Interesse erregt aber vor allem die von der Verlagsgruppe Holtzbrinck schon früh
angekündigte «neue Informationslogik». Das bedeutet, «dass die Nutzer selbst über die Relevanz der Themen mitbestimmen.
Blaue Punkte, die von der Redaktion vergeben werden, stellen die Aktualität dar,
grüne Punkte den Grad des Nutzerinteresses. Nach einem festgelegten Verfahren wird damit eine Gesamtpunktzahl errechnet, die über die Platzierung der jeweiligen Nachricht entscheidet» («SZ», S. 17).
Die «taz» ließ sich den «Algorithmus aus Aktualitäts- und Interessenwert» von Geschäftsführer Peter Neumann näher erläutern und meint: «Der Leser sagt also, was ihn interessiert, und die Redaktion sagt, was ihn aktuell interessieren müsste. Was der User will, soll er kriegen. Das ist innovativ für ein Nachrichtenmagazin - und gewagt.»
«Bild»-Zeitung heute:
«Riesenerfolg» für
Harald Schmidt! Im ZDF-«Traumschiff»!
Fortsetzung droht! +++ Neues von der «Berliner Zeitung». Für die «SZ» (S. 14) verfasste
Claus Heinrich Meyer eine hochfeuilletonistische Miniatur unter dem Titel
«Der Tod der 'Berliner Zeitung'»:
«Die 'Berliner Zeitung' ist lesenswert, anregend bis auf den heutigen Tag. Betonung auf dem heutigen Tag. Ja, es sollte Leser schon etwas angehen, wenn eine klassische Zeitung, ein Stück des viel beschworenen Gegenfernsehens, zu einer gewöhnlichen Ware degradiert und zu Grabe getragen wird». +++ Drei Seiten dahinter (Medienseite 17) wird vermeldet, dass Mecom-Chef
David Montgomery «nun die Wogen glätten» wolle: Er wird «möglicherweise schon in der kommenden Woche nach Berlin kommen und sich mit der Redaktion und den Beteiligten
zusammensetzen». +++ Die
'taz' beschreibt «die Stimmung zum Wochenanfang» als «zurückhaltend-sachlich», zumal nämlich Montgomerys Mecom «im Frühjahr eine Art
erneuten Börsengang» in London plant. +++ Am heutigen Tag auf der
'Berliner'-Medienseite: wie Wirtschafts- und Sonntagszeitungen über den
Steuer-Skandal berichten, nämlich «ganz im Sinne eines
serviceorientierten Journalismus» für Leser, die auch gern Steuern vermeiden. +++ Steuerhinterziehung
verjährt nach zehn Jahren, nicht aber die
rückwirkende GEZ-Gebühren-Pflicht für Autohändler, die womöglich Autos mit eingebautem Radio im Angebot haben («FAZ»,
'FR'). +++ Im
Kosovo zahlt man nur
3,50 Euro Rundfunkgebühren pro Monat, die «mit der Stromrechnung erhoben» werden. Bzw.: «Angesichts einer Arbeitslosenrate von geschätzten 50 Prozent ist es mit der Zahlungsmoral nicht weit her», und das ist nur eines der Probleme für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dort. Denn «mit dem Umbau ehemaliger Staatsmedien zu politisch und finanziell unabhängigen öffentlich-rechtlichen Anstalten» hat es keine Regierung auf dem Balkan eilig gehabt. «Nicht zuletzt beeinflusst von amerikanischer Seite, die nur private Medien unterstützt sehen will, während EU-Staaten sich beim erhofften Demokratisierungsprozess mehr vom vertrauten dualen System versprechen».
Peter Miroschnikoff, lange für die ARD in Südosteuropa unterwegs, informiert in der «FAZ» und etwas kürzer, aber frei online, im
'Tagesspiegel' über die Lage des Rundfunks im jüngsten Staat, um den Europa bereichert wurde. +++ Wenn die «SZ» (S. 17) beklagt, «das amerikanische Fernsehen schafft inhaltlich den Anschluss an die Jugendkultur - aber nicht strukturell», so meint sie, dass in Zeiten, da die Bush-Regierung
sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe propagiert, «nur ein Bruchteil der amerikanischen Jugendlichen ausreichend aufgeklärt» ist und in Serien wie «Pushing Daisies» (ABC) auch nicht mehr erfährt. +++ Wenn
deutsche Drehbuchautoren streiken wollen würden wie ihre US-Kollgegen, dann «gäbe es gleich fünf andere, die mit Begeisterung 'Hier!' riefen», sagt
Felix Huby. Daher tun sie's nicht, sondern klagen nur in der
'FR' ein bisschen. +++ Gar nicht so übel von deutschen Drehbuchautoren erdacht:
«Die Hitzewelle» heute auf Sat.1. Das «lappt bei aller Pulstreiberei nicht rüber in die Spezialeffektehuberei des Katastrophenfilms»
('Tsp.'). Siehe auch
'Berliner' (über
Susanna Simon, die «alles, was vor ihre großen Augen kommt, wegspielt»),
'FR'. +++ Was die ARD-Intendanten derzeit in Berlin besprechen
('Hamburger Abendblatt'). +++ «Aber dann, als fast alles schon gelaufen war (überdies mehr als passabel), gab der Moderator»
Mike Naumann, dem gerade wegen seines Hamburger Wahlkampfs aussetzenden «Zeit»-Herausgeber, «noch die Gelegenheit zu einem Statement ganz ohne thematische
Schnürbrust - Naumann durfte, kurzum, eine kleine Wahlrede in eigener Sache halten. Und just in diesem Augenblick wollte gar nichts mehr gelingen...»
('FAZ' über das TV-Duell der Kandidaten). +++
Theaterkanal-Skandal? Beim
Verfilmen des 'Werther' im spätbarocken Jagdhaus des Herzogs
Carl August, in dem auch «
Goethe oft Gast» war, ließ die Produktionsfirma Teamworx «eines der in grüner Farbe gehaltenen Zimmer für den Dreh braun» übermalen
('FAZ'). +++
Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10.00 Uhr.