27.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Ich möchte ein Blogger sein: Eisbär Knut
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Blogger-Lesungen, Pop als Heimat, Eisbär Knut als Blogger - und mörderische Dorfgeschichten. Wie immer dienstags: Blogblick.
Glückliche Blogger! Vorbei die Zeiten, da
Einsame das Internet mit ihrer Sicht auf die Welt behelligten. Zwar schreiben Weblogger weiterhin Texte, setzen unablässig Links aufeinander, lesen und zitieren sich gegenseitig. Aber längst tragen viele ihre Texte den anderen, den
Nicht-Bloggern da draußen, vor.
Natürlich waren sie nicht die einzigen Blogger dort, denn Lesungen dienen nicht zuletzt dem
Wiedersehen:
Thomas Gigold von den
Blogpiloten hat die Lesung mit
Fotos dokumentiert und
Guido von
Heldenstadt.de, einem Leipzig gewidmeten Weblog, blieben die nicht zuletzt etwas
derben Äußerungen aus dem Publikum im Gedächtnis: «Einmal ein junger Mann, der am Eingang meinte: 'Ich kenne hier jede dritte Blogger-Fresse von irgendwelchen Bildern.
Zum Glück fliegt kein Foto von mir im Internet rum.'»
Jüngere Blogger tun sich mit den Lesungen hingegen noch schwer.
Klingsor erlebte in Leipzig seine
erste Blog-Lesung und war weniger angetan: «Ich wurde allerdings wieder auf die Frage zurückgeworfen: Warum lesen Menschen (diese) Blogs? Ist das nur eine
Einmann-Daily-Soap? Ist das der durchschnittliche Popliterat von nebenan, der mir
kostenlos jeden Tag
ein paar Texte liefert? Oder konnte in der Lesung vielleicht
einfach nicht das vorgeführt werden, was Blogs ausmacht?»Bloggern, die es für keine Lesung in die Wirklichkeit zieht, bieten sich
Alternativen an: alles bleibt einfach im Internet. So hat
Kid37 vom
hermetischen Café das «in Vergessenheit geratene Motto
Blogger lesen Blogger» wiederaufgegriffen. Er las Texte anderer Blogger, nahm sie auf
und hat sie als Audiodateien ins Internet gestellt.Das an dieser Stelle schon einmal erwähnte kollaborative
Blogread macht sich dieses Motto seit geraumer Zeit zum Thema: Dort lesen Blogger favorisierte
Texte aus anderen Weblogs und
unterlegen sie mit frei zugänglicher Musik. Anhang+++
Werbung unter Bloggern: Casino vom
Hotel Mama möchte um die jüngst initiierte Banner-Plattform zur Finanzierung von Weblogs lieber einen Bogen machen: «Das Parasitäre dagegen bei diesem anderen Haufen, bei denen ich die Beziehung zwischen Wirtstier und Anzeigenstall nicht wirklich durchschauen kann, (...)
weil Geld und diese schräge virtuelle Blogprominenz in diesem Verbund etwas fast rührend Abzockerisches an sich haben.» +++
TV-Live-Bloggen: Sebas, Blog-Bistro und
Mark von der
B-Seite haben ferngesehen, u.a.
Germanys Next Topmodel, und ihre Kommentare dazu live gebloggt. Derweil tranken sie:
«01:08. remark: die mutter, beate, trägt eine silberne hose und hat ähnlichkeit mit einem kirchturm.» +++
Schluss mit der Schwatzgesellschaft: Der
Großbloggbaumeister ist via Google den
ewig gleichen Forderungen von Politikern und Verbänden nachgegangen. +++
Mehr Rücksicht: Kid37 versteht manchmal die Welt nicht mehr und
möchte nur noch schrei'n. +++
Tolles Praktikum: Eva Schulz war zwei Monate bei «jetzt.de» und hat und einen mehr als
versöhnlichen Praktikumsbericht vorgelegt. +++
Green Card: Wasweissich, Gedankenträger, wird eines Tages einen langen Aufsatz über die «Homeland Security» schreiben. Einen Essay dazu hat sie bereits jetzt verfasst: «Den Text über ein Land voller Widersprüche:
so prima Menschen einerseits und andererseits eine gnadenlose Bürokratie, die von nicht-so-prima Menschen betrieben wird.» +++
Pop, diese Heimat: Praschl von
Sofa. Rites de Passages hat es schon lange besser gewusst: «Die Substitution von Pop durch Deutschland in Vanity Fair & mein ödes Retrorechtbehaltenhaben, immer schon,
damals schon das Popsagen so unangenehm gefunden, Heimatkram, Volksmusik, Identitätsgebrülle.» +++
Korrekte Zitate: Im
Sudelblog sorgt man sich um eine adäquate
Einbindung Kurt Tucholskys. +++
Populäre Blogs: Das
Bamblog hat die Daten der
deutschen Blogcharts analysiert: «Die Weblogs, die es 2006 in die Deutschen Blogcharts geschafft hatten, (...)
werden überwiegend von Männern geführt. Na, gut. +++
Webdesign von einst: Gerrit van Aaken, praegnanz.de, wünscht sich von seinen Lesern Links auf
«grottige Gymnasiums-Websites, peinliche private Homepages und kuriose Kegelclub-Webpräsenzen». +++
Paare in Cafés: Ole aus Absurdistan hat Pärchen unter sich und neben anderen beobachtet:
«So, jetzt kannst Du mir zeigen, dass Du ein Mann bist!» +++
Knut, der Blogger: Mike Schoor, Sichelputzer, fragt sich,
warum Eisbären die besseren Blogger sind. Hier geht es zum Blog von Knut, der
neuesten Kunstfigur der deutschsprachigen Blogosphäre. +++
Schuhtick: Andreaffm, Reisenotizen aus der Realität, würde niemals auf Gummi laufen und kennt einen guten, gemächlichen, aber teuren Schumacher:
«Maßschuhe brauch ich nicht, ich brauch einfach nur neue Sohlen.» +++
Erinnerungen an Japan: Isabo, ... is a blog, lebte vor etwa 15 Jahren in Japan und war jüngst erneut dort: «Wir sind dann zurückgegangen nach Shibuya. Drüben, auf der anderen Straßenseite, erzähle ich dem Mann, war damals
dieser kleine Rundum-Sushiladen, so halb im Keller, erinnerst Du Dich?» +++
«Oh, ist er schon tot?»: Helene, andersneu, erzählt von ungesühnten Morden im Dorf und anonymen, kryptischen Briefen:
«Mit Dir machen wir es genauso wie mit den Kirschen!» +++