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Geht im Namen des kritischen Journalismus an sich in Berufung: Stefan Niggemeier (Foto: Christian Thiel<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Geht im Namen des kritischen Journalismus an sich in Berufung: Stefan Niggemeier
Foto: Christian Thiel
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Urteil gegen Stefan Niggemeier: Ist kritischer Journalismus an sich gefährlich? Außerdem: ein «Tatort»-Kommissar als Al Gore der ARD.

Was kann ein Blog, was andere Medien nicht können?

Gute Frage der 'Berliner Zeitung' an Robert Basic, den Betreiber des derzeit meistgeklickten deutschen Blogs 'basicthinking.de'. Ganz gute Antwort: «Ein Blog ist viel näher am Menschen dran. Mit einer Zeitung kann man zum Beispiel nicht reden. ... Im Blog kann man widersprechen, man kann persönlich und dauerhaft miteinander in Verbindung treten. Das ist eine ganz andere Ebene als bei den normalen Medien».

Eben das, diese ganz andere Ebene z.B. des Widersprechens jedoch schwebt gerade in juristischer Gefahr.

Stefan Niggemeier, auch einer der meistgeklickten Blogger, wurde im Rechtsstreit mit der deutschen Endemol-Firma 'Callactive' gerichtlich verpflichtet, bei «brisanten Blog-Einträgen... die Kommentare vorab zu kontrollieren». Unzulässige Kommentare, die etwa an einem frühen Sonntagmorgen um 3.37 Uhr publiziert werden, am Vormittag desselben Sonntags um 11.06 Uhr zu löschen, genügt nicht.

«Nach der Argumentation des Gerichts könnte man kritischen Journalismus per se als gefährlich werten, weil er die Menschen zu negativen Meinungsäußerungen über das animieren könnte, was er aufdeckt oder anprangert», argumentiert Niggemeier selbst gewohnt wortmächtig und erklärt, warum er Berufung gegen dieses Urteil einlegen wird: «Würde sich das Rechtsverständnis des Hamburger Landgerichts, wie es sich in vielen Entscheidungen zeigt, durchsetzen, wäre das das Ende der offenen Diskussion in Foren, Blogs und Online-Medien».

Da stimmen viele zu. «Wenn jeder Blogger über jeden Kommentar entscheiden müsste, der auf seiner Seite erscheint, würde das die Blogs, die vom Diskurs leben, ruinieren», sagte der ebenfalls bloggende Journalist Mario Sixtus der 'taz'. Das sei ein «massiver Eingriff in die Meinungsfreiheit», lässt sich Mercedes Bunz, «Tagesspiegel.de»-Chefredakteurin, ebd. zitieren. Und Kurt Sagatz «als Journalist, der an Meinungsvielfalt interessiert ist», wünscht Niggemeier «viel Erfolg».

Die Entscheidung traf am Hamburger Landgericht der Richter Andreas Buske, der oft was mit Medien zu tun hat und dabei die Unabhängigkeit der Justiz auf das Schönste verkörpert. Er urteilte einst über die Haarfarbe des seinerzeit amtierenden Bundeskanzlers Schröder; er sprach jene Urteile über den Contergan-Film der ARD, die zum Glück weitgehend nicht mehr rechtskräftig sind, seitdem sich das Bundesverfassungsgericht mit der Sache befasst hat.

Buske bloggt zwar nicht selbst, ist aber sozusagen das Objekt der lesenswerten Webseite «buskeismus.de». Dort ist auch die «Sache 324 O 794/07 Callactive GmbH vs. Stefan Niggemeier», wie sie sich am Freitag vor einer Woche zutrug, protokolliert - in zwar nicht völlig amtlicher, dafür aber relativ sexy illustrierter Form.

Außer Solo-Bloggern und Redaktionen tummeln sich im Internet auch milliardenschwere US-Konzerne. Mit einem Gründer eines solchen hat der «Tagesspiegel» ein Interview geführt. Der Youtube-CEO Chad Hurley findet u.a. nette Worte für die traditionelle Bewegtbild-Medium Fernsehen:
«Neben DVDs, Downloads und Kabel- und Satelliten-TV bieten wir nur eine weitere Option, um Videomaterial zu verbreiten. Die Leute gehen online, wollen kurze Clips schauen, sie mit anderen teilen und miteinander sprechen – nicht Filme in voller Länge anschauen. ... Eine Sendung oder einen Film schaut man sich am besten immer noch im Fernsehen an».

Stimmen zur heute meistbesprochenen Sendung, in der ein «Tatort»-Kommissarsdarsteller einen «deutschen Al Gore» gibt, folgen weiter unten im Altpapierkorb.


