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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Dienstag

29. Apr 2008 10:11, ergänzt 11:10
Spitzenmann des TV-Journalismus, und jetzt auch noch Namensgeber eines neuen Verbs: Claus Kleber
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Es klebert wieder: Eiszeit-Schlammschlacht beim «Spiegel», viele Springer-Artikel über Lidl. Außerdem: Neues vom BND.

Gruner+Jahr-Vertreter grunerundjahren, und der «Spiegel» «klebert wieder», formuliert es die 'taz' (die beim Sprachspielen richtig aufblüht, seit sie in so viele Artikel reinschreiben kann, dass der Springer-Verlag in der Rudi-Dutschke-Straße ansässig ist).

Tatsächlich füllt der «Spiegel»-Verlag im Bestreben, der interessierten Öffentlichkeit bestes Entertainment zu bieten, jetzt jenes Gesellschafter-Konstrukt mit Leben, das im vergangenen Jahr etwa anlässlich des projektierten «FTD»-Kaufs und der projektierten Claus Kleber-Verpflichtung immer nur pro forma beschrieben, aber nicht wirksam wurde, weil sich damals zwischen die Gesellschafter noch kein Keil treiben ließ.

Zur Erinnerung: Die «Mitarbeiter KG» besitzt 50,5 Prozent des Verlags, Gruner+Jahr (G+J) besitzt 25,5 Prozent (Infografik), Entscheidungen müssen mit mindestens 76 Prozent getroffen werden. Das bedeutet: Was die mit 24 Prozent beteiligten Augstein-Erben wollen, spielt in keinem Fall eine Rolle, vielmehr müssen Mitarbeiter und G+J sich einig sein. Bislang waren sie's zumindest nach außen. Jetzt aber, im Fall des Verlags-Geschäftsführers Mario Frank, den die Mitarbeiter wieder loswerden wollen (Altpapier von gestern) , sind sie es nicht mehr.

Denn G+J, aus dessen Schoß Frank schließlich kam, will ihn behalten. Er «genießt unser volles Vertrauen und steht in keiner Weise zur Disposition», lässt G+J-Chef Bernd Kundrun ausrichten (was die «taz» «grunerundjahren» nennt). «Mario Frank bleibt Geschäftsführer beim Spiegel», schreibt daher die 'Berliner Zeitung' , der auch «nicht ganz klar ist, was die Mitarbeiter KG... dem Verlagschef eigentlich vorwirft. Erst vor einigen Wochen konnte Frank, der seit Anfang 2007 im Amt ist, mit einem Gewinn von 57 Millionen Euro das beste Betriebsergebnis der Unternehmensgeschichte vorlegen».

Ein aktuelles Detail, das Frank vorgeworfen wird, weiß der 'Tagesspiegel': Er habe «versucht, eine Anzeige in das Inhaltsverzeichnis setzen zu lassen, das beim 'Spiegel' als unantastbar für Werbekunden gilt. Als die Chefredaktion sich weigerte, habe er diese als arrogant bezeichnet, heißt es aus der Redaktion». Holla.

«Es ist völlig ausgeschlossen, dass Frank gegen den erklärten Willen des Hauptgesellschafters im Amt bleibt», zitiert die 'Welt' einen anonymen «intimen Kenner» des Nachrichtenmagazins und freut sich auf die «Schlammschlacht» zwischen Mitarbeiter KG und G+J, die sich im Anschluss an die herrschende «Eiszeit» (Mitarbeiter KG-Sprecher Armin Mahler) ereignen könnte.

Ein Ausweg zeichnet sich allerdings auch schon ab. Wenn G+J seinen eigenen Mann nicht auf dem Geschäftsführerposten halten kann, will der Verlag auch den Mitarbeiter KG-Kandidaten Matthias Schmolz nicht darauf sitzen haben. Also «spricht vieles für eine externe Lösung. Zuletzt war immer wieder der Geschäftsführer der Wochenzeitung 'Die Zeit', Rainer Esser, als Kandidat ... ins Gespräch gebracht worden» («Welt»).

Esser ist schließlich einer, der auch ohne Inhaltsverzeichnisse anzutasten für die tollsten Nebengeschäftchen zu haben ist. Z.B. frisch im Angebot: die Reise 'Polen - Heimat der Gräfin Dönhoff'.

Dahin geht schließlich die Reise bei der Papierpresse: das Vertrauen, das man in der jeweiligen Zielgruppe genießt, in Rendite fürs Wachstum umzumünzen, ob nun mit Reiseerlebnissen à 1590,00 € oder sechs Flaschen Bier plus Deutschlandfahne à 0,99 Euro. Letzteres war im Sommer `06 eine Aktion der «Bild»-Zeitung gemeinsam mit dem Lebensmittal-Discounter Lidl.

Jüngst war Lidl auch wieder in allen Blättern, nicht bloß wegen der spektakulären Milchpreissenkung, sondern auch wegen der Mitarbeiterbespitzelung. Die 'taz', die derzeit wie gesagt besonders gern in die Springer-Presse aus der Dutschke-Straße schaut, hat zusammengetragen, wie die «Bild»-Zeitung, aber auch die Qualitätszeitung «Die Welt» ('Welt Dialog': «Lidl stellt sich den Fragen der Mitarbeiter und Kunden») über den Discounter, lidlten, also berichteten.




Altpapierkorb

'Bild'-Zeitung: «Berlin – Hoher Besuch gestern im Axel-Springer-Haus!» Meglena Kunewa, EU-Kommissarin aus Bulgarien, «erfuhr, wie ernst die Leser das Thema Verbraucherschutz nehmen. Die Service-Seite von 'Bild' nannte sie eine 'beeindruckende Initiative'». Nicht so leicht zufriedenzustellen: der «Bild-Leserrat», der u.a. die Forderung aufstellte, dass das Boulevardblatt «noch mehr Tipps zum Sparen bringt und die neuen Ratgeberseiten als Buch oder Online-Archiv anbietet». +++ Der Bundesnachrichtendienst soll den Journalisten Andreas Förster «weit intensiver ausgeforscht haben als bislang bekannt». Das entnahmen Förster und die 'Berliner Zeitung', deren Reporter er ist, einer neu vom BND übermittelten «Aktenauskunft» mit «32 Einzelinformationen, die zwischen 1998 und 2005 erarbeitet wurden». +++ Kürzlich lud die SPD zur medienpolitischen Debatte. 'Kölner Stadtanzeiger': «Ein vehementes Streitgespräch aber wollte in Düsseldorf nicht aufkommen. Was damit zu tun haben mochte, dass die SPD mit NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers ausgerechnet einen Vertreter der WAZ-Mediengruppe geladen hatte, die mit dem WDR kooperiert». Außerdem war Oppers ja selbst für den WDR tätig. Der 'KStA' hätte natürlich lieber einen Vertreter der DuMont-Presse dort sitzen gehabt, die (derzeit) nicht mit dem WDR kooperiert, und führt schon mal ein langes Interview mit SPD-Medienpolitiker Marc Jan Eumann. Frage: «Wo fängt elektronische Presse an? Wie soll man das definieren? Was ist bereits elektronische Presse?» - Eumann: «Gute Frage. Das ist eine der großen Herausforderungen ... ... ...» - «Gut, aber was heißt denn dann konkret 'elektronische Presse'?» - Eumann: «Also 'elektronische Presse' ist in der strengen Definition die Kombination von Standbild plus Text. Das will im Internet nur keiner. ... ...» +++ Die «Bild»-seelenverwandte «Hürriyet» feiert am 1. Mai 60. Geburtstag. Ferda Ataman erläutert in der «SZ» das «simple Prinzip» des türkischen Blatts: «Alles, was Türken in Europa betrifft, ist von Belang. Alles, was sie nicht betrifft, nicht. 'Kommen Sie zum Trockenaprikosen-Fest nach Mannheim', lautet etwa der Titel eines ausführlichen Reports. ... . Im Fokus steht jedoch immer eines: Die angeblich nicht enden wollenden Ungerechtigkeiten gegenüber Türken und ihr Leid in der Fremde». +++ Außerdem geht die «SZ» der 'Spiegel'-Meldung über einen Verkauf des schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags nach. «Die Verlagsleitung in Flensburg will von einem möglichen Verkauf nichts wissen: 'Wir sind eher angewiesen, Medien zuzukaufen», sagt SHZ-Geschäftsführer Thomas Keßler'. +++ Was aber angeblich auch nicht stimmt: die «Focus»/ «Bild»-Zeitungs-Meldung betreffs Anne Will. Zugunsten eines einheitlichen «Tagesthemen»-Beginns «könnte es sein, dass am Ende Plasberg seinen Platz tauschen und auf den Donnerstag rücken muss» ('SZ'). «Haben sich böswillige Medien gegen Anne Will (42) verschworen?» ('Hamburger Abendblatt', auch Springer). +++ Für die 'FAZ'-Wirtschaft (S. 14) hat Heike Göbel die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh besucht. «Ließe sich der Kritik nicht der Boden entziehen, wenn Stiftung und Konzern personell weniger eng verflochten wären, ebenso Stiftungsvorsitz und das als Aufsichtsrat gedachte Kuratorium? Die zentrale Figur ist überall Liz Mohn, die Frau von Stifter Reinhard Mohn. Sie überwacht sich in verschiedenen Funktionen quasi selbst: Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Vorstands und des Kuratoriums der Bertelsmann-Stiftung sowie Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und Geschäftsführerin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft». Darauf der neue Vorstandschef Gunter Thielen: «Der Stifter hat das Recht, beides zu machen, absolut. Schließlich verbrät die Stiftung sein Geld». +++ Die Medienseite schildert, wie ein Zusatz zum russischen Mediengesetz der «Behördenherrschaft über die Medien eine legale Grundlage verschafft». +++ Außerdem rüttelt Michael Hanfeld Harald Schmidt in puncto Oliver Pocher auf. +++ «Berlin ist immer noch gespalten. Diese Spaltung betrifft nicht nur die Tempelhof-Frage, sie betrifft auch die Verbreitung der Tageszeitungen und die Aufteilung der Rundfunkquoten. ... Natürlich hat auch die Springer-Presse im Osten ein sehr viel kleineres Publikum als im Westen» (der emeritierte Medienwirkungsforschungs-Professor Lutz Erbring im 'Tsp.'-Interview). +++ «Dass in einem Prozess, in dem es um Publikationsfreiheit geht, auf beiden Seiten Presseorgane sitzen, habe ich noch nie erlebt», so der Vorsitzende Richter der 17. Kammer des Stuttgarter Landgerichts. Da berichtet die 'FR' vom Prozess zwischen Kloepfer & Meyer-Verlag (Buch «Wir können alles - Filz, Korruption & Kumpanei im Musterländle») und «Schwäbischer Zeitung». +++ Zum Schluss ein Ausblick in die Zukunft der Zeitungen: «Die neue Papier-Elektronik ist wesentlich biegsamer als Silizium und lässt sich als gewöhnlicher Papiermüll recyceln»... ließ sich die 'SZ' von Vertretern der Firma 'Printed Systems' aus Chemnitz sagen.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10.00 Uhr.

 
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