Blogblick: Sehnsucht nach der «Lätta-Familie»13. Mrz 2007 11:48  |  Frühstück in der Krippe | Foto: dpa |
|
Heimliche Top-Hits, das perfekte Verbrechen, Brötchen am Kopf. Außerdem: Weltfrauentag und Baudrillard. Wie immer dienstags: Blogblick.
Die Krippenkinder-Diskussion bewegt sich in den Massenmedien zwischen Familienromantik und unzumutbaren Frauenrollen. Verständlich, wenn einer Vollzeitmutter zweier Kinder daher
«langsam die Hutschnur platzt»:
«Liebe 'Teilzeitmütter' (...), hört auf, Argumente dafür zu suchen, die auf den Rücken der Vollzeitmamas geladen werden.»
An normalen Montagen geht es hingegen, auch in Weblogs,
eher sachlich zu:
«So, die Kinder sind in der Krippe, Cristina hustet zwar noch, aber sonst geht's ihr besser.» Worum geht es? Um den Alltag derer, die Kinder erziehen - und das womöglich noch alleine. So wie
Casino,
alleinerziehende Mutter mehrerer Kinder, die in ihrem Weblog
Hotel Mama
anschaulich beschreibt, wie nervenaufreibend dieser Alltag ist:«Diese ewige totalitäre Anwesenheitspflicht in jeder Hinsicht, der sich jeden Tag anhäufende Berg an Widerspruch, die unendlichen Wiederholungen von sogut wie allem, die ewig brodelnde Kindergeburtstagshysterie im Hintergrund (...). Jammer, jammer. Ich will eine Lättafamilie.»
Dabei gibt es noch viel mehr Probleme.
Wasweissich,
die unter anderem das
Autismusblog
mitschreibt, hatte lange Zeit Schwierigkeiten, ihren autistischen Sohn
in einer Schule unterzubringen.
Und: sie beklagt eine eine unausgewogene Berichterstattung in den Medien. Nun hat sie
«Wut im Bauch»:
«(...) beim Nachdenken darüber, dass Kinder unsere Zukunft sind und wie wir diese Zukunft gestalten wollen, hat die ARD die Kinder mit Behinderung völlig außer Acht gelassen. (Geht es bei der Zukunftsfrage am Ende nur um Leistungsstärke?)»
Der Alltag geht weiter. Zum Beispiel mit
unnachahmlichen Spielplatzgesprächen.
Oder in einer anderen Schule, ohne Mama, ohne Papa. Da bekommen Lehrer mitunter
Brötchen an den Kopf
geworfen. Autsch!
Am 8. März war Weltfrauentag, ein Anlass für Missverständnisse: Andreaffm bekam von Vertretern des DKP-Ortsvereins eine Nelke überreicht, und fragte sich: war das eine
Gratulation oder eine Beileidsbekundung
? Im bibliothekarischen Weblog Netbib wurden zum 8. März ausschließlich Beiträge von Frauen erbeten; die
Resonanz blieb schwach
Im
Genderblog
wurde diese ausschließliche Frauenquote ausgiebig kritisiert.
Jean Baudrillard
ist tot. Als ordentlicher Philosoph eher ein Außenseiter, wurde Baudrillard als Theoretiker der Wirklichkeit und ihrer Simulation berühmt. In der
Geistigen Heimat
griff man tief ins Regal und fand alte, wahre Bücher.
Bei
Movie Buzz
betrachtet man den Pool der Popstars unter den lebenden Philosophen nunmehr eher als einen Tümpel, während sich Daniel Windheuser im kollaborativen Weblog
Aggiornamento
fragt, ob Baudrillard
jemals in München
war. In seinem Weblog
Was denkt Flo?
empfiehlt Flo Baudrillard zur Lektüre. Das Blog
«Another Perfect Day»
verlinkt direkt auf Baudrillards perfektes Verbrechen.
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
|
Anhang +++ Blogsong: Gut möglich, dass
Jochen aus Berlin
einen Top-Hit geschrieben hat. +++ Brotlose Kunst: Der
Cartoonist Svenk
erzählt, wie seine Eltern von einem besoffenen Markus einen Lüpertz bekamen, der dennoch kein Geld wert ist. +++ Knipsen, niemals aufhören:
Marcus Hammerschmitt, Instant Nirvana
, fragt sich: «Auch hat mir noch niemand aufschlüsseln können, warum ich die kleine Stadt fotografiere, dass sie wirkt wie eine große: hart und böse.» +++ Die Weblogs der Zukunft werden womöglich mehr über Lokales berichten. Das
Sparrenblog
macht das jetzt schon über Bielefeld. +++
Für das Web ediert von Stephan Heinen |