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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

25. Apr 2008 10:01, ergänzt 10:17
Fälschte auch schon einmal den Adolf Hitler: Helge Schneider. Wurde allerdings erkannt.
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Heute wie gestern: Wie konnte das passieren, dass der BND eine Journalistin bespitzelt und dessen Chef nichts davon weiß? Und dass der «Stern» viel Geld für gefälschte Nazidevotionalien hinlegt?

«Da steht ja doch jeden Tag was anderes drin», seufzte so oder so ähnlich Helge Schneider in seinem Film «Praxis Dr. Hasenbein» über die Tageszeitung. Stimmt nicht! Und die «Berliner Zeitung» hat das längst geahnt – deswegen bemüht sie sich erst gar nicht um Aktualität, sondern bietet online bislang (Stand: 9.30 Uhr) einfach weiterhin die gestrige Ausgabe an.

Nun ja, ein bisschen was hat sich natürlich schon getan: Das Vertrauen in den BND ist jetzt auch amtlich erschüttert, «Parlament rügt den BND-Chef» titelt die «Süddeutsche Zeitung» auf ihrer Seite 1, «Vertrauensverhältnis zum BND gestört» die «FAZ» an gleicher Stelle. Dass Ernst Uhrlau seinen Laden zwar nicht im Griff habe, aber dennoch weiterhin im Amt bleiben darf, wissen heute ebenfalls alle. Dafür müssen andere gehen, wie die 'FAZ' im Anschluss an die 'Welt' berichtet.

Doch dem «Spiegel» genügt das selbstredend nicht, deswegen sinnt er auf eine Klage – schon wieder 'FAZ' :

Der Chefredakteur Georg Mascolo sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, man werde den Vorgang strafrechtlich und verfassungsrechtlich verfolgen und lege es gegebenenfalls auf eine höchstrichterliche Klärung des Bundesverfassungsgerichts an, «weil es nicht sein kann, dass Journalisten, die mit wem auch immer in Kontakt stehen, befürchten müssen, dass ihre Kommunikation im Wege von Online-Durchsuchungen abgegriffen wird».

Dass diese traurige Angelegenheit das Medienressort mittlerweile hinter sich gelassen hat, ist offensichtlich: Auf der «SZ»-Medienseite ist davon nicht mehr die Rede, dafür auf den wichtigen Seiten umso mehr: Die ganze Seite 2 ist dem Thema gewidmet (außer das «aktuelle Lexikon», das sich heute mit der Kartoffelsorte «Linda» beschäftigt), auf der Meinungsseite 4 kommentiert – nein, nicht Heribert Prantl, sondern Hans Leyendecker.

Worum geht´s dann auf der Medienseite 21? Na, darum, worum es in der «FAZ» gestern ging: um die «Hitler-Tagebücher», um die Blind- und Dummheit des «Stern», der vor 25 Jahren für die gefälschte Hitler-Ich-Erzählung 9,34 (in Worten: neunkommadreivier) Millionen Mark hingelegt hat. Ein schönes Stück von Willi Winkler, das nicht nur von der Vor- und Nachgeschichte erzählt, sondern auch vom geistigen Klima, das all das möglich machte:

Es war ein Irrenhaus oder eben: die Hamburger Presse. Obwohl sie von Süden und auch aus dem Hause Springer als schwer links verrufen war, wurde der alte Nazi-Dreck über Jahrzehnte nirgendwo mehr in Ehren gehalten als beim 'Spiegel' und beim 'Stern'.

«FR» und 'Kölner Stadtanzeiger' erinnern sich ebenfalls mit Lust und Schrecken daran, die 'FR' denkt dabei etwas umfassender über die Folgen nach, nämlich über die «Popularisierung des Nazi-Sujets» sowie über das Gladbecker Geiseldrama von 1988, wo u.a. auch Frank Plasberg sein Mikro vor die Nase des Geiselnehmers hielt.

Doch noch einmal zurück zur 'FAZ' . Denn dort ist noch ein weiteres Medienthema auf dem Titel gelandet – und man muss gar nicht dreimal raten: Es geht um Michael Hanfelds Lieblingsthema, nämlich um die «Bunkermentalität» von ARD und ZDF bzw. um die Internetpläne der Öffentlich-Rechtlichen.

