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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Mittwoch

02. Apr 2008 10:05, ergänzt 11:05
Womöglich wurden Stasiakten, die die
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Die Stasi-Überprüfung der «Berliner Zeitung» sorgt für Diskussionen, ein ARD-Spielfilm über Neonazis auch. Außerdem: Zwei Platzhirsche des Journalismus kooperieren doch nicht.

«Auf der Leserbriefseite der 'Berliner Zeitung' ist nachzulesen, welchen Schaden die Enthüllung, dass Redakteure der Zeitung Stasi-Informanten waren, angerichtet hat», schreibt Regina Mönch auf der «FAZ»-Medienseite 40.

Genau genommen ist's die Medienseite der «Berliner Zeitung», auf der gestern viele Leserbriefe zum Thema abgedruckt waren und auch heute wieder so viele stehen, dass sogar die beliebte Sudoku-Ecke weichen musste. (Moderne Zeitung, die sie ist, bietet die «Berliner» diesen spannenden user generated content inzwischen auch in einem eigenen Online-Angebot).

Außerdem enthält die heutige «Berliner»-Medienseite einen redaktionellen Beitrag in derselben eigenen Sache. Thomas Rogalla, Sprecher des Redaktionsausschusses, berichtet von der gestrigen Vollversammlung:
«Nach einer intensiven Debatte erklärte sich bei einer anonymen Abstimmung die große Mehrheit der bei der Vollversammlung anwesenden Redaktionsmitglieder grundsätzlich bereit, bei der Birthler-Behörde einen Antrag auf Aktenauskunft zu stellen. ... Letztlich stimmten bei dem Meinungsbild 85 der anwesenden Redaktionsmitglieder zu, einen Antrag bei der Birthler-Behörde zu stellen. Zwei Redakteure lehnten dies ab, zwei enthielten sich der Stimme».

Das kann man natürlich auch anders herum betrachten ('Tagesspiegel'):
«Der Redaktionsausschuss rief gestern in einer Vollversammlung die Redakteure dazu auf, ihre Akten bei der Birthler-Behörde anzufordern, damit sie auf eine mögliche Stasi-Verstrickung hin überprüft werden könnten. ... Doch als der Redaktionsausschuss gestern die Redakteure dazu aufrief, ihre Akten bei der Birthler-Behörde zu beantragen, sollen nicht alle Mitarbeiter zugestimmt haben. Einige sorgten sich um den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte, berichteten Kollegen».

Es wurde halt «im Plattenbau am Alexanderplatz stundenlang und in großer Runde gestritten - zur Klärung der Atmosphäre hat das wohl nur wenig beitragen können», fasst Constanze von Bullion in der «Süddeutschen» (S. 19) zusammen. Sie sprach auch mit dem Leitenden Redakteur Christian Bommarius, der «an den Selbstreinigungskräften der Redaktion» grundsätzlich zweifelt: «Die hätten sich schon in den entscheidenden ersten Jahren selten bemerkbar gemacht, als aus dem ehemaligen SED-Blatt eine demokratische Zeitung wurde». Bommarius spricht vom «Versagen der Anfangsphase».

Daher hat von Bullion auch «ehemalige Führungfiguren» des Verlags befragt. Erich Böhme, Herausgeber von 1990 bis '94, habe sich damals Debatten über die DDR-Vergangenheit der Redakteure «verbeten»: «Ich habe gesagt, ich schnüffle keinem hinterher. Ich habe erklärt, es wird hier freiheitlicher Journalismus gemacht, wer da nicht mitziehen kann, der kann gehen.»

Michael Maier, Chefredakteur 1996 bis '98 (und später lange Chefredakteur der Netzeitung, die seinerzeit nicht zum gleichen Konzern wie die «Berliner Zeitung» gehörte) sagte der «SZ», «es seien damals etwa 70 Leute ausgetauscht worden, wenn auch nicht unbedingt aufgrund von Stasi-Akten: 'Ich weiß noch, dass ich mit jedem dreimal geredet habe, sicher auch über die Vergangenheit', sagt er. Angeblich hat Thomas Leinkauf seine Stasi-Vergangenheit intern offenbart. Ob ihm gegenüber, konnte Maier Dienstag nicht sagen. Er müsse erst in seinen Unterlagen nachsehen.»

«Die Untersuchung damals war unvollständig. Und das Resultat ... uns allen nun auf die Füße. Das kann man auch nicht korrigieren», wird ein Redakteur in der 'taz' zitiert, die überdies bei Hubertus Knabe nachgefragt hat. Der Leiter der Gedenkstätte im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, in der «Berliner» mitunter auf befremdliche Weise angegriffen: «Es gebe neben den genannten Fällen auch zwei ehemalige Angehörige des Stasi-Wachregiments 'Feliks Dzierzynski', die regelmäßig in der 'Berliner Zeitung' über DDR-Themen berichteten».

