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netzeitung.deAltpapier vom Dienstag

 Herausgeber: netzeitung.de

Uli Wickert ist Herausgeber eines Portals für Studenten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Uli Wickert ist Herausgeber eines Portals für Studenten
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Internet für «die Generation von heute»: Uli Wickert als Herausgeber. Außerdem: die Angst der «Bild»-Zeitung vor dem ihr gewidmeten Blog.

Oben in der Kopfzeile trendgerechtes Grün, darunter viel Grau sowie Ulrich Wickert in Pullis von völlig unterschiedlicher Farbe, mal braun («Wollen wir doch mal Klartext sprechen»), mal rot: Hier macht der Co-Herausgeber des neuen Holtzbrinck-Nachrichtenportals für «die Generation von heute» (Wickert) die Nutzerschar mit dem «ersten echten Internet-Nachrichtenportal» und dessen «neuer, junger und frischer Optik» vertraut.

Man hat Wickert offenbar gesagt, dass es sinnvoll ist, in der 2. Person Plural duzend «auf Studentenjagd» ('Focus.de') zu gehen. Dieser «kumpelige Tonfall» stößt der 'taz', die heute die ausführlichste «zoomer»-Besprechung bietet, auf.

Interesse erregt aber vor allem die von der Verlagsgruppe Holtzbrinck schon früh angekündigte «neue Informationslogik». Das bedeutet, «dass die Nutzer selbst über die Relevanz der Themen mitbestimmen. Blaue Punkte, die von der Redaktion vergeben werden, stellen die Aktualität dar, grüne Punkte den Grad des Nutzerinteresses. Nach einem festgelegten Verfahren wird damit eine Gesamtpunktzahl errechnet, die über die Platzierung der jeweiligen Nachricht entscheidet» («SZ», S. 17).

Die «taz» ließ sich den «Algorithmus aus Aktualitäts- und Interessenwert» von Geschäftsführer Peter Neumann näher erläutern und meint: «Der Leser sagt also, was ihn interessiert, und die Redaktion sagt, was ihn aktuell interessieren müsste. Was der User will, soll er kriegen. Das ist innovativ für ein Nachrichtenmagazin - und gewagt.»

Konkret bedeutete das fürs gestrige Debüt, dass trotz Herausgeber Wickerts Engagement für Klartext im Umgang mit der Liechtensteiner Steueraffäre die «Germany's Next Topmodel»-Teilnehmerin Fiona Erdmann mit ihrer Videokolumne 'Van der Vaart soll ganz schnell gesund werden' stärker polarisierte. Das berichtet der 'Tagesspiegel', sozusagen die papierene «Zoomer»-Mutter, und weist darauf zugleich hin, dass eben dieses Problem, thematisiert vom User «kacktusse», auch selbst auf «zoomer.de» diskutiert wurde.
So also funktioniert das Prinzip: Alles, was irgendwelche Reaktionen auslöst, ist gewünscht.

Auf noch eine interessante Innovation weist das 'Handelsblatt' (erscheint ebenfalls in der «Zoomer»-Verlagsgruppe Holtzbrinck) hin: «Faktisch wird somit das, was Online-Redaktionen gemeinhin tun, ansatzweise automatisiert».

Auch sonst setzt das Internet weiterhin verblüffende Reaktionen frei. Zum Beispiel beim Springer-Verlag. Die 'taz' hat 'bildblog.de' entnommen, dass der Konzern gegen die «Flut» von zwölf Beschwerden des Blogs über die «Bild»-Zeitung beim Presserat binnen dreieinhalb Jahren einschreiten möchte, und zwar mit dem Argument, es handele sich dabei um «kommerzielle, also sachfremd motivierte Beschwerden».

Die «taz» erinnert an die relativ bekannteste Presserats-Rüge gegen die «Bild»-Zeitung (bekannt aus der «Bild»-Zeitung: «Irre! Presserat rügt BILD wegen dieses Brandstifters», siehe presserat.de) und kommt zu folgendem Schluss: «Was aber reitet Bild zu derlei Attacken gegen ein kleines Blog und die deutsche Presseselbstkontrolle? Bild hat offenbar irgendwie Angst. Lustig!»

Ebenfalls interessant: Der Bildblogger Stefan Niggemeier ist bekanntlich überhaupt kein Fan des Presserats, dieses «zahnlosen Tigers». Das könnte die Sache, wenn der Rat entscheidet, recht spannend machen.


