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Aust hat «Spiegel»-Redaktion verlassen

05. Feb 2008 16:54, ergänzt 17:15
Stefan Aust muss 'Den Spiegel' sofort verlassen
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Die Doppelspitze der Redaktion des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» tritt ab sofort in Aktion. Der bisherige Chefredakteur Aust wurde überraschend freigestellt.

Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» wird seit Dienstag von der erwarteten Doppelspitze aus Mathias Müller von Blumencron (47) und Georg Mascolo (43) geführt. Sie lösten Stefan Aust (61) ab, der nach einer Mitteilung des Spiegel-Verlags am selben Tag abberufen und freigestellt wurde. Diese Entscheidungen trafen die Gesellschafter des Verlags: die Mitarbeiter KG (Anteil: 50,5 Prozent), der Verlag Gruner + Jahr (25,5 Prozent) und die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein (24 Prozent).

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  • Im November wurden zunächst verschiedene Namen gehandelt, darunter der Chef der «Frankfurter Rundschau», Uwe Vorkötter, und «Zeit»-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Wunschkandidat der Gesellschafter wurde schließlich der Moderator des «heute journals», Claus Kleber. Doch der entschied sich letztlich, beim ZDF zu bleiben. Schon damals war geplant, Müller von Blumencron zum stellvertretenden Chefredakteur zu machen. Nun tritt er mit Mascolo sogar an die Spitze.

    Mascolo ist bekannt für gute Recherchen

    Für Müller von Blumencron spricht, dass er «Spiegel Online» zum erfolgreichsten Nachrichtenportal in Deutschland ausgebaut hat, das inzwischen im Gegensatz zu vielen Konkurrenten sogar schwarze Zahlen schreibt. Das nötige Gespür für gute Themen, die sich am Kiosk gut verkaufen, trauen die Gesellschafter ihm offenbar zu. «Die Regeln des Journalismus sind die gleichen, ob sie online arbeiten oder print. Sie müssen gut recherchieren, sie müssen gut schreiben. Sie müssen gute Themen haben und die Leser einfangen», sagte Müller von Blumencron im vergangenen Jahr in einem Interview. Kritisiert wird «Spiegel Online» allerdings für einen angeblichen Hang zum Boulevard, der die Marke «Spiegel» im Netz belaste.

    Einen Ausgleich könnte Georg Mascolo schaffen, der als herausragender Rechercheur gilt. Mascolo war erst im Juni vergangenen Jahres von seinem Posten als Washington-Korrespondent in die Leitung des Berliner Hauptstadt-Büros gewechselt. Einen Namen machte sich Mascolo unter anderem mit seiner Berichterstattung über den Bundesnachrichtendienst und dessen Verstrickung in verschiedene Skandale wie die 1995 bekannt gewordene «Plutonium-Affäre». Damit steht Mascolo für einen investigativen Journalismus.

    Kritik an Austs Führungsstil

    Armin Mahler, Vorsitzender der Mitarbeiter KG, sagte am Dienstag, Müler von Blumencron und Mascolo hätten im Verlag bereits Kreativität und Führungsstärke bewiesen, beide stünden aber auch für die «klassischen 'Spiegel'-Tugenden».

    Von «Spiegel»-Gründer Augstein ist das Zitat überliefert, der «Spiegel» sei «im Zweifel links». Kritiker des «Spiegel» bemängelten zuletzt jedoch, das Magazin verfolge keine eigene Haltung mehr und sei zu beliebig geworden. Beklagt wurden unter anderem eine «neoliberale Wirtschaftsberichterstattung» und eine angebliche Kampagne gegen die rot-grüne Bundesregierung. Beides wurde auch an der Person Austs festgemacht, der zudem einen sehr autokratischen Führungsstil gepflegt haben soll.

    Die Erfolge des nun Abgelösten sind jedoch unbestritten. Seit Dezember 1994 leitet er den «Spiegel» und hat die Auflage des Magazins stets bei über einer Millionen Exemplare gehalten. Der «Spiegel» ist mit einer Million Exemplaren momentan das meist verkaufte aktuelle Magazin in Deutschland. Der Spiegel-Verlag teilte am Dienstag mit, es sei maßgeblich Austs Verdienst, dass der «Spiegel» in einem hart umkämpften Zeitschriftenmarkt Deutschlands bedeutendstes und Europas auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin sei. (Von Henrik Schmitz, epd/dpa)

     
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