Altpapier vom Montag11. Feb 2008 10:00, ergänzt 11:24  |  Schreibt keine Hausmitteilung mehr: Stefan Aust | Foto: dpa |
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Neue Chefredakteure, neues Kabel1, neue Verträge für Drehbuchautoren, neues Deutschland
Fast schon ein Grund, nervös zu werden bei «Europas auflagenstärkstem Nachrichtenmagazin» (Selbstbeschreibung): Nahezu überall lobt man plötzlich den «Spiegel», der heute erstmals seit etwas mehr als 13 Jahren ohne die Hilfe von Stefan Aust erscheint. Nachdem Aust am Dienstag
überraschend
abberufen und freigestellt worden war, traten noch am selben Tag Georg Mascolo (Leiter des Hauptstadtbüros) und Mathias Müller von Blumencron (Spiegel-Online-Chef) dessen Nachfolge an. Nun scheint die Zeit des Großreinemachens im Gewissen gekommen: «In der Findungsphase und bei den Umständen der Beurlaubung von Chefredakteur Stefan Aust, 61, hat der SPIEGEL nicht immer geschickt agiert – das hätten wir besser machen können», heißt es in der ersten Hausmitteilung post Aust, die die FAZ (S. 38) «ausgesprochen uneitel und diplomatisch» nennt. «Selbstkritik ist nun auch offiziell öffentlich möglich»,
lobt
die «taz».Nun ja: Den Hinweis, wie sehr dies Chefredakteurs-Karussell ganz Europa bewegt hat, konnte sich der «Spiegel» natürlich keinesfalls verkneifen: «Selbst dem britischen 'Economist' war die Hamburger Personalie einen Bericht wert», berichtet die Hausmitteilung deshalb stolz und vor allen Entschuldigungen, Danksagungen und Berichten über Zukunftspläne (Weiterentwicklung und Modernisierung des Nachrichtenmagazins, Intensivierung der Zusammenarbeit mit «den Kollegen von SPIEGEL ONLINE»).
Etwas mehr als nur eine Hausmitteilungs-Stilkritik unternimmt die «Berliner Zeitung»: «Viel Zeit, dem aktuellen Heft ihre Handschrift zu verpassen, blieb den beiden indes nicht, und deshalb sucht man nach deutlichen Zeichen ihres Wirkens auch noch vergeblich. Künftig soll das anders werden»,
weiß
sie und entdeckt den Teufel der neuen Doppelspitze im Detail: «Im Impressum des Heftes gibt es aber auch einen Hinweis auf eine Rangordnung. Dort wird Georg Mascolo als erster geführt, hinter seinem Namen steht das Kürzel v.i.s.d.p., was so viel heißt, dass er für den Inhalt des Blattes verantwortlich ist.»
Über neue Verträge können sich angeblich auch Hollywoods Drehbuchautoren freuen – berichtet die gesamte Zeitungslandschaft von
'FTD'
bis
'NZZ'
, von
'Standard'
über
'Spiegel Online'
bis
'Welt'
. Allerdings lesen sich die Artikel allesamt recht identisch, am Ende heißt es immer wieder so oder so ähnlich: «Über das am 2. Februar erzielte Verhandlungsergebnis wurde eine Nachrichtensperre verhängt, die auch nach der Versammlung am Samstag nicht aufgehoben wurde.» Nichts Gewisses weiß man also immer noch nicht.
Auch der Sender Kabel1 strengt offenbar einen Neuanfang an, das Budget sei «im zweistelligen Millionenbereich aufgestockt worden»,
berichtet die
«FAZ»
und urteilt: «Alles sieht so aus, als mache Kabel eins gerade die Emanzipation durch, die Pro Sieben vor zehn Jahren geschafft hat.»
Wie Deutschland seinen eigenen Neuanfang erlebte, will eine vierteilige ARD-Doku-Serie namens «Damals nach dem Krieg» klären, scheitert dabei aber offensichtlich gründlich: Die
'FR'
kritisiert die Weichzeichner-Effekte, die den «Erkenntnisgewinn gleich null» setzten, die
'Berliner Zeitung'
hat «Fehler im Detail» gefunden, der
'Tagesspiegel'
stößt sich am «verschwörerischen Tonfall».
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Noch mehr neu: Die «SZ» (S.15)
porträtiert den neuen Indendanten des NDR, Lutz Marmor, denn: «Mehr ARD kann man nicht an und in sich haben» +++ Das «Hamburger Abendblatt»
spricht
derweil mit dem neuen Programmdirektor des NDR-Hörfunks, Joachim Knuth +++
«Kölner Stadtanzeiger»
und
«Standard»
berichten über den Streit zwischen RTL2 und RTL: RTL2 sehe sich durch kartellrechtswidrige Vereinbarungen der beiden großen Privatsender bei der Vermarktung von Werbezeiten geschädigt und erwäge eine Klage +++ Das «Duell des Jahres» hat der «Tagesspiegel»
ausgemacht
, es wird seiner Meinung nach zwischen Facebook und StudVZ stattfinden (als erwählter Ort ist das Internet anzunehmen, die Waffen nennen sich «Gruscheln» bzw. «Karrierenetzwerken») +++ Yahoo neigt offenbar zum Pokern, jedenfalls wissen
«SZ»
,
«FTD»
und
«Handelsblatt»
, dass das Unternehmen geneigt scheint, das 44-Milliarden-Angebot von Microsoft abzulehnen +++ Im «Spiegel» weiß Henryk M. Broder derweil
gar nicht, was alle an «DSDS» so schlimm finden (S. 80ff): «Wenn Kurt Beck Bundeskanzler werden möchte, kann man es dann dem 24-jährigen Politologiestudenten Oliver verübeln, dass er von einer Karriere als Superstar träumt?» +++ Im «Focus» darf sich ein Fernsehmacher mal wieder übers Fernsehen
erregen (S. 124f), «die Angst wächst», meint Michael Kessler (von der Grimme-Preis-nominierten Sendung «Switch reloaded»), «die Menschen interessieren sich einfach nicht mehr fürs Fernsehen.» +++ Dafür umso mehr für den Computer hat die «FTD» erkannt und
warnt
eindrücklich vor solch «verlorenen Zeiten» +++ Die «Zeit» lud ihren Herausgeber Michael Naumann zur Diskussion, die «taz» war dabei und
weiß
, ob auch dies verlorene Zeit war.Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Dienstag gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Katrin Schuster |