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Black Blogs BRD

03. Jul 2007 10:16
Schwierig auszuwerten: Black Box eines Flugzeugs
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Blogger - wer sie sind und was sie wollen. Außerdem: Höflicher Oralverkehr, noch 188 Tage bis zur totalen Überwachung. Wie immer dienstags: Blogblick. Diesmal auf Leserwunsch fast ohne A-Blogger.

Was wollen Blogger eigentlich? Das ist eine dieser Fragen, die man eigentlich gar nicht stellen darf. Denn abertausende Blogger wollen abertausende unterschiedliche Dinge. Aufklärung und Kommerz, leichte Kommunikation und harte Meinung, Vernetzung und Einzelkämpferdasein lassen sich kaum miteinander verbinden und den Hassblogger trennen von der Kuschelbloggerin mehr als nur virtuelle Welten. Die deutschsprachige Blogwelt kommt einer Black Box gleich. Mehrfach verschlüsselte Daten machen eine Auswertung schwer.

Und manchmal sind es die ganz einfachen Dinge, die so viel erhellen können. Vor einem Jahr ging das Weblog Erster Block. Tagebuch einer Klasse des Wirsberg Gymnasium Würzburg online. Mindestens ein Jahr lang wollten einige Fünftklässler zusammen mit ihren Lehrern ein Weblog führen. Und tatsächlich - da ist es immer noch.

Am Montag schrieb dort Lena
über den Schulbesuch eines echten Bloggers. «Und dieser Blogger heißt Ralf Thees und schreibt den 'wuerzblog'. Der wuerzblog ist quasi ein Internettagebuch über Würzburg. Herr Thees schreibt über alles, was ihn interessiert. Dazu muss er viele Veranstaltungen besuchen. Wir erfuhren, dass er sich keine Eintrittskarten bezahlen lässt, damit er unbestechlich bleibt! Außerdem macht er den ganzen blog in seiner Freizeit und freiwillig!!»

So einfach, gut und treffend sind Blogger lange nicht mehr beschrieben worden, und wehe, hier ruft jetzt jemand, es heiße aber das Blog. Schauen wir doch einfach mal, ob es in der vergangenen Woche nicht noch mehr gute Beschreibungen des rätselhaften und seltsamen Wesens «Blogger» gab. Blogger - wer sind sie? Was wollen sie? Und was treibt sie um?

Eine erste Antwort gibt das Weblog Knotenpunkt mit einem Verweis auf eine Form des Austauschs: «Links sind bei Google und Technorati die entscheidende Währung für Glaubwürdigkeit und Rang. Blogger betonen ihre Zugehörigkeit zur Blogosphäre, indem sie fleißig Links auf andere Blogs setzen. Oft gilt dabei das Motto: 'Linkst du mich, link ich dich.'»

Auch Dirk Haunschild, dhaunsch, hat Hilfreiches zum Thema beizutragen. Sein Blog ist seit einem halben Jahr im Netz und es hat derzeit im Schnitt 15 «echte» Besucher pro Tag. Nun möchte der Autor bekannter werden und will deswegen versuchen, die Zugriffszahlen zu erhöhen. «Ich versuche es zuerst einmal mit Kommentaren in anderen Blogs. Es wird interessant sein zu sehen, wie weit danach die Besucherzahl zunimmt. Ich schraube die Erwartungen hierbei nicht extrem hoch, realistisch sollte ein Einpendeln auf über 30 Leser sein.»

Haunschilds Interesse gilt darüberhinaus jenem Punkt, an dem «die kritische Masse der Besucher liegt, ab der dann eine Steigerung der Besucherzahlen fast automatisch abläuft». Die Voraussetzung für das Wachstum des eigenen Blogs ist nach Ansicht des Autors ganz simpel: «Immer vorausgesetzt, man liefert interessanten Content ab.»

Freetagger steigt elegant in die Diskussion ein, indem er sich selbst eines der in der Bloggerszene derzeit so beliebten Stöckchen zuwirft: «Ist es von Vorteil oder eher ein Nachteil für die Leser, wenn du über Dich schreibst? (Dich = deine Meinung, deine Beziehung zum Thema ...)», fragt er und gibt auch gleich die Antwort.

Wenn eine Persönlichkeit blogge und keine Maschine werde die Beziehung zwischen Leser und Blogger gefördert. «Die letzten Zeilen eines Beitrages sollten immer mit seiner eigenen Meinung versehen sein. Kann ich mich nicht mit der Meinung anfreunden, dann nutze ich die Kommentarfunktion und gebe meine Meinung ab.» Als hätte sie nur darauf gewartet, nimmt die Traumprinzessin aus dem Traumschloß das Stöckchen auf und erzählt von sich bzw. der eigenen Schwäche für Schokoladeneis, Kino, schöne Kleider und Schuhe, den Herbst und das eigene Pony, um es anschließend an andere Blogger und Nichtblogger weiterzureichen.