Mit derlei Kampffloskeln (Hanfeld meint hier nicht die eigene Metaphorik, sondern ZDFs Rede von «Zensur» und «Morgenthau-Plan») beweisen die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nur eines: dass sie in der Lage sind, ihr Machtinteresse, das sie fälschlicherweise als Gemeinwohl ausgeben, mit den Mitteln der politischen Kampagne durchzusetzen und die Ziele anderer übel zu beleumunden.

Gute Ergänzung: In der 'Welt' erläutert Kai-Hinrich Renner den Zusammenhang zwischen der Arbeit am neuen Rundfunkstaatsvertrag (der die Online-Aktivitäten von ARD und ZDF zu erklären und zu begrenzen hat) und den eingestellten Gesprächen über Online-Kooperationen (etwa zwischen ZDF und «SZ», «Focus» und Springer sowie zwischen ARD und Gruner + Jahr).


Altpapierkorb

Über die neue «Trendsportart ARD-Bashing» macht sich der 'epd medien' Gedanken: Preisfrage: Was haben die Alevitische Gemeinde Deutschland, der Landesfischereiverband Baden, der Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung, das «Berlin Institute» und die Vereinigung der Opfer des Stalinismus gemeinsam? +++ Ausnahmsweise mal nicht gegen die Öffentlich-Rechtlichen, sondern gegen die großen Privaten richtet sich die Kritik von Margarethe Schreinemakers (Sie erinnern sich an die Dame? Vorwurf der Steuerhinterziehung, ausgeblendet bei laufender Sendung …): Verstehen RTL und Sat.1 das Internet noch nicht? fragt sie sich im Interview mit dem Branchendienst 'dwdl' . Natürlich nicht, deswegen kooperiert Frau Schreinemakers jetzt auch mit «NeunTV» und ist ab heute, 18.45 Uhr, mit ihrer Sendung «Schreinemakers 01805-100232» jeden Freitag auf «9Live» zu sehen, wo sie per Online-TV-Synergieeffekten Hilfe aller Art leisten will: Uns hat ein Mann ein Video eingeschickt, der alte Trecker zusammenschraubt. Der sucht Treckerschrauber. Er kann das Video bei uns zeigen, sich im Chathouse eine Mailbox einrichten und dann die Nachrichten entgegennehmen. Mit diesem Konzept sind wir die ersten.. Die 'taz' lächelt milde drüber, während sie das TV-Leben der Sch. noch einmal an sich vorüberziehen lässt: «Lazarus hätte längst aufgegeben – der trieb aber auch nicht so viel Sport und hatte als Coach nur Jesus.» +++ Früher war alles besser – oder doch nicht? Die größten Fernsehmomente: Die Zuschauer durften im Internet abstimmen, das ZDF will heute Abend die Ergebnisse präsentieren. Filme oder Serien standen übrigens nicht zur Abstimmung; das wird wohl eine eigene Sendung werden. Ebenfalls nicht zur Abstimmung stand der 11. September 2001, wie Tilmann P. Gangloff für die 'FR' erfahren hat: «Ein tragischer Kulturschock dieses Ausmaßes», erläutert ZDF-Kulturchef Peter Arens, «lässt sich nicht in eine Zuschauerhitliste einreihen, der primär eine spielerische Idee zugrunde liegt.» +++ In der Krise: Männermagazine. Weil: «Nackte gibt’s im Netz in Massen» ( 'Tsp.' ). +++ Eben deswegen alles andere als in der Krise: Google ( 'NZZ' ). +++ Ein bisschen Krise bzw. «häppchenweise Kritik»: Gestern fand die Hauptversammlung der Axel Springer AG statt ( 'taz' , 'FTD' ). +++ Ziemlich viel Krise bei ProSiebenSat1: «Gewinn bricht ein, Vorstand geht» ( 'dwdl' , 'Handelsblatt' ). +++ Nur hier ist noch alles in Ordnung, und zwar ohne Worte: «Der Friesische Rundfunk macht Programm mit impressionistischen Bilderbögen … Die Zuschauer schalten den stummen Sender trotzdem gerne ein.» Ein Porträt in der «FAZ» (S. 48).

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Montag gegen 10.00 Uhr.

 
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