Kleiner Ausblick in die Zukunft: Ende Mai könnte die Öffentlichkeit etwas schlauer sein. Dann soll die Überprüfung einer Stasi-Tätigkeit von Mitarbeitern beendet sein, hörte die «Märkische Oderzeitung» (derzeit nicht online, via 'berlinonline.de') vom chefredaktionell eingeschalteten Rechtsanwalt Johannes Weberling (von dem auch im o.g. «Tsp.»-Artikel die Rede war).

Was die allgemeine Medienzukunft betrifft, gibt's auch eine kleine Überraschung. Die «über Monate verhandelte» und erwartete Kooperation zwischen dem ZDF und der «auflagenstärksten überregionalen Qualitätszeitung», der «Süddeutschen», bei Bewegtbildern im Internet soll frisch «geplatzt» sein: «Nach 'taz'-Informationen hat der neue Besitzer der 'SZ', die Stuttgarter Südwestdeutsche Medienholding, den Stecker gezogen» und die «sehr langfristig auf Eis» gelegt.
ZDF-Intendant Markus Schächter ließ allerdings durchblicken, dass er «mehr als eine doppelte Handvoll» anderer Verlage an der Hand habe, die ihm schon gern Videobeiträge abnehmen würden.



Altpapierkorb

«Beispielhaft gutes Neonazi-Drama» (Eva Marz, «SZ»). «Das Erste sollte nicht müde werden, solche Filme zu zeigen» (Karen Krüger, «FAZ»). Es gibt einiges große Lob für den heutigen ARD-Fernsehfilm 'Brennendes Herz'. Es gibt aber auch scharfe Kritik («Alles soll vorkommen und die Liebe nicht zu kurz. ...eine Geschichte, die kein Mensch glauben kann», Judith von Sternburg, 'FR'). Recht haben sozusagen beide Seiten. Salomonisch (oder nathanisch, denn auf «Nathan der Weise» beruft sich der Film überflüssigerweise auch noch) urteilt Kerstin Decker ('Tagesspiegel') : «Wenn man von seiner Handlung absieht – ein durchaus bemerkenswerter, starker Film». Empfehlung der Netzeitung: Die erste Dreiviertelstunde lohnt das Anschauen sehr, dann sollte man recht dringend weg- oder ausschalten. +++ Überhaupt müssten Filmemachter aus dem Gehege der 90-Minüter ausbrechen. Zumindest möchte der designierte Co-Rekordgrimmepreisträger Dominik Graf «aus dem mir zugewiesenen Gehege des Neunzig-Minuten-Polizeifilms ausbrechen». Ein Interview im «Tagesspiegel». +++ Versaubeutelt der angeschlagene Kurt Beck jetzt auch seine Heimspiele auf den Mainzer Tagen der Fernsehkritik? Den Eindruck vermittelt die 'FAZ'. Wobei man im Hinterkopf behalten sollte, dass publizistische Kämpfe gegen die SPD-Medienpolitik, die SPD an sich und die sog. «elektronische Presse», die öffentlich-rechtliche Sender vermeintlich im Internet publizieren, zu den großen Leidenschaften der «FAZ»-Medienseite gehören. +++ Die «FR» steht der SPD naturgemäß etwas näher. Außerdem erfreute sich Daland Segler in Mainz am «höchst originellen Medienjournalisten» Stefan Niggemeier, aber auch an «abgebrühten Unterhaltungskämpen» wie Hans Janke. +++ Auf Christopher Keil («SZ», S. 19) machte indes der Premiere-Vorstandsvorsitzende Michael Börnicke «den Eindruck eines karnevalistischen Ehrenritters». Die in Mainz geführte Diskussion über Fernseh-Fußballrechte habe unter dem Problem gelitten, dass es «nichts, worüber diese Männer offen und direkt hätten plaudern können», gab, da das Bundeskartellamt einstweilen alle Entscheidungen verzögert. +++ Den aktuellen Stand dieser «Hängepartie» erläutert die 'FTD'. +++ Wird die laufende Finanzkrise die Medienbranche verschonen? Aber nein ('Handelsblatt'). +++ Im Kinderkanal der Hamas sah Jörg Bremer ('FAZ'), wie «die Puppe eines palästinensischen Waisenkindes die Puppe von Präsident Bush» erstach. +++ Und in der «FR» vergleicht Moritz Kleine-Brockhoff die neue «Playboy»-Lizenzausgabe auf den Philippinen («Es wird keine volle, frontale Nacktheit geben», so der Chefredakteur, aber «vorne vielleicht einen Nippel») mit der indonesischen.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 10.00 Uhr.

 
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