Man kann das banal finden, aber so sieht der Alltag in vielen Blogs nunmal aus. Zu diesem Alltag gehört auch die Ansicht von Michael, NightTiger: «Bloggen macht Spass und kann informativ sein und sollte nicht als aufdringliches Medium wirken. Natürlich ist es ok, wenn ein Blogger dezent Werbung einblendet, aber übertreiben sollte man nicht. Ich blogge nur aus Spass und das wird so bleiben. Sobald es mir nicht mehr Spass macht, werde ich damit aufhören, denn dann hätte es keinen Sinn mehr!»

Noch Fragen? Dann machen Sie doch wie die Kochwerkstatt den Selbsttest, wie anfällig Sie fürs Bloggen sind. Dabei erfahren Sie, «was Leute mit Ihrem Blog anstellen und wie viel Zeit sie in Ihre Sucht investieren (und wo sie überall bloggen). Einigen würde ich mal unterstellen wollen, dass sie noch im Schlaf bloggen.» Wer direkt zum Test will, nimmt den Weg hier entlang.


Mehr im Internet: Kommentare der Woche

Anhang

+++Online-Anwendungen: Marcel Weiß, neunetz.com, schließt mit «Pimp my GoogleReader» seine sehr informative dreiteilige Artikelserie über Feeds und Feedreader ab; das Sourceblog kündigt «ein großes Update für die Spieleplattform 'Steam'» an und schiebt fast täglich neue Informationen nach. Onkel Loco, Selbstversuch Wahnsinn, findet «Suchmaschinenoptimierung gut»; Sebastian Schuster hat sich einen Simpsons-Avatar zugelegt. +++ Seltsam: alke, Web-Schlaf, ist in ein neues Haus gezogen: «Der Vorbesitzer hat einiges zurückgelassen. Und hat jemand Verwendung für einen ganzen Karton Isoliertaschen?» Im Weblog Ultimonativ findet man eine mit Löwen gespickte Werbeanzeige einer Hotelkette für ihr familienfreundliches Angebot dann doch recht eigenartig: «Entschuldigung, aber Raubkatzen im Zimmer und 'unbeschwerte Zeit verbringen', wie geht das zusammen? Heißt 'natural living', dass man jederzeit mit der gesamten Fauna rechnen muss? Oder sollte man die Passage 'Mit Kindermenüs heißen wir auch die kleinen Gäste herzlich willkommen' wörtlich nehmen?» +++ Weblogs: Die Werbeblogger haben ihre Seite neu gestaltet. Sieht gut aus. Jekylla, Hyde and Seek, versucht sich an einer Feng Shui-Beratung für Weblogs: «Formen, Farben, Hintergruende sollten nach den 5-Elemente Regeln gestaltet werden. Logos sollten keine aggressiven Elemente wie Spitzen, Kanten, Spiralen oder aehnliches enthalten. Buchstaben und Schriften sollten stabil stehen und nicht geteilt oder schwach und unsicher wirken.« Was es alles gibt!; Lisa Neun hat «beschlossen, unter der Kategorie 'Nichts' jetzt doch wieder schnelle, gendankenlose Nonsens-Schmierereien zu posten, ohne Anspruch auf den Bombenwitz und die Superästhetik.» +++ Medien & Abmahnungen: Aberkeit ärgert sich über einen Artikel in der c't: «Abmahnen ist ganz normal. Eine übliche Online-Einnahmequelle (z.B. durch Nachlizenzierung). Ich frage mich, warum man darüber 2007 noch schreibt, als habe es eben einer entdeckt.» Caschys Blog dagegen findet solche Artikel gut. +++ Erinnerungen: Ami wird von schlimmen Kindheitserinnerungen geplagt: «7 uhr früh. man befand sich noch im tiefschlaf, da wurde die tür aufgerissen, unsere eltern stürmten ohne rücksicht auf verluste ins zimmer, liefen schnurstracks zum fenster, rissen die jalousien hoch und schrien 'REISE REISE!'. immer. jedesmal.» +++ Höflichkeit: Im Erotikchat herrscht Freude darüber, dass «Oralverkehr höflich ausgedrückt» werden kann; das Raucherblog fordert: «Tut etwas gegen die totale Überwachung. Noch 188 Tage bis zur totalen Protokollierung der Telekommunikation...» +++ Bilder: Axelk, Fotok zeigt - ja, was nur? Sind das Rettungswesten? - etwas Oranges, das einfach gut aussieht; Jens Berger, Der Spiegelfechter hat eine Reihe neuer und sehr hübscher Werbemotive für die Bundeswehr entwickelt. Mit einem Spachtel bewaffnet präsentiert sich Crucible, Poplitea.

 
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