Opa - erzählst du nochmal vom Blog?24. Jul 2007 10:22  |  Geschichte, die knallt: US-Blogger Robert McCreary im Valley Forge National Historical Park | Foto: AP Photo/George Widman |
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Die Geschichte der deutschsprachigen Weblogs. Außerdem: Google Earth hilft der Steuerfahndung & Biometrie im Irak. Der Blogblick.
Das Internet ist ja ein vergleichsweise junges Medium, und mit ihm erfreuen sich auch die Weblogs an knackiger Jugendlichkeit. Ihr Thema ist meistens streng auf die Gegenwart fixiert. Schäzungsweise drei von vier Blogbeiträgen beschreiben, analysieren, verlinken und kommentieren hauptsächlich das, was jetzt ist. Das letzte Viertelchen müssen sich dann Zukunft und Vergangenheit teilen, wobei die Zukunft, noch einmal geschätzt, die Oberhand behalten dürfte. Geschichte - och nö!. Nun hat sich aber vor kurzem irgendwie das Datum gejährt, an dem die ersten Blogs ins Netz purzelten.
Irgendwie ist für Journalisten ein unbedingt zu vermeidendes Hasswort. Aber hier brauchen wir es. Irgendwie heißt: Man weiß es nicht genau. Aber, ja, 1996/97 muss es gewesen sein, als das, was wir heute Blogs nennen, entstand. Der Begriff Weblog stand jedenfalls im Dezember 1997 fest. Darauf hat neulich Olaf Kolbrück, off the record,
hingewiesen.
Robert Basic, Basic Thinking, hat es
nacherzählt
und damit beginnt ein hübscher Ringelpiez an Geschichtsforschung und Erinnerungen, der bis jetzt anhält. Wie war das damals noch? Wie kam das Weblog nach Deutschland? Wer war hier der erste Blogger? Los Blog-Opa, erzähl vom Posting-Krieg!
In den Kommentaren auf Basic Thinking finden sich dann auch weitere Hinweise. Demnach hat, wie Benedikt, Poplog,
dort
und bei sich
zuhause
beisteuert, Rainald Goetz sein «Blog-Experiment 'Abfall für Alle'« bereits im Januar 1999 beendet. Es muss also schon früher losgegangen sein, sofern man Goetz überhaupt als einen Blogger begreifen will. Ritchie Pettauer, Datenschmutz,
tippt auf
den Schockwellenreiter als ersten deutschen Blogger, Klaus Eck bringt
sich selbst
und seine Seite PR Blogger ins Gespräch.
Ralf, Tom's Diner, macht Schluss mit dem Datengestocher und
erinnert an
»Carola Heine (alias Melody) die seit 1996 Irgendwasmitinternet macht. Ihr Archiv reicht zurück bis zum 29.7.1996.« Und in der Tat - das, was damals Moving Target hieß und noch bis heute so heißt,
sieht wirklich nach einem Weblog aus,
auch wenn es den Begriff vielleicht noch nicht gab. Im Verlauf der Debatte wird jedenfalls niemand mehr dieses Datum unterbieten können. Aber darum geht es schon längst nicht mehr.
kris, muhammad ali vs your weblog,
fragt zwar noch:
«Waren Melody und der Wellenreiter-Tagebuchwebring die ersten Weblogs?» Doch schon in den Kommentaren wird deutlich, dass objektive Daten subjektiven Erinnerungen weichen müssen. Das ist nicht schlecht, für alles andere gibt es ja die Wikipedia, und die Subjektivität ist es schließlich, die viele Weblogs so lesenswert macht. DaveKay, Krank - Mümmel-Imperium fällt plötzlich die «Avatarliste» der «Blogparty»
wieder ein;
Roland, Ronsens, aber weiß es besser und
verortet
die «Bloggerparty» bei «Zirbel».
AnnekeW, kebo11, gibt zu
bedenken,
«dass es eben zwei genres chronologischen schreibens waren, die sich irgendwann mal der gleichen software bedienten». kris weist derweil auf die Bedeutung des
Permalinks
hin, Robert Basic nimmt AnnekeW's Strang wieder auf und berichtet von zwei zerstrittenen Lagern, den Tagebuchschreibern und den Bloggern. Außerdem zeigt er uns allen einfach mal, wie so ein - ja was nun? Tagebuch? Blog? - wie so eine Seite damals
aussah.
Thomas Gigold
wiederum weiß noch,
dass er im Februar 2001 «auf den eigenen Server gezogen ist».
Zornröschen
zeigt noch schnell
ein Foto von Jorn Barger (Vorsicht, haart!), der das Wort Weblog einst kreiert hat, bevor Roland, Netzfischer, rasant aus der Geschichte zurück in die Gegenwart und Zukunft wechselt. Er fasst die Ausführungen auf Basic Thinking
zusammen und schließt:
«Am Ende fragt Robert sich, was wohl in Zukunft die Blogs ablösen könnte. Das ist ganz einfach: Social Network Portale wie Facebook. Denn dort hat man ein Blog, ein Fotoalbum, Themen bezogene Gruppen und Netzwerke, tausende von Widgets für allen möglichen Kram, und - das wichtigste bei alledem: seine Buddies.»
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang +++ Hitze: Im Blog Ruhepuls
lesen wir:
«Der Versuch, das schlechte Gewissen abzuschütteln bezüglich meines störrischen Aufenthalts in, statt ausserhalb der Wohnung, glückt erst dann immerhin ein wenig beim Anblick der Haustiere, die schon nach einer Minute Hofgang freiwillig und retardiert der Sonne fliehen, um sich gleich mir an der Ventilatorkühle zu erfreuen.» Narana, Kopfsalat, musste auf den Paketboten warten und hat dabei
sehr geschwitzt.
+++ Extrem: Die Chilloutzone hat eine
krasse Achterbahn
entdeckt und zeigt ein schönes Bild. Im Barmblog Nord ist man
verblüfft:
«Im Bus eine Frau mit einer Stofftasche von 'Wein und Design' gesehen. Unter dem Logo stand (echt, nicht gelogen!): 'London — Paris — New York — Barmbek'.» +++ Werbung: Das DenkfabrikBlog hat auf Flickr Reklame für die Biersorte Astra
entdeckt:
«Viel davon!» Das Fearblog verlinkt auf ein
komisches Video,
das zeigt, wie man am besten einen Calvados bezahlt. +++ Daten: Das Irrenhaus weiß, dass die US-Army derzeit eine «Datenbank mit biometrischen Informationen von mehreren tausend Irakern»
erstellt.
Der Volkszertreter setzt einen fetten Link auf eine «Demonstration gegen den Überwachungswahn» am 22. September
in Berlin.
Zukunft: «Es sieht im Moment nicht rosig aus um die Tübinger Computerlinguistik», meint man im Blog Gsallbahdr und sieht den Grund in einem
Mangel an Lehrkräften.
Das best-practice-business-blog
berichtet:
«Die Behörden der argentinischen Provinz Buenos Aires wollen künftig anhand von Bildern in Google Earth die Angaben der Steuerpflichtigen überprüfen. So könne z.B. via Google Earth geprüft werden, ob die durch den Hausbesitzer angegebene Größe des Gebäudes korrekt angegeben wurde und ob evtl. Ausbauten verschwiegen wurden.»
Felix Schwenzel bloggt in der Urlaubszeit nicht wie sonst auf Wirres.net, sondern auf seinem
Mobilblog
sehr.wirres.net. Sehen wir hier die Zukunft der Blogs? Ihre Vergangenheit ist es jedenfalls nicht.
Für das Web ediert von Maik Söhler |