RAF, Goetz, Ringfahndung20. Feb 2007 10:07, ergänzt 11:10  |  Rainald Goetz lesend, ohne Rasierklinge | Foto: dpa |
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Und sonst? Gegenbier, Arschgeweihe und eine Rechtsberatung im Puff. Wie immer dienstags: Blogblick
Die Blogosphäre diskutiert über die ehemaligen RAF-Mitglieder. Don Alphonso
sehnt
sich «öffentliche Auftritte von Frau Mohnhaupt» herbei: «Stundenlanges Gesabber im Stil der 70er Jahre wäre der völlig überzogene Baudrillardsche Moment, der das Weltbild der von der RAF begeisterten Klientel ganz schnell in sich zusammenstürzen lassen würde».
Ganz anders nähert sich Girl auf Meow!
dem Thema
: «Warum bekommt eigentlich in gewissen Zeitungen als einzige Gewerkschaft die Gewerkschaft der Polizei solche Aufmerksamkeit?», fragt sie. Und antwortet: «'Begnadigungen' und ihre Auswirkungen wirken da nur wie das letzte Feld bildhafter Kompetenzanmaßungen».«Mohnhaupt denke derzeit über andere Möglichkeiten nach auf die Angehörigen zuzugehen» – das formuliert einer, der schon vor 20 Jahren ein Buch über die RAF schrieb, in dem er mit der, in seinen Worten, «innerlichen Sicherheit» des Staates genauso abrechnete wie mit dem «Ensslinschwachsinn». Das Buch heißt «Kontrolliert» (1987), der Autor Rainald Goetz. Noch mal gute zehn Jahre später wurde er dann Deutschlands bekanntester Netzschriftsteller («Abfall für alle», 1998/99 als Online-Tagebuch geführt; 1999 als Buch erschienen). Danach hörte man über lange Zeit nicht mehr viel von ihm.
Nun ist Goetz zurück. «Vanity Fair» hat ihm ein Blog geschenkt. Es trägt den hübschen Namen Klage, und - Überraschung! - Goetz
benutzt
es sogar.
Und was treibt Goetz heute außer Mohnhaupt so um?
– «Nachdenken, ist ja Quatsch. Fragen haben an die Politik, besser lesen, Beobachtungssituationen
reflektieren
».– Er kämpft immer noch, nicht mehr gegen Staat und Terror, sondern gegen die «Rechtsabteilung der Debitel» – und gewinnt.
– Von Berlin-Mitte zeigt er sich nicht
genervt
, von den ehemaligen Kollegen der «Süddeutschen Zeitung»
hingegen
schon.
Mit einem gewissen Herrn Kyritz führt Goetz eine wunderbare
literarische Figur
ein: «Der für diese Welt zuständige Held heißt Dr. Rudolf Kyritz, Jahrgang 1951, Jurist, unverheiratet, keine Kinder. Arbeit im sogenannten BMI als Ministerialrat, Referat O 3, Abteilung O, Protokoll Inland. Quereinsteiger, keine richtige Karriere, pflegt vielfältige musische Interessen. Der Job war nie sein Leben, macht seine Arbeit aber gerne. Der Henker.» Oder sollte die Figur etwa gar nicht literarisch sein? Klage überrascht in der deutschsprachigen Blogwelt. Klage ist anders. Und doch wirkt Klage auch sehr vertraut.
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang «Kamelle - de Blog kütt!» – Karneval, wohin man schaut: Einen Tusch auf Einbecker, der im Niemals-nüchtern-Blog trunken und genau
ein wenig
früh dran war: «Das schöne ist ja: Karneval ist erst morgen»; Alan Smithee, Betreiber des
KölnBlogs
hat sein Kostüm gerade noch rechtzeitig komplettiert; Saskia de Lando rät bei
Ehrensenf
vom legendären «Gegenbier» beim Kater ab. +++ Felix Schwenzel
von
wirres
lädt angesichts einer typischen Liste zur Bloglink- und -besucheranzahl zum «Releschwanzvergleich» ein und bekennt: «Ganz nach meinem Geschmack. Weil ich die komplett irrelevante selbstreferenzielle Relevanz dieser Liste als relevant erachte» – ah, ja. +++ Don Dahlmann war bei Peter Turi zu Gast und bewertet dort
die '10 besten Bloganbieter'
+++ Jochen Reinecke hat in der Riesenmaschine
ein Autokommunikationstool
für die Heckscheibe
entdeckt und befindet: «nutzlos», «kindisch», «verblüffend hässlich». +++ lupo findet im
Bildblog
an einem getunten VW Passat alle Außenspiegel, die «Bild.de» übersehen hat. +++ Vor große Rätsel stellen die «Amazon-Empfehlungen direkt nach einem Einkauf» Frank Lachmann auf
Argh!
– denn «empfohlen wird immer praktisch das gleiche noch mal». +++ Die BooCompany fragt sich, was denn da mit den so genannten ZDF-Livestreams
bei der
Uefa-Pokal-Netzpremiere
los war: «Fazit: Eine peinliche Vorstellung des ZDF. Verschwommenes Bild, Aussetzer allerorten». +++ Kurz, knapp und rätselhaft meldet sich Peter Praschl auf dem
Sofa
zurück: «harter rock». +++ Der Schockwellenreiter Jörg Kantel
verlinkt
auf ein Musikvideo von Grace Jones, weiß, dass «das Akkordeon nur Staffage ist», mag aber «diese Version» trotzdem. +++ Gregor lädt in der
Machtdose
zur Ü30-Party in den
Dalston Oxfam Shop
samt «herrlichen Mixtapes aus den 80er- und frühen 90er Jahren, als TDK noch TDK, und BASF noch BASF waren». +++ Schmuck: Peter van Houthen erzählt auf
Ringfahndung
eine Arschgeweihgeschichte aus Ottensen und zeigt dazu das hübsche Foto eines echten Arschgeweihs +++ Rechtsanwalt Udo Vetter
hatte
Außendienst im Puff, von einer Schweigepflicht für Nutten weiß er nichts. Der Wiener Historiker
Anton Tantner
recherchiert «in Brno nach Akten zum dortigen Frag- und Kundschaftsamt, das 1755 in Zusammenhang mit der mährischen Lehnsbank gegründet wurde». +++ Literatur:
Toni Mahoni
stellt drei Bücher vor, die einen «Dreiklang» ergeben. +++
Alban Nikolai Herbst
musste sehr früh aufstehen, um einen Zug nach Bamberg zu erwischen und hat prompt sein «Notizbücherl liegengelassen, worin die Anfangszeilen eines kleinen Textes stehen», an dem er arbeiten wollte. +++ Dass der Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber vermutlich von der kanadischen Justiz nicht nach Deutschland ausgeliefert wird, veranlasst Jörg Schröder und Barbara Kalender in ihrem «taz»-Blog zur zweiteiligen Geschichte «Kriminaltango»
eins
und
zwei
. +++ Im Lehrerzimmer listet Herr Rau Nachschlagewerke
auf
, «die ich von A-Z gelesen habe»
+++ Genuss: «Klar: Zigarettenrauch riecht, oft sogar nicht angenehm. Dann muss er also auch giftig sein. Wie lange wird es dann aber noch Fischgeschäfte und Käsetheken geben?», will man im Blog
Kulturnation
wissen. +++ Die
Schachblätter
schliesslich genießen eine unlösbare Schachaufgabe und bieten ein mutiges «Hilfsmatt in 2,5 Zügen!» an.
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