Altpapier von Heiligabend24. Dez 2007 10:29, ergänzt 11:31  |  Die große "SZ" gehört nun zum Verlag der kleinen "SZ" aus Stuttgart. | Foto: dpa |
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Ein neuer Zeitungsriese ist geboren: Die für ihre Sparsamkeit berühmte SWMH kauft die «SZ», erste Reaktionen: Überraschung und Sorge.
«Etwa 600 Mio. Euro»
('ftd.de')
oder doch eine ganze «Milliarde»
('Focus Online')
- über den Kaufpreis, den die Südwestdeutsche Medienholding SWMH für den Süddeutschen Verlag zahlen wird, kursieren unterschiedliche Zahlen. Ob nun am Ende die eine oder andere hundert Mio. Euro mehr oder weniger verteilt werden müssen, ist jedoch eine Sorge allein der betroffenen Familienstämme.
Von «mehr als 620 Millionen Euro» spricht an diesem Montag das «FAZ»-Wirtschaftsressort (S. 17), das auch die Vorgänge, die zum überraschend schnellen Verkauf der «Süddeutschen»
(hier die dürre Meldung
in eigener Sache) führten, mit Hilfe anonymer Beobachter multiperspektivisch beleuchtet:«Übereinstimmend heißt es, die Familie Schwingenstein habe den Ausschlag gegeben. Ein Beobachter bezeichnet dies als Einknicken vor der SWMH, mit dem die Schwingensteins drei der vier anderen Familien brüskiert und verärgert hätten. Ein anderer Beteiligter formuliert es anders: Die Schwingensteins seien als Erste auf das Angebot der SWMH eingegangen. Wegen des guten Preises und günstigen Zeitpunkts seien die anderen zu einem Kompromiss bereit gewesen, auch wenn die Vorstellungen über Preis, Käufer und Gestaltung des Angebots bis zuletzt unterschiedlich gewesen seien. 'Am Ende gibt es aber mehr glückliche als unglückliche Leute.'»
Jedenfalls begrüßen wir im «für seine Sparsamkeit berüchtigten Vier-Buchstaben-Konzern»
('FAS'),
den die «taz» mit auch dem nicht leicht zu erringenden Titel «Deutschlands komplexestes Medienhaus» adelt (von der «FAS» wiederum
graphisch
aufbereitet), einen «neuen Zeitungsriesen»
('Handelsblatt'/ Sa.)
in Deutschland.
Reaktionen aus den betroffenen Redaktionen: Von «Überraschung» in der «SZ»-Redaktion hörte der
'Tagesspiegel'/ Sa.:
«Ein Mitarbeiter sagte, es sei von Vorteil, dass die SWMH als neuer Mehrheitsbesitzer das Haus bereits kenne. Zudem sei man lieber 'die Premiummarke' in der SWMH als nur ein Blatt unter anderen».
Exakt denselben Gedanken teilt man auf der anderen, südwestlichen Seite des Hauses, bei der bisherigen SWMH-Premiummarke, bloß andersherum: «Das ist für uns richtig Scheiße», ließ sich die heute beim Berichten aus dem Südwesten führende
'taz'
von einem Redakteur der «Stuttgarter Zeitung» sagen.«Verlagsbereiche wie Anzeigen und Vertrieb», aber auch das Korrespondentennetz böten «Ansätze für Kooperationen», ergo: Einsparungen. «Bis auf den Wirtschaftsteil, wo die Stuttgarter SZ etwas neoliberaler daherkommt als ihre neue große Schwester, die Münchner SZ, 'verfolgen wir ja grob dieselbe publizistische Richtung'».
Hinzu zur neuen Sorge kommen bereits bekannte Veränderungen, die im unmittelbaren Südwesten aber just jetzt wirksam werden: die «Fusion von SWMH und Schwarzwälder Bote»
('Stuttgarter Zeitung')
sowie der Abschied von Geschäftsführer Jürgen Dannenmann, der «zum 31.12. 2007 aufgrund der geltenden Altersgrenze seine Ämter niederlegt» (dies.) bzw. «nach 18 Jahren in den Ruhestand gedrängt» («taz») werde.
«Stunden konnte man mit ihm zusammenhocken und darüber nachsinnen, was eine gute Zeitung ausmacht. Raus mit dem Aschenbecher aus der Schreibtischschublade, die Marlboros ausgepackt und in den Wolken des Rauchs referierend, wie wichtig die Autoren sind, von Reutlingen bis Rio de Janeiro», so würdigte seine
Heimatzeitung
Dannemann zum Abschied.
