netzeitung.deAltpapier vom Donnerstag

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So wie der Deutsche-Comedy-Preis aussieht, möchte man vielleicht nicht wissen, welchen Witz Mario Barth darüber machen würde (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe So wie der Deutsche-Comedy-Preis aussieht, möchte man vielleicht nicht wissen, welchen Witz Mario Barth darüber machen würde
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Schleichwerbung wird wohl erlaubter. Und die «taz» will nicht für Mario Barth werben.

Die Debatte um Mario Barth geht weiter. In jeder Debatte, die etwas auf sich hält, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem die Debatte zu ihrem eigenen Gegenstand wird. Diesen Punkt markiert der Beitrag von David Denk in der 'taz':

Über Mario Barth wird