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«Bild»-Zeitung heute: «Riesenerfolg» für Harald Schmidt! Im ZDF-«Traumschiff»! Fortsetzung droht! +++ Neues von der «Berliner Zeitung». Für die «SZ» (S. 14) verfasste Claus Heinrich Meyer eine hochfeuilletonistische Miniatur unter dem Titel «Der Tod der 'Berliner Zeitung'»: «Die 'Berliner Zeitung' ist lesenswert, anregend bis auf den heutigen Tag. Betonung auf dem heutigen Tag. Ja, es sollte Leser schon etwas angehen, wenn eine klassische Zeitung, ein Stück des viel beschworenen Gegenfernsehens, zu einer gewöhnlichen Ware degradiert und zu Grabe getragen wird». +++ Drei Seiten dahinter (Medienseite 17) wird vermeldet, dass Mecom-Chef David Montgomery «nun die Wogen glätten» wolle: Er wird «möglicherweise schon in der kommenden Woche nach Berlin kommen und sich mit der Redaktion und den Beteiligten zusammensetzen». +++ Die 'taz' beschreibt «die Stimmung zum Wochenanfang» als «zurückhaltend-sachlich», zumal nämlich Montgomerys Mecom «im Frühjahr eine Art erneuten Börsengang» in London plant. +++ Am heutigen Tag auf der 'Berliner'-Medienseite: wie Wirtschafts- und Sonntagszeitungen über den Steuer-Skandal berichten, nämlich «ganz im Sinne eines serviceorientierten Journalismus» für Leser, die auch gern Steuern vermeiden. +++ Steuerhinterziehung verjährt nach zehn Jahren, nicht aber die rückwirkende GEZ-Gebühren-Pflicht für Autohändler, die womöglich Autos mit eingebautem Radio im Angebot haben («FAZ», 'FR'). +++ Im Kosovo zahlt man nur 3,50 Euro Rundfunkgebühren pro Monat, die «mit der Stromrechnung erhoben» werden. Bzw.: «Angesichts einer Arbeitslosenrate von geschätzten 50 Prozent ist es mit der Zahlungsmoral nicht weit her», und das ist nur eines der Probleme für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dort. Denn «mit dem Umbau ehemaliger Staatsmedien zu politisch und finanziell unabhängigen öffentlich-rechtlichen Anstalten» hat es keine Regierung auf dem Balkan eilig gehabt. «Nicht zuletzt beeinflusst von amerikanischer Seite, die nur private Medien unterstützt sehen will, während EU-Staaten sich beim erhofften Demokratisierungsprozess mehr vom vertrauten dualen System versprechen». Peter Miroschnikoff, lange für die ARD in Südosteuropa unterwegs, informiert in der «FAZ» und etwas kürzer, aber frei online, im 'Tagesspiegel' über die Lage des Rundfunks im jüngsten Staat, um den Europa bereichert wurde. +++ Wenn die «SZ» (S. 17) beklagt, «das amerikanische Fernsehen schafft inhaltlich den Anschluss an die Jugendkultur - aber nicht strukturell», so meint sie, dass in Zeiten, da die Bush-Regierung sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe propagiert, «nur ein Bruchteil der amerikanischen Jugendlichen ausreichend aufgeklärt» ist und in Serien wie «Pushing Daisies» (ABC) auch nicht mehr erfährt. +++ Wenn deutsche Drehbuchautoren streiken wollen würden wie ihre US-Kollgegen, dann «gäbe es gleich fünf andere, die mit Begeisterung 'Hier!' riefen», sagt Felix Huby. Daher tun sie's nicht, sondern klagen nur in der 'FR' ein bisschen. +++ Gar nicht so übel von deutschen Drehbuchautoren erdacht: «Die Hitzewelle» heute auf Sat.1. Das «lappt bei aller Pulstreiberei nicht rüber in die Spezialeffektehuberei des Katastrophenfilms» ('Tsp.'). Siehe auch 'Berliner' (über Susanna Simon, die «alles, was vor ihre großen Augen kommt, wegspielt»), 'FR'. +++ Was die ARD-Intendanten derzeit in Berlin besprechen ('Hamburger Abendblatt'). +++ «Aber dann, als fast alles schon gelaufen war (überdies mehr als passabel), gab der Moderator» Mike Naumann, dem gerade wegen seines Hamburger Wahlkampfs aussetzenden «Zeit»-Herausgeber, «noch die Gelegenheit zu einem Statement ganz ohne thematische Schnürbrust - Naumann durfte, kurzum, eine kleine Wahlrede in eigener Sache halten. Und just in diesem Augenblick wollte gar nichts mehr gelingen...» ('FAZ' über das TV-Duell der Kandidaten). +++ Theaterkanal-Skandal? Beim Verfilmen des 'Werther' im spätbarocken Jagdhaus des Herzogs Carl August, in dem auch «Goethe oft Gast» war, ließ die Produktionsfirma Teamworx «eines der in grüner Farbe gehaltenen Zimmer für den Dreh braun» übermalen ('FAZ'). +++

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10.00 Uhr.


Für das Web ediert von Christian Bartels