Immerhin, «eine neuerliche Debatte über den Einfluss sogenannter Heuschrecken-Investoren bleibt uns ...zum Glück erspart»,
kommentiert
Steffen Grimberg. Schade bloß um die «Stuttgarter Zeitung» als den «wahrscheinlichen Verlierer dieses Deals»: «Jetzt verschwindet ein weiterer Titel in einem undurchsichtigen Großunternehmen» so wie angeblich die «Frankfurter Rundschau» in der Du-Mont-Presse. «Das ist ein Verlust».
Wer die Leistung der «Stuttgarter Zeitung», solange sie noch auf der Höhe ist, würdigen möchte:
Hier
fasst das Blatt rasch seinen jüngsten, auch anderswo breit zitierten Scoop zusammen - ein Exklusivinterview mit Harald Schmidt. Der aus dem ARD-Fernsehen bekannte Prominente bezieht darin u.a. zum sog. Nazometer Stellung, mit dem sein Showpartner Oliver Pocher in der gemeinsamen Sendung Aufsehen erregt hatte: «Schmidt verteidigte nun Pocher: 'Was er mit dem Nazometer gemacht hat, war an der Grenze, aber noch im Rahmen. Satire müsse wehtun, müsse aufregen, sonst sei sie sinnlos.» Außerdem bewarb sich Schmidt dafür, gerne auch im nächsten Jahr die große Bambi-Gala des Burda-Verlags moderieren zu dürfen.
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Altpapierkorb «Besonders aufgefallen ist bei 'Switch reloaded', wie er Adolf Hitler gespielt hat, der allerdings in der Kulisse der Bürohengst-Serie 'Stromberg' agieren musste. Zu 90 Prozent war das Stromberg, nur zu zehn Prozent Hitler. Kessler hat die Mischung wohl tariert und dabei beide Figuren getroffen. Dem Bernd Stromberg hat er die heimliche Hitler-Attitüde nachgewiesen»: Hans Hoff lobt auf der «SZ»-Medienseite 15 den umtriebigen Komiker Michael Kessler. +++ «Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein»: Die Weihnachtsgeschichte der «SZ»-Medienseite
erzählt
von der 14-jährigen Mina aus München, die ihr Lied ins Internet stellte, sowie von der «rasanten Entwicklung der Videoseiten Youtube und Myvideo». +++ Der «Tagesspiegel»
sorgt
dafür, dass sich die 63 Prozent der Deutschen, die die Feiertage «vor allem vor dem Fernsehapparat verbringen» wollen, «nicht im Programmdschungel verirren». +++ Harald Keller in der «FAZ» auch, aber derzeit nicht frei online. +++ Sacha Baron Cohen hat nach eigenen Angaben sowohl Borat als auch Ali G «umgebracht, sie waren einfach zu erfolgreich»? Michael Hanfeld
('FAZ')
berichtet. +++ «Klaus Lemke ist der ungewöhnlichste Filmemacher Deutschlands. Und zwar seit 1968. Er lebte mit RAF-Gründer Andreas Baader in einer Kommune. Er arbeitete mit Brigitte Bardot. Er entdeckte Iris Berben, Ira von Fürstenberg, Cleo Kretschmer, Dolly Dollar und zuletzt Saralisa Volm. Wenn er in diesem Gespräch auch über 1968 redet, dann nur, weil er ausdrücklich dazu aufgefordert wurde», und zwar von Peter Unfried
('taz'). Auf 558 Zeilen.
+++ «Ich glaube, dass es in der Zukunft ein Hybridmodell geben wird. Zeitungen können durch den Einsatz von Bürgerjournalisten Kosten senken – sie brauchen nicht mehr so viele teure Schreiber. Ich kann mir gut vorstellen, dass das zum Beispiel im Sportjournalismus gut funktioniert» (Interview mit Wikipedia-Gründer Jimmy Wales in der jüngsten «Zeit», inzwischen
online).
+++ Außerdem gibt's Jahresrückblicks-Umschauen. In der «taz»
Teil 1,
u.a. mit der hübschen Wortschöpfung «Denverleger-Clan» für jene Münchener Familienstämme, die künftig leider nicht mehr durch den Verkauf der ererbten «Süddeutschen Zeitung» unterhalten. Und in der
'Berliner' eine ungeteilte,
die Springer-Chef Mathias Döpfner Trost für seine größte Niederlage spendet: «Machen Sie sich nichts draus», Klaus Zumwinkel von der Deutschen Post, «der hat schon Konzerne saniert, da saßen Sie noch in der Musikstunde».Nach den Weihnachtsfeiertagen füllt sich der Altpapierkorb wieder am Donnerstag.
Für das Web ediert von Christian Bartels |