Die gedruckten Zeitungen fassen die Nachrichtenlage incl. des gewohnt staatstragenden
Statements von NDR-Chefredakteur
Volker Herres nüchtern zusammen (frei online:
'taz', 'KStA'). Auch
'Welt Online' zitiert aus einem (derzeit nicht online verfügbaren) Deutschlandfunk-Interview mit der Regisseurin und Drehbuchautorin
Angelina Maccarone: «Sie habe
extra nach einem Fall gesucht, der in jeder Familie vorkommen könnte und wollte nicht erneut einen Fall von 'Ehrenmord' erzählen, der Vorurteile zementiert hätte».
Im Namen der Partizipation bietet «Welt Online» gleich daneben Gelegenheit zum beliebten Online-Voting (u.a.:
«Der 'Tatort' über die Aleviten war nicht differnziert genug»/ «Die Folge war gut, die Aufregung überzogen» ...)
Das vorweihnachtliche
Altpapier-Topthema war der
überraschend rasch über die Bühne gegangene Verkauf des Süddeutschen Verlags. Heute fasst die
'Financial Times Deutschland' die Lage zusammen: «Am Ende ist die Entscheidung vor allem: eine Entscheidung», die dem insgesamt
ca. eine Milliarde Euro schweren Süddeutschen Verlag zumindest wieder «Handlungsfähigkeit» verschafft.
Spannung hinsichtlich künftiger Entscheidungen der «chronisch verschwiegenen» Südwestdeutschen Medienholding weckt die «FTD» aber auch: «Der hohe Kaufpreis ist nur durch Synergien zu rechtfertigen», raunen anonyme Branchenkenner bereits.
Was macht eigentlich
Andrea Kiewel, die durch ihre Figur sowie Schleichwerbevorwürfe kurz vor Weihnachten gerade erst so richtig bekannt gewordene Entertainerin? Gemeinsam mit Künstlern wie
Nina Hagen, Kai Pflaume und
«Toni (10), dem kleinen Topstar der Volksmusik», testet sie
im sog. Ersten unter
Jörg Pilawas Leitung «die
Märchentauglichkeit der Nation» aus. +++
«Viele Entscheidungsträger innerhalb der ARD sind nicht erfreut über fünf verschiedene Anfangszeiten. Verbunden mit Unpünktlichkeit macht das den Zuschauer orientierungslos und vermittelt ihm zudem den Eindruck, der ARD seien die 'Tagesthemen' nicht so wichtig. Wir hoffen jetzt auf Konsequenzen. ... Bei einheitlichen Anfangszeiten rechnen wir wieder mit einer stabilen Quote»: Caren Miosga im
Interview der «Berliner Zeitung», kurz vor dem
30. Geburtstag der «Tagesthemen» und noch kürzer vor dem ARD-Jahresrückblick, den Miosga heut abend nach Pilawa sendet. +++ Neues aus der wunderbaren Welt der oft so schwer nachvollziehbaren
Hamburger Medienjustiz: Drei Sätze des Freiburger Buchautors
Jürgen Grässlin in einem TV-Interview im Juli 2005 seien «zu persönlich ausgefallen». Daher hat Grässlin einen Prozess vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht gegen den früheren Daimler-Chef
Jürgen Schrempp verloren. «Die genauen Aussagen wurden vom Gericht untersagt und dürfen auch hier
nicht zitiert werden»
('Frankfurter Rundschau'). +++ Hingegen konnte
Peter Scheibe Wiglaf Drostes Gedicht «In Deutschland ist alles aus
Marzipan / Vor allem die Literatur. / Das hat ihr der Günter Grass angetan» vor der Unterlassung retten.
Wie, das erzählt der «taz»-Justiziar in seinen jährlichen «Einblicken in die Abgründe des Presserechts». +++ Einer Podiumsdiskussion über die Rolle der Medien vor den heute anstehenden Präsidentschaftswahlen in Kenia wohnte die
'FR' bei. +++ Vielerlei Personalien gibt es im Hause «WAZ» zu vermelden. So wird im Laufe des nächsten Jahres
Christian Nienhaus, «der sich für 'Bild' die 'Volksbibel' ausdachte», vom Springer-Verlag kommen und «wohl ein paar Ideen mitbringen». «Trotzdem wird die WAZ-Mediengruppe der spitz rechnende Gemischtwarenladen bleiben», meint die «SZ» und zitiert einen frustrierten Satz
Bodo Hombachs: «Die Treue der Abonnenten reicht nur noch bis zur
nächsten Kaffeemaschine». +++ Unklar ist, ob es sich beim
Abo-Weihnachtsmann von der
'WAZ'-Aboseite um Hombach persönlich handelt. +++ Die «FAZ»-Medienseite 36 bringt einen «Nachtrag zur Geschichte von
Ahmed Jimale», des somalischen Ex-Stringers für die ARD, die sie
im November ausführlich erzählte. «Einige Korrespondenten, mit denen Jimale in Somalia zusammenarbeitete, sind der Auffassung, zuverlässige Stringer wie ihn müsse man möglichst permanent binden. ... Die aktuelle Eskalation ... gibt diesem Standpunkt recht: Kaum ein westlicher Korrespondent will sich selbst der
Lebensgefahr in Mogadischu aussetzen. Kompetente Stringer sind das Nonplusultra», schreibt
Lutz Mükke. +++ Außerdem geht's um die Frage, ob der fortgesetzte Autorenstreik in den USA das deutsche Fernsehen berühren wird. Da es ProSieben schon mal schaffte, die Serie «Lost» «nach dem Start im Frühjahr einfach mitten in der Staffel zu unterbrechen - wegen Sommerpause» und das deutsche Publikum durch einen der üblichen Cliffhanger «mehrere Monate lang auf die
Folter spannen» zu wollen, «kann eigentlich auch ein streikbedingter Ausfall nicht mehr viel Schaden anrichten». +++ Als die ARD den
Cary Grant-Film «Hausboot» in der Nacht zum zweiten Weihnachtstag zeigte, «da lief er beim RBB schon seit einer Viertelstunde»
('Tsp.'). +++
«'Emma' ohne Schwarzer ist wie Britney Spears mit Höschen» - nur eine von 100en
Pointen, die
Else Buschheuer im «Tagesspiegel»-Interview
abfeuert, als würde sie sich für die Leitung eines satirischen Jahresrückblicks bewerben.
Der Altpapierkorb füllt sich am Freitag wieder gegen 10.00 Uhr.