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James Harding, auch genannt: «Rupert Murdochs Stellvertreter auf Erden», wird neuer Chefredakteur der «Times». Das «soll wohl erst Anfang kommender Woche offiziell bekanntgegeben werden», steht aber schon heute auf der «FAZ»-Medienseite. Der derzeitige Chefredakteur Robert Thomson geht zum (nun ebenfalls Murdoch'schen) «Wall Street Journal». +++ Die neue Chefredakteurin der «Emma» wiederum sei «blond, taff und hat zwei kleine Kinder», wird namentlich aber noch geheimgehalten. Diese Info entnahm 'Welt Online' der quasi-täglichen «Kerner»-Show, die die amtierende Chefin Alice Schwarzer nutzte, um ihren Rückzug anzukündigen. +++ «Der Kerner muss weg/ raus» ('FAZ', 'taz'). Stimmt natürlich, war in der wöchentlichen Plasberg-Show aber lediglich ein önologisches Wortwitzchen zur gleichnamigen Weißweinsorte. +++ Heute anstelle der üblichen «Tatort»-Wiederholung in der ARD: Robert Atzorn, «Noch-'Tatort'-Kommissar» und «ehemaliger TV-Pfarrer, TV-Lehrer, TV-Kapitän» führt durch die an Frank Schätzing angelegte Dokumentation «Die Rache der Ozeane». Nicht so schlecht, findet Thomas Gehringer im 'Tagesspiegel' unter der Überschrift «Der deutsche Al Gore?», weiß aber auch: «Für die vom WDR-Rundfunkrat geforderte Rückkehr eines eigenständigen Umweltmagazins gibt es innerhalb der ARD nach wie vor keine Mehrheit». +++ «Mag also eine gewisse Al Goreisierung unvermeidlich sein, etwas weniger digitales Blendwerk hätte dem NDR und seinem noblen Anliegen gut gestanden» ('FR'). «Zu viel Betroffenheit kann durchaus ins Gegenteil umschlagen, etwa wenn Atzorn, zünftig im Holzfällerhemd, immer wieder 'völlig überwältigt' ist» («FAZ»). +++ Stefan Austs «diabolischer Trick», Frank Schirrmachers «Albernheiten»: Otto Köhler zürnt im 'Freitag' zum Thema «Spiegel», hat aber auch eine konstruktive Idee: «Franziska Augstein als Herausgeberin, Heribert Prantl als Chefredakteur - das könnte einen 'Spiegel' geben, dessen Redakteure mit Lust auch dann schreiben, wenn die Rendite aus dem Anzeigenertrag ein wenig sinkt». +++ «Liveübertragung ausnahmslos aller Parlamentsdebatten»? Keine faszinierende Idee, findet Bernd Gäbler in der 'Zeit'. +++ Der Biologe und Journalist Dennis Buchmann ist Gewinner des Springer-Preises namens «Scoop» und konsequent auch gleich bei der
«Bild»-Zeitung Tagesgewinner (Link stimmt nur am 7.12.). Was sich hinter seinem Magazinprojekt «Humanglobaler Zufall» wohl verbirgt, wollte Michael Hanfeld («FAZ», S. 42) von Springer-Akademie-Direktor Jan-Eric Peters wissen und hörte: Es geht um «Menschen in der globalisierten Welt, die der Zufall zusammenführt», z.B. «Geschichten wie die eines deutschen Investmentbankers, der in London seinem Job nachgeht und jeden morgen bei einem Pakistaner seine Zeitung kauft, dessen Laden bedroht ist, weil ein internationaler Investor den ganzen Staddteil umpflügt. Der Banker könnte sich nun eines Besseren besinnen und Biobauer werden, aber der Pakistaner?» +++ Noch'n Medienseiten-Interview mit einem Vertreter eines vielgeklickten Internetangebots - Wikipedia-Administrator Kurt Janson in der 'SZ': «Wichtige Bücher, Vereine oder Gerichte haben in der Wikipedia ihren Platz; Bibliographien, Vereinsregister und Kochbücher wird eine Enzyklopädie jedoch nie ersetzen können». +++ Was die Transformation der guten alten Zeitung zum Internet betrifft, ist man in Amerika nicht uneingeschränkt optimistisch, berichtet Eva Schweitzer ('Berliner'). +++ Der stellv. «aspekte»-Redaktionsleiter Christhard Läpple war vom ZDF mit der «Aufarbeitung der eigenen Stasi-Verstrickung» beauftragt worden. Sein Film ist längst «zu nachtschlafender Zeit und damit unter Ausschluss der Öffentlichkeit» versendet worden, wirkt aber immer noch nach ('FR'). +++ Elke Heidenreichs Büchershow auf den Freitagabend zu verschieben, «wohl ein großer Fehler» des ZDF ('KStA'). +++ Was macht eigentlich Roger Schawinski? Er taucht immer öfter auf, wenn in der Schweiz Privatradio-Konzessionen ausgeschrieben werden ('NZZ'). +++ Und der vielleicht dickste Hund des Tages: Mathias Döpfner wird «freier ARD-Mitarbeiter - und dreht einen Film über den Verleger Lord Weidenfeld», mit dem er befreundet ist, weiß die 'taz' unter der lustigen Überschrift «Der große Lord».

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Montag gegen 10.00 Uhr.


Für das Web ediert von Christian Bartels