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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

18. Apr 2008 09:57, ergänzt 10:04
Ein Blick von oben auf das noch aktuelle Redaktionshaus der
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Der «Taz»-Medienredakteur Steffen Grimberg ruft die Pressestelle der «Süddeutschen Zeitung» an. Und erreicht niemanden mehr. Wie soll die «Nationale Initiative Printmedien» denn da Erfolg haben ...

Key-Accounter Online, Mitarbeiter/in für Projektarbeit, Anzeigenverkäufer/in, Webentwickler/in – der Süddeutsche Verlag («Süddeutsche Zeitung») hat gerade diverse Jobs zu vergeben - nur nicht den des Pressesprechers. Obwohl der doch gerade vakant ist. Was Steffen Grimberg von der «Taz» allerdings nur auf Nachfrage erfahren hat – denn auf der Website des Süddeutschen Verlages (SV) findet sich weiterhin der Hinweis:

Anfragen von Journalisten zum Süddeutschen Verlag beantwortet:
Sebastian Berger, Pressesprecher
Tel.: 089/2183-8647
sebastian.berger@sueddeutsche.de

Auch in den Pressemeldungen des SV ist zwischen «Marketing-Manager vergeben Kontakter Client Award» und «SZ erneut mit Rekord-Auflage» nichts davon zu lesen, dass Berger seinen Hut nahm und warum. Online last also – weswegen Grimberg lieber zum Telefon griff und einen «Dialog der etwas anderen Art» führte.

SZ: «Herr Berger ist nicht mehr im Amt.»
Taz: «Wer macht denn künftig seinen Job?»
SZ: «Es gibt keinen Nachfolger.»
Taz: «Heißt das, die Pressestelle ist de facto abgeschafft?»
SZ: «Das ist richtig.»
Taz: «Wieso?»
SZ: «Dazu möchte ich nichts sagen.»
Taz: «Würde uns dann jemand der Gesellschafter diesen Schritt erklären?»
SZ: «Das denke ich auch nicht.»

Seit Februar dieses Jahres hält die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) 81,25 % der Anteile am Süddeutschen Verlag, nachdem vier der fünf Gesellschafterfamilien verkauften und sich die SWMH – laut «Taz» ein «kompliziertes Beteiligungskonstrukt, bei der vor allem die Medien-Union aus Ludwigshafen («Rheinpfalz») das Sagen hat» – bereits im Jahr 2002, als sie beim SV einstiegen war, ein Vorkaufsrecht gesichert hatte.

Steffen Grimberg kennt die «schweigsamen Herren von der Südwesteutschen Medienholding (SWMH) aus Stuttgart» offenbar bereits:

Die kaum bekannte Holding ist durch den Kauf des Süddeutschen Verlags zwar zum größten Zeitungshaus nach Springer geworden. Doch auch in der Stuttgarter SWMH-Zentrale sucht man vergeblich nach einer Pressestelle – oder sonstigen Ansätzen von Transparenz.

Auch der Branchendienst «Kress» urteilt :

Das Schweigegelübde ist bei der SWMH Teil der Unternehmensphilosophie – sie hat selbst keinen Pressesprecher. Aber bisher hatte sie auch noch nicht die neben der «FAZ» wichtigste überregionale deutsche Qualitätszeitung im Portfolio.

Übertriebene Mitteilsamkeit konnte man der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH) noch nie zum Vorwurf machen.

schrieb auch die 'Welt am Sonntag' , die die Meldung über das Ende der SV-Pressestelle vorvergangene Woche in Umlauf brachte.

Wie´s weitergeht, ist also unklar, und offiziell mitteilen wird das wohl auch keiner. «Kress» weiß nur :

Gerade haben sie ein von der Redaktion vorangetriebenes Kunstkonzept für den Eingangsbereich des zukünftigen SV-Hochhauses in München gekippt und auch an die Marketing-Aufwendungen wollen sie offenbar Hand anlegen.

Und Grimberg weiß außerdem:

Unbeantwortet bleibt nach taz-Informationen auch die Sonntagsfrage. Probenummern einer offenbar eher magazinigen Sonntags-SZ sind seit langem fertig. Doch Richard Rebmann, der für den Süddeutschen Verlag zuständige neue Geschäftsführer der SWMH, wolle das Projekt neu überdenken, da die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» sehr gut am Markt sei, heißt es in Unternehmenskreisen.
Erstaunlich offen denke Rebmann dagegen über ein Projekt nach, das bei den meisten seiner Verlegerkollegen akuten Angstschweiß auslöst: Bei neuen Produkten, zum Beispiel einer Gratiszeitung, könnten Süddeutsche und das SWMH-Stammblatt Stuttgarter Zeitung zusammenarbeiten, zitieren Insider den SWMH-Manager.

Wie heißt es doch so schön in der Pressemitteilung Nr. 97 des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung über die «Nationale Initiative Printmedien», die gestern feierlich begangen wurde:

Der Initiative geht es darum, Kindern und Jugendlichen den Wert von Zeitungen und Zeitschriften als politische Leitmedien zu vermitteln und das Bewusstsein für die Bedeutung einer freiheitlichen Medienordnung für die Demokratie zu wecken.

Die «SZ» selbst (S. 19) zitiert Kulturstaatsminister Bernd Neumann heute in einer kurzen Meldung übrigens mit dem Satz «Ich hoffe, dass wir diese Entwicklung bremsen können», der sich auf die Gratisblatt-Pläne der Post bezog.

Die «Berliner Zeitung» berichtet ausführlicher über die Zusammenkunft der Medienmacher und endet:

Einigkeit bestand aber letztlich darüber, dass es vor allem Medienkompetenz sei, die man jungen Menschen vermitteln wolle: die Fähigkeit, sich kritisch mit dem auseinanderzusetzen, was in den Medien steht – ob in der Zeitung oder im Internet.

So viele hehre Wünsche … (die auch im «Tagesspiegel» nachzulesen sind )


Altpapierkorb

Vielleicht eine gute Lektüre für die «Nationale Initiative Printmedien»: Stephan Russ-Mohl erklärt in der 'NZZ' , wie man in den USA der Zeitungskrise begegnen will, Entbündelung lautet das zentrale Stichwort. +++ Wovon man in Deutschland noch träumt: Die österreichische Post hat immerhin einen Pressesprecher – auch wenn der sich gerne etwas umständlich ausdrückt. Es gebe, so sagt er, «Gespräche, wie sich die Zukunft der BZ gestaltet. Es kann zu Verschiebungen der Eigentumsverhältnisse kommen.» Hintergrund: Die No. 2 der österreichischen Verlagsbranche, die Styria Medien AG, und die No. 3, die Moser Holding, wollen ihre Gratiszeitungen in einer gemeinsamen Holding zusammen und die «Wiener Bezirkzeitungen» (BZ) der Post gleich noch drauf legen. Denn «eine wesentliche Lücke klafft noch in der Gratis-Geographie der Regionalmedien Austria AG, die zu je 50 Prozent Styria und Moser gehören soll: Wien.» ( 'Standard' ) +++ Wer ebenfalls schon entlassen war und nun seine Rückkehr ankündigt, denn «Mich braucht das Land, und deswegen werdet Ihr mich nicht mehr los.»: Ex-Germany´s-Next-Topmodel-Teilnehmerin Gina-Lisa Lohfunk. ( Interview im «Tagesspiegel») +++ Und noch ein ewiger Wiederkehrer: Niels Ruf ist wieder da! Für die «FAZ» ein Grund, auf S. 38 die Geschichte der Late-Night-Show zu erzählen. Die «Berliner Zeitung» schreibt lieber ein Porträt des «sichtlich gereiften und irgendwie erwachsen» wirkenden Ex-Rüpels. +++ Und noch einmal die Post: Auf Druck der Politik habe «Zeit.de» die Zusammenarbeit mit der Journalistin Susanne Härpfer aufgekündigt, die kritisch über die Lockerung des Briefgeheimnisses durch die Deutsche Post berichtet hatte. Behauptet Burkhard Schröder bei 'Telepolis' . Und «Zeit.de» widerspricht vehement und glaubhaft. +++ Über eine «obskure neue Zeitung» in Berlin berichtet die 'FR' . +++ Wie auch über Wikipedias Suche nach Geldgebern, die teilweise bereits von Erfolg gekrönt war. +++ Hans Hoff war dabei, als in Köln die britische Version von «Schlag den Raab» aufgezeichnet wurde («SZ», S. 19). +++ Tilmann P. Gangloff spricht in der 'NZZ' hinsichtlich des TV-Serienmarktes von einer «Rückbesinnung auf einheimische Kost». +++ Derweil in derselben Zeitung die integrative Leistung der Medien in Sachen Problembär «JJ3» unter die Lupe genommen wird, um unter den Journalisten Modernisten und Romantiker auszumachen: «Die Perspektiven- und Meinungsvielfalt im Blätterwald scheint – zumindest in diesem Fall – gewährleistet.» +++ Zumindest in diesem Fall, genau! Denn woanders ist es anders – meint zumindest Oliver Gehrs, der sich die Nominierungen für den «G + J Photo Award» des Hauses Gruner und Jahr angesehen hat und dabei – Überraschung! – ausschließlich Gruner-und-Jahr-Produkte entdeckt hat.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Montag gegen 10.00 Uhr.

 
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