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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Montag

28. Apr 2008 09:59, ergänzt 10:07
Das nette Lächeln könnte Guillaume de Posch bald vergehen: ProSiebenSat1 steckt in der Krise.
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Germany's last topmodels. Oder: Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Während der Rücktritt von Peter Christmann als Symptom des Niedergangs von ProSiebenSat1 verstanden wird, scheinen alle froh, dass Mario Frank wohl nicht mehr allzu lange Geschäftsführer des «Spiegel» sein wird.

«Ich darf Sie, sehr geehrte Damen und Herren, dazu auf die Leitlinien ihres Unternehmens zur Sicherung der journalistischen Unabhängigkeit der ProSiebenSat.1-Gruppe verweisen», hieß es am Ende des 'Offenen Briefs' von Gerald Grosz, seines Zeichens Generalsekretär der Partei «Bündnis Zukunft Österreich». Der Grund dafür: Nach einer kurzen Diskussion vor Beginn der Sendung «Talk of Town» beim ProSiebenSat1-Austria-Ableger «Puls 4» hatte sich der ehemals «Zeit»-, jetzt «Falter»-Redakteur Florian Klenk geweigert, mit BZÖ-Mann Peter Westenthaler vor der Kamera weiter zu reden (mehr dazu im 'Standard' ). Viel Gehör wird Grosz mit seinem offenen Brief allerdings nicht finden, denn ProSiebenSat1 hat wahrlich gerade andere Probleme.

Es brennt bei ProSiebenSat1: Schlechte Zahlen, Aktiensturz, Vorstandswechsel. ( 'sueddeutsche.de' )

Am Freitag machten die Quartalszahlen des Unternehmens die Runde, «der operatve Gewinn brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf 88,5 Mio. Euro ein», berichtet die 'FTD' , die Aktien gaben um einen ähnlichen Prozentsatz nach (siehe dazu auch hier in der Netzeitung ).

Als Gründe werden von Konzernchef Guillaume de Posch das Schwächeln von Sat1 sowie der Zukauf der TV-Gruppe SBS genannt. Auch das neue Werbezeiten-Verkaufsmodell, das das Unternehmen nach einer saftigen Geldstrafe des Kartellamts einführte, habe sich nicht bewährt, «die Macht der Agenturen ist immens. Da waren wir einfach chancenlos», zitiert die «SZ» (S. 15) sog. «Beteiligte» (Wie man das bei ProSieben lieber handhabt, hat sich ja Peer Schader in der vorvergangenen Woche bereits für die 'FAS' angesehen). Wie geht´s nun weiter, da die »Einschläge näher kommen« (»SZ«)?

Etwa 70 Millionen Euro sollen 2008 zusätzlich im Budget gespart werden, insbesondere im Vertrieb und in der Verwaltung, aber auch durch »eine optimierte Nutzung des existierenden Programmvermögens«, wie de Posch sagte. Was darunter zu verstehen ist, bleibt offen.

heißt es bei 'sueddeutsche.de' . Von Entlassungen, Wiederholungen und dem »Zusammenrücken« der Vermarkter SevenOne Media und SevenOne Interactive spricht der Branchendienst »dwdl« hier und hier .

Einziges Faktum bislang: Peter Christmann trat von seinem Posten als Sales- und Marketingchef zurück.

Was hier als schlechtes Zeichen wahrgenommen wird, gilt anderswo als Desiderat: Von einem Rücktritt ihres Geschäftsführers kann die Mitarbeiter KG des »Spiegel« bislang nur träumen.

»Mario Frank genießt unser Vertrauen. Er ist Geschäftsführer des Spiegel-Verlags« hieß es noch am Freitag in einem Statement des Spiegel-Minderheitsgesellschafters Gruner und Jahr. Für Kenner klingt so ein Satz natürlich extrem bedrohlich, denn dass es ernst wird erkennt man immer daran, dass die Statements plötzlich so knapp und opak werden.

Nils Minkmar von der 'FAZ' hat natürlich recht: Bereits am Freitagnachmittag entzogen die Vertreter der Mitarbeiter KG ihrem Geschäftsführer das Vertrauen, als Nachfolger wird bereits das »Spiegel«-Hausgewächs Matthias Schmolz gehandelt; »diesmal rumpelt´s im Verlag«, schreibt die 'taz' . Entlassung ist das allerdings noch keine, denn dazu bräuchte es einen Entschluss der Gesellschafter (außer der Mitarbeiter KG: Gruner + Jahr sowie die Augstein-Erben).

Das Misstrauen hat mehrere Gründe: Frank habe den »Spiegel« wie ein beliebiges Printprodukt behandelt, dass er zudem lange Jahr für Gruner + Jahr tätig war, ließ ebenfalls den ein oder anderen hellhörig werden. Und dann war da noch die Entlassung von Stefan Aust, die wahrlich eine der größeren Peinlichkeiten in Franks Karriere darstellen dürfte. 'Sueddeutsche.de' fügt außerdem an:

Seit sich die Mitarbeiter KG Franks Plänen widersetzte, 50 Prozent der 'Financial Times Deutschland' (FTD) zuzukaufen, stimmte die Chemie nicht mehr. Dass der Verlagschef in seinem Büro auf Bücher verzichtete, stattdessen in seinem Rücken eine antike Schreibmaschinensammlung an die Wand montieren ließ, wurde symbolisch gedeutet.


Altpapierkorb

Knapp und opak auch das Statement des ARD-Vorsitzenden Fritz Raff zu Spekulationen des «Focus», dass Anne Wills Ende (mal wieder!) eingeläutet worden sei: Anne Will ist für ihre Sendung beim Treffen der Intendantinnen und Intendanten in Bonn ausdrücklich gelobt worden. Ihre Sendung ist sehr erfolgreich, so wie auch der Mittwochs-Talk von Frank Plasberg. Einen Handlungsbedarf gibt es deshalb nicht – er soll offenbar gezielt von außen herbeigeredet werden, heißt es in der Pressemeldung. Vor allem Großanstalten wie Mitteldeutscher Rundfunk, Südwestrundfunk und Bayerischer Rundfunk machten dagegen deutlich, dass sich der doppelte Polit-Talk als Fehlkonstruktion erwiesen habe, behauptet dagegen der »Focus« (S. 203f). Auch Rainer Braun ist von der Dame mal wieder gar nicht begeistert ( 'KSta' ). +++ Und weiter mit der ARD: Medienforscher Horst Röper warnt laut 'FR' davor, dass die Kooperationen zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und den privaten Medienunternehmen »kaum ohne Einfluss auf die journalistische Unabhängigkeit der beiden Häuser bleiben werde«. +++ Gemeint ist damit vor allem der WDR (und dessen Zusammenarbeit mit dem WAZ-Konzern), der ohnehin gerade einen Unruhestifter am Hals hat, der sich Marvin Oppong nennt und eigentlich nur mal nachfragen wollte, an wen der WDR in den vergangenen Jahren Aufträge erteilt hat und ob diese auch ordentlich ausgeschrieben waren. Doch der WDR blieb stumm, weswegen der 25-jährige Oppong nun vors Verwaltungsgericht zieht: Thomas Gehringer beleuchtet im 'Tagesspiegel' die Tragweite dieser juristischen Auseinandersetzung. +++ Wie die Chinesische Mauer 2.0 funktioniert bzw. wie China zum »Vorreiter und zugleich Top-Exporteur modernster Methoden allgegenwärtiger Online-Zensur« werden konnte, erklärt der »Spiegel« (S. 184f). +++ Das 'Handelsblatt' berichtet über die Krise auf dem US-Zeitschriftenmarkt: »Der Konjunkturabschwung belastet zahlreiche Anzeigenkunden, die mit der Leserschaft weiter Richtung Internet abwandern. Dort aber bestimmen nicht mehr Zeitungshäuser das Nachrichtengeschehen, sondern Web-Konzerne wie Yahoo oder Google. Der kriselnde Tribune-Verlag ist ein prominentes Beispiel. Doch dem Rest der Branche geht es kaum besser.« +++ Womöglich ein Grund, um anderswo zu investieren? Holtzbrinck will die »Filetstücke« ( 'turi2' ) der insolventen Pin-Group kaufen. +++ 'Telepolis' nimmt Uni-Zeitschriften unter die Lupe. +++ Und die 'taz' seufzt: Eine »Mattscheibe ohne Hitler« wird es niemals geben. +++ A propos: Was läuft eigentlich im Fernsehen? 'Tagesspiegel' , 'Berliner Zeitung' und 'FR' besprechen »Zeit zu leben«, Matti Geschonneks Film zum Thema Sterbehilfe. +++ Während »SZ« (S. 15), 'Kölner Stadtanzeiger' und »FAZ« (S. 40) offenbar gar nicht genug bekommen können von »Damages«, der neuen US-Anwaltsserie mit Glenn Close, die heute auf Kabel 1 startet.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Dienstag gegen 10.00 Uhr.

 
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