild, einem Link oder einem fremden, eingebetteten Video. Manche verurteilen das übermäßige Posten von solchen Videos, weil sie angeblich «entweder der Geilheit nach Links oder schlichtweg der Unfähigkeit, eigene Inhalte zu erstellen, geschuldet» seien. René Walter, der an schlechten Tagen schonmal bis zu zwei Drittel seines Blogs mit solchen Videos füllt, erklärt sein Tun mit einem abgewandelten Fontane-Zitat: «Schreiben sollst Du in Deinen guten Stunden, nicht in Deinen schlechten. In denen kannst Du ja Videos posten.»

Auch wenn Bloggen wohl ursprünglich mal bedeutete, ins Internet zu schreiben oder dort rumzulinken – bewegte Bilder füllen immer mehr Blogs, auch in den guten Stunden. Malte Welding und Max Winde greifen eine in den Spreeblick-Kommentaren gestellte Frage auf und singen: «Johnny, wann kommst du endlich wieder?» Ist Singen das neue Bloggen? Einen Mega-Trend auszurufen wäre trotz sporadischer (nicht mehr ganz aktueller) Beispiele (Schwadroneuse, MC Winkel, Tierpfleger) sicher zu früh. Auch Blogger aus Singen werden sicher niemals zum Trend.

Ein Trend könnte neben dem bekannten, aber technisch wenig ausgereiften Livebloggen von vermeintlichen Fernseh-Events aber das Blogsenden oder Blogfernsehen werden. Technisch geht das so: zwei, drei Blogger setzen sich vor eine Kamera und senden das, was sie sagen oder sehen live ins Netz. Praktisch führt das dann zu Aussagen eines mittelbar Betroffenen, der davon erzählt, wie er im Internet zwei Leuten dabei zusah, wie sie in seinem Wohnzimmer saßen und Fernsehen guckten. Ob das nun Zukunft hat oder dem Weg semi-offizieller Mega-Trends wie «Handy-TV» in die Sackgasse folgt, ist eigentlich egal. Wichtig bleibt am Ende nur eine Erkenntnis: es funktioniert. Irgendwie.

Dass sich auch Drehbuchautoren im Netz tummeln, wissen Blogblick-Leser spätestens seit letzter Woche. Mittlerweile hat Torsten Dewi die Beschreibung vom Aufstieg und Fall seiner Telenovela Lotta in Love in fünf Teilen abgeschlossen. Aber auch Drehbuchautoren, «Comedy Writer» und Fernsehfuzzis sind im Netz nichts wirklich Neues.

Vielleicht ist das einzig wirklich Neue in Sachen Fernsehen und Blogs, dass demnächst mal ein Blog einen Mediensprung wagt und selbst im Fernsehen wirbt. Das steht dann wahrscheinlich am Donnerstag in den Sternen.

Anhang
+++ Bulo stellt fest, dass es nichts Schlimmeres als diese «ewigen Zustimmer» gibt. Stimmt. +++ Mario Sixtus wundert sich, dass Vodafone in einer Pressemeldung darüber schwadroniert, wie man die kostenlose Übertragung von angeblichen «Gewaltvideos» und «Pornos» auf Handys von Jugendlichen unterbinden will, dabei aber zu erwähnen vergisst, dass das kostenpflichtige Verschicken per MMS weiterhin möglich ist. +++ Cem Basman meint, er schreibe «außerhalb der Sichtweite der Meute» ins Internet. Sicher stimmt es, dass «nicht alle Blogs die gleiche Wertigkeit haben», aber die Wertigkeiten wechseln enorm schnell und die Meute sitzt nur ungefähr einen Klick weit entfernt. Potenziell sitzt die Meute vor der virtuellen Wohnungstür von jedem, der irgendwie publiziert. +++ Beim Bloggen etwas zwischen die Zeilen zu schreiben ist gar nicht so einfach. Bei Gedichten ist das einfacher. +++ Die «Bild»-Zeitung ignoriert zwar offiziell weiterhin das Bildblog, registriert aber mittlerweile, dass man an Blogs heutzutage «kaum noch vorbei» komme. Deshalb erklärt sie ihren Lesern, was hinter kryptischen Begriffen wie «Blogroll, Blogser oder Troll» steckt. Das Wort «Blogser» haben aber vor der «Bild»-Zeitung laut der Blogsuchmaschine Technorati überhaupt erst sechs Blogger benutzt. Doof, wenn man seinen Lesern Szenejargon beibringen will, die Szene den Jargon dann aber nicht versteht. Daniel Weigelt fasst das in einem Kommentar bei der Probloggerworld.de so zusammen: «Aber hääää? Blogser?» +++ «Spiegel-Online» denkt sich auch neue Worte aus und schafft es mit «Brutal-Blogger» bis ins Kompetenzteam. +++ Neben Abmahnungen, Strafanzeigen, einstweiligen Verfügungen und Streit um Werbung findet man im Blogdings jetzt auch endlich wieder vermehrt Reptilien-Content: «Tag für Tag. Wie tagesaktuelles Blog, aber eben ausgearbeitet, überprüft, schriftstellerisch bearbeitet. Das ist Web 3.0, mindestens. Früher hieß das mal Tagebuch.»