10.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Eifrige Blogger: Die Werbefiguren Tomek und Alina
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Getürkte Kommentare, ein Haufen Rechnungen und eine Blogger-Konferenz. Wie immer dienstags: Blogblick.
Wenn Leser in fremden Blogs gefällige Kommentare und Links auf ihre eigenen Sites hinterlassen, muss das kein Grund sein,
misstrauisch zu werden. Aber in den vergangenen Wochen erschienen in deutschsprachigen Weblogs immer häufiger
sehr merkwürdige Kommentare. Tenor: «Hi, dein Artikel hat duchaus einen interessanten Content (...)
greetz kontenfee, what are you in2?»Alexander Svensson vom Weblog
Wortfeld und
Marco Maas,
The Maastrix,wurden stutzig. Sie recherchierten den Werdegang von fünf besonders gefällig kommentierenden Bloggern und deckten damit die fünf
neuesten Kunstfiguren der deutschsprachigen Blogosphäre auf. Denn keiner dieser eifrigen Blogger war echt: sie alle sind
Inszenierungen, um den neuen Duft «In2you» von Calvin Klein bekannt zu machen.
Auf die Weblogger hat es Calvin Klein auch abgesehen. Denn die
Marketingkampagne für den neuen Duft zielt auf «verliebte Blogger und Technik-Nerds» (
Netzeitung berichtete).
Illiered hat in ihrem Weblog
pony.exe bereits Mitte März auf die Kampagne verwiesen der Text der Parfüm-Werbung: «
Sie mag, wie er bloggt. Ihre Texte machen ihn an.»
Weil die Marketing-Blogs aber nicht genügend
Aufmerksamkeit auf sich zogen, hat eine Frankfurter Agentur in den 50 bekanntesten deutschsprachigen Weblogs Kommentare hinterlassen, in denen der Produktname
beiläufig erwähnt wurde:
«Die 50 Blogger werden sich nicht über
Kommentarspam für ein
Netzwerk von Fakebloggern freuen. Die 'technosexuelle Generation' wirkt nach dieser Scharade noch mehr wie ein Marketing
konstrukt, in das sich gerade Blogger
nicht pressen lassen wollen», so Svensson und Maas.
In drei ausführlichen Artikeln
belegten die beiden Blogger ihren
Fund: im
ersten Teil erläuterten sie die Hintergründe und die Strategie der Kampagne, im
zweiten Teil deckten sie die vermeintlichen Blogger auf und in einem
dritten Teil dokumentierten Svensson und Maas
ausufernd chronologisch die Vorgänge.
Für
Don Alphonso von der
Blogbar handelt es sich um nicht gekennzeichnete Werbung. Er schrieb an die Agentur eine
Rechnung: «Wir sind zur Auffassung gelangt, dass es sich bei den Beiträgen um einen klaren Fall von
Spam und Schleichwerbung handelt - die beworbenen und verlinkten
Seiten sind schliesslich klare Werbeträger. »Und weiter: «Gar nichts geht, wenn ich erst mal mitspiele,
Freunde der Blasmusik. Ich kann auf Marktgängigkeit, Werbeangebote und PR-Einladungen scheissen, ich will von derartigen Aktionen nichts als den
Skalp, wenn sie nicht freiwillig ganz schnell Haare lassen.
Das ist mein Spiel.»Mario Sixtus erläuterte seine Position erst gar nicht, veröffentlichte aber das an die Agentur verschickte Schreiben:
«Rechnung ist raus!» So haben ebenso
Nerdcore und
MC Winkel angekündigt, die
versteckte Werbung nicht still hinzunehmen, auch sie schicken Rechnungen.
Geradezu gelassen reagierte
Johnny von
Spreeblick und erkundet die Alternativen: «Über Spammer in Kommentaren so oft und so ausführlich zu schreiben, bis es das Produkt von den Kommentaren in die Artikel geschafft hat (...) oder den
Spam still zu löschen und den Vorgang nicht öffentlich zu kommentieren. Die
Rechnung kann man ja trotzdem rausschicken.»
Wenn am morgigen Mittwoch in Berlin die
Konferenz «re:publica. Das Leben im Netz» beginnt, wird zwar auch davon die Rede sein, wie mit Weblogs gezielt Geld verdient werden könne. Allerdings gibt es auch noch zahlreiche
weitere Themen. Die von
Spreeblick und der Agentur
newthinking communications organisierte Konferenz ist so erfolgreich, dass
Johnny schon vorab den
Vorverkauf schließen musste:
«Die
Zahl der Vorregistrierungen für die re:publica
haut uns inzwischen echt um, denn wir hatten mit viel weniger Leuten gerechnet und sind deshalb heilfroh über die Wahl der Location, die mit den insgesamt rund
500 Gästen gut klarkommen wird.»
Anhang+++
Inhalte sind nicht alles: Die
Blogpiloten finden
«30 schöne Weblogs». +++
Shopping: Marcus Hammerschmitt, Instant Nirvana war einkaufen: «Der nette schwule Verkäufer, der den Schweiß auf meiner Stirn glatt übersieht. Der mein Einkaufselend zwar wahrnimmt, aber übergeht. Der mir sagt,
dass die Hose schon so lang sein muss.» +++
Clubkultur: Frank Lachmann, argh!, war nachts unterwegs und sinniert über Stile und übers Rauchen: «und den rest des abends lieber wieder darüber aufgeregt, daß es auch
2007 immer noch menschen gibt, die zigaretten rauchen.» +++
Blogger-Treffen: St. Burnster interviewt seine Leser jedenfalls die bekannteren. Nach
Markus Kavka unterhielt er sich nun mit
Don Alphonso. +++
Letzte Worte von
Texas-Jim, Dieseldunst: «Wieder im Stehen angezogen. Wieder ohne Nebenwirkungen bis unter den Wasserhahn gebückt. Wieder Kaffee.
Wieder Musik.» +++