netzeitung.deWie Schäuble wurde, was er ist

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Das aktuelle Hassobjekt der Blogger (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das aktuelle Hassobjekt der Blogger
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Deutschlands oberster Verfassungsfeind, Soldaten gesucht & neue Abmahnungen: der Blogblick. Diesmal von Gastautor und Blogger Bov Bjerg.

Im Wochentakt schlägt Wolfgang Schäuble Maßnahmen vor, mit denen Deutschland und die Welt ein wenig sicherer gemacht werden könnten: heimliche «Online-Durchsuchung» von Computern, Handy- und Internetverbot für Terrorverdächtige, präventive Internierung von «Gefährdern» oder, wenn alles nichts hilft, schließlich die gezielte Erschießung. Inzwischen gilt der Bundesinnenminister vielen Bloggern als oberster Verfassungsfeind.

Karan ruft dazu auf, beim Bundestag das Grundgesetz zu bestellen. Drei Exemplare bekomme jeder kostenlos und portofrei. «Also: ein Exemplar selber lesen. Die anderen beiden weitergeben: am Arbeitsplatz. In der Schule/Uni. Im Café. In öffentlichen Verkehrsmitteln. Beim Bäcker. Wo auch immer. - Holt Euch das Grundgesetz, solange es noch existiert!»

Sven Scholz wird ein Exemplar verbuddeln, eines zur Fantasy ins Regal stellen, und das dritte, «das dritte schick’ ich ans Innenministerium». Jens Scholz hat das Logo zur Aktion gezeichnet, einen Grundgesetzberg mit einem Herrn im Anzug darunter.

La Deutsche Vita nimmt Schäubles Vorschlagskaskade zum Anlass, die Genese deutscher Briefmarken zu untersuchen. Er stellt fest, dass sich der Finanzminister in allen Phasen der Briefmarkenwerdung auf Gremien stützen könne, die «mit zum Teil hochrangig qualifizierten Mitgliedern» (Zitat Bundesfinanzministerium) besetzt seien:

«Briefmarken, so lernen wir, werden jedenfalls mit deutlich mehr Sorgfalt und Expertise in die Welt gesetzt als Vorschläge zur Änderung des Grundgesetzes. Ausgerechnet in der Anti-Terror-Diskussion meinen wir auf das bewährt-bürokratische Modell der ausgewogenen, nichts überstürzenden Entscheidungsfindung, das bei der Auswahl von Briefmarkenthemen kaum mehr wegzudenken ist, verzichten zu können.»

Wie ist Wolfgang Schäuble eigentlich so geworden, so ... streng? Psychologisierende Erklärungen, die den Bogen schlagen zu Attentat und Querschnittslähmung, werden mittlerweile verworfen.

Der Kutter verweist stattdessen auf den literaturhistorischen Kontext der Schäuble-Vorschläge: «Schon 1994 schrieb er in seinem Buch «Und der Zukunft zugewandt» gegen die schändliche 'Do-it-yourself-Bewegung' an, die der Volkswirtschaft schade. (Ich hab das Ding sogar gelesen.) Vermutlich lässt er heute Baumärkte vom Verfassungsschutz beobachten.»

Die Brüder Goncourt wiederum haben die Sterne im Verdacht: «Am 3.03.2004 stand fest, dass er keine Chance mehr hat berufen zu werden für das Amt des Bundespräsidenten (Laufende Sonne in Quadratur zu Saturn im Radix). Zu dieser Zeit bildet der laufende Saturn eine exakte Quadratur zum MC (Beruf, Berufung, Bestimmung) und eine exakte Opposition zu seinem Mond, so dass hierdurch wiederum ganz klar aufgezeigt wird, dass Schäuble aufgrund der Gesetzmäßigkeiten (Saturn) beruflich nicht weiter kommen kann und dass das für ihn selbst eine äußerst schmerzliche Angelegenheit darstellt.»

Der Pantoffelpunk zeigt den rechner-resistenten Innenminister («ich komme in keinen Computer rein») als vorlauten Kandidaten in einer Quizshow. Farlion demonstriert die Dialektik des kleineren Übels gleich in einem ganzen Fotoroman: Wie die schäublesche Salami-Taktik funktioniert. Der Lyriker Dirk Schröder schließlich wühlt im Projekt Deutscher Wortschatz der Universität Leipzig. Er stellt den Graph v. 1.5 für Gefährder ins Blog, und dann wirft er eine Perle vor den Schäuble: «Fehde, Ärger / Herr der Herde».

Anhang
+++ Tristan hat ein Jobangebot bekommen (Rechtschreibung wie im Orginal): «Wir suchen weiterhin Komparsen im soldatischen Umfeld für dieVerfilmung des Stauffenberg Attentats mit Tom Cruise in der Hauptrolle. (...) Vorraussetzungen: Du bist männlich und zwischen 18 und 45 Jahren alt. Du bist äußerlich ein mitteleuropäischer Typ - wir suchenausschließlich Soldaten der einen Armee - Du weißt schon welcher» +++ Merlix ist bei seinen «Experimenten mit Eis» nach Schraubenbaumnuss und Stinkfrucht bei Ruam-Mit-Eiskrem angelangt: «Es handelt sich um wurmähnliche, ineinander verschlungene Gebilde in Vehementgrün, die von der Konsistenz her sehr gut abgehangenem, zerdrückten und porös gewordenen Weingummi ähneln, das man zulange in einer Manteltasche vergessen hat.» +++ Bodo hält Tocotronic für überschätzt: «Widerstand innerhalb kulturindustrieller Produktionsbedingungen erfordert konsequente Reflexivität und harte Arbeit am Gegenstand, wenn man die nicht leistet, wird man geschluckt. Das ist mit Tocotronic passiert.» +++ Matt Wagner stellt fest, dass die «Kalaueritis», die seit Jahren das Friseurhandwerk verheert, die «Artengrenze zu überschreiten im Begriffe ist.» pony & kleid heiße der Laden, der dies beweise. «Die Erkrankten offerieren parallel Haarschnitte und Oberbekleidung». +++ Der Jurazilla trampelt munter weiter durch die Rabatten. Jochen Hoff hat zwei einstweilige Verfügungen erhalten. Er hat die beanstandeten Beiträge zwar geändert, habe aber «die ernsthafte Absicht diesen Prozess, in welcher Instanz auch immer zu gewinnen, weil mir dieses Thema zu wichtig ist, um die Abmahngebühr zu bezahlen und zu schweigen.» +++ Bedrohliches auch im Wasted Comments Dump: «gestern in einem hotel übernachtet, in dem der duschabfluss nach tod roch.»

Für das Web ediert von Bov Bjerg.