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Nicht fürs Leben, für SchülerVZ lernen wir!

30. Apr 2007 13:31
Schülerinnen am Computer
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Ärger über die Werbeaktionen eines Schülerportals, «Stasi 2.0» und Tag Clouds am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg. Wegen des Feiertags ausnahmsweise am Montag: Blogblick

Nach dem mittlerweile zum Holtzbrinck-Konzern gehörenden Online-Studentenportal StudiVZ gerät nun immer öfter auch dessen Ableger SchülerVZ in die Kritik der Blogger. Christian Boris Schmidt beschreibt, worum es geht: «Mit einer umstrittenen Aktion pflasterte man kürzlich zahlreiche Schulen mit Klebenotizzetteln und besprühte Gehwege mit Kreidespray. Was für ein Vorbild für die Jugend. Als gäbe es nicht genug Müll und Dreck auf den Straßen und Schulhöfen. Nein, SchülerVZ verschwendet nach eigenen Angaben stolz mehrere Tonnen Papier in Zeiten von Klimawandel und Bildungsarmut. Da hilft es auch nichts, wenn man sich von offizieller Seite als 'Sprachrohr für Bildungsanliegen' ausgibt.»

Alexander Bresk berichtet: «Wer sich einmal ein bisschen an den Schulen umgeguckt hat, wird sie auch gesehen haben. Diese Zettel auf denen steht: 'Willst du meine Freundin werden?' mit den Antworten: 'Ja klar! - lad mich ins SchülerVZ ein! - na endlich!' und mehrere andere Motive. Desweiteren habe ich gelesen, dass sogar von SchuelerVZ bezahlte Promoter an Schulen gehen, das Supermenschprinzip verkörpern und so Kinder zu ihrer Webseite zu locken.»

Melu argumentiert «aus pädagogischer Sicht gegen solche Werbemaßnahmen an Schulen. Ich glaube auch nicht, dass dadurch die angeblich gewünschte Kommunikation zwischen Schülern und bildungspolitischen Einrichtungen erzielt wird. Schon die Aussage, die Post-Its würden nur weitergereicht, lässt vermuten, dass SchülerVZ sich wohl nicht nachhaltig um die geforderten Verbesserungsvorschläge kümmern wird.»

Maternus ahnt schon, was als Nächstes kommt, KitaVZ: «Früher war es der sprichwörtliche Onkel, der mit der Tüte Bonbons vor der Schule wartete. SchülerVZ (Zielgruppe notabene ab 12!) ist da moderner - und zeitsparender: die stellen sich gleich mit Präservativen 'an Schulen und Jugendzentren' auf. Motto: 'Mehr Fun'. Wie lange noch, bis sie vor Kindergärten aufkreuzen?»

Robert Basic wird deutlicher und grundsätzlicher: «Ich vertraue keinem Startup, das bereits in der Vergangenheit gezeigt hat, wie wichtig ihm seine User sind. Wenn ich daran denke, dass die sich nun an junge Schüler heranmachen, fühle ich mich nicht gerade wohler, im Gegenteil. Sollte ich sehen, dass ihr die Daten von Kindern aufgrund von Sicherheitslücken nach außen gebt oder aber sich Pädophile einen an den Bildern von Kindern abrubbeln, werde ich Euch zusammen mit anderen Eltern die Hölle heiß machen.»

Don Alphonso veröffentlicht in der Blogbar «ein internes Papier aus der oberen Etage von StudiVZ für weitere Guerillaaktionen für SchülerVZ». Denn er findet, die Öffentlichkeit habe «ein Recht darauf zu wissen, welche Methoden eine Tochter von Holtzbrinck entwickelt hat, um an den deutschen Schulen - an sich geschützte Bereiche - unter Verletzung der Gesetze dieses Landes Minderjährige zum Abliefern ihrer Daten zu bewegen.» Das Papier und eine umfangreiche Bloggerdebatte zum Thema finden sich hier.

Die Welt der Blogs wäre nicht vollständig, wenn es nicht auch Einträge wie den von Felix Gerdes gäbe: «Moin, ich wollte mal wieder was von einer schicken Seite erzählen und zwar vom SchülerVZ. Das ist eine große Community in der sich Schüler aus ganz Deutschland treffen. Dort kann man seine Meinung sagen und sich mit seinen Freunden treffen. Also es ist auf jeden Fall ein Versuch wert. Das Problem ist, dass man eingeladen werden muss. Wenn ihr auch rein wollt, einfach eure Emailadresse als Antwort zu diesen Eintrag schreiben.» Ähnliche Postings finden sich hier und dort.

Dass Blogger sich auch über anderes ärgern können, zeigt die unter dem Begriff «Stasi 2.0» geführte Kampagne gegen die in der Politik viel diskutierten Online-Durchsuchungen. Sie hat nun, dank Dataloo, sogar ein T-Shirt-Motiv hervorgebracht; das Blog Pantoffelpunk verlinkt polemisch auf den Ausschnitt einer Diskussionsrunde bei Phönix, in der der CDU-Parlamentarier Wolfgang Bosbach sagt: «Es hat niemand vor in Deutschland einen Überwachungsstaat zu errichten» und remixt diese Passage mit Walter Ulbrichts berühmten Worten: «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.» Oliver dagegen befindet im Blog get privacy, dass die SPD beim Streit um die Online-Durchsuchungen «eine Lachnummer der Demokratie» abgibt.


Mehr im Internet: Kommentare der Woche

Anhang
+++ Erfahrungen: Glamour Dick hat Probleme bei der Arbeit: «Immerhin bin ich das erste Mal seit Jahren in einem Umfeld tätig, in dem mir nicht nur Sympathie entgegengebracht wird. Somit in der realen Welt
angekommen.» Che's Warlog berichtet: «Am Wochenende fand in Paderborn die 7. Fachtagung gegen Abschiebungshaft statt. Eigentlich sollte Eren Keskin vom türkischen Menschenrechtsverein IHD dort einen Vortrag halten, wurde jedoch am Flughafen in Istanbul verhaftet und an der Ausreise gehindert.» +++ Entdeckungen: Malcolm, Eye said It Before, verlinkt auf «Astrogenital - Ihr Ratgeber zum Thema Genitallesen», mag aber «gar nicht von der Seite zitieren, weil ich schon rot werde, bei dem Gedanken, dass die Frau, die aus einem Geschlechtsteil liest, ein bisschen aussieht, wie meine Grundschullehrerin Frau Schmidt.» Manfred Messmer, Arlesheim Reloaded, schreibt über die Ausdifferenzierung der Grünen in der Schweiz. +++ Erfindungen: Treehuggin' pussy sucht «eine Zahnpasta, deren Geschmack sich nicht mit dem Kaffee beißt, den ich danach zum Frühstück trinke. Kann das jemand machen, bitte?» Auf Spreeblick liefert Malte die Bausteine für einen Sommerhit. +++ Empfindungen: «Das Grau der Häuser scheint in der Morgensonne leicht zu glänzen, wirkt fast ein bisschen fröhlich. Zaghaft erwachen die Farben des Tages, wollen die Ruhe des Morgens nicht stören...», heißt es im Blog Wortmeer; mundgeblasen meint knapp und lyrisch: «Rotweinkleckse auf einem Holztisch sind Schönheitsflecken.» sunny5 fand es «unglaublich groß», dass «sie sagte, sie könne im Moment nicht schreiben, weil sie jemand sehr verletzt hätte.» +++ Erklärungen: Arne Klempert, Geschäftsführer der Wikipedia Deutschland , erläutert im Videoblog Amadelio, wie die Online-Enzyklopädie funktioniert; der «2005er Merlot von Stellar Organics» hat Holgi, Stackenblochen, nicht gefallen: «Vielleicht weil es ihm an eindeutigen Aromen mangelt. Irgendwie matschig aber dann wiederum auch nicht sonderlich gefällig.» +++ Erscheinungen: der, avantville, staunt über das Innovationspotenzial von Altlinken: «Das Organisationskomittee für die revolutionäre 1. Mai Demonstration im schönen Kreuzberg hat sich vom Web 2.0-Hype infizieren lassen, und die diversen Forderungen der diversen beteiligten Gruppen als Tag Cloud gedruckt.» Stefanie Roenneke, Minusvisionen, spricht über den Reiz einer Erstausgabe: «Augenblicklich zerreißt der Leser das Alte, verflucht etwas Bestimmtes, nickt erlesene Stichpunkte wohlwollend ab und schreit plötzlich los, überzieht ein Girokonto und schreibt ein Gedicht. Das Alte ist neu und dies - das, hier - dort, oben - unten sind neu angeordnet.» +++ Erzählungen: Andy Brandl, Blog-Abfertigung, gibt anlässlich des Todes von Boris Jelzin eine schöne Anekdote über den ehemaligen russischen Präsidenten weiter; Neo-Bazi, Club der halbtoten Dichter, unterscheidet in seinem fünften Eintrag zum «Lexikon des Islam» zwischen «Ghusl» und «Ghasl (Waschungen)». Ghusl ist demnach «die Reinigung des gesamten Körpers durch ein Vollbad. Beruht auf der ausdrücklichen Anweisung des Korans, Sure 5, 9: 'Wenn du dich verunreinigt hast, bade deinen Körper.' Ist nötig nach folgenden Vorkommnissen: nächtlicher Samenerguß, Menses, Koitus, Kindbett.» +++ Ende? Die fünf Filmfreunde raten mit einem kleinen Video, das Handy im Kino besser auszuschalten, weil ansonsten ... Flier's Welt präsentiert die neunte Folge des Comicstrips «Neues vom Apokalyptischen Reiter»; der grundsympathische St. Burnster ist offline. Es hatte sich schon angekündigt. Don Alphonso und der Rationalstürmer haben ergreifende Nachrufe geschrieben. Die Gemeinde trauerte und forderte die rasche Wiederauferstehung, zu der es am Montag dann auch teilweise kam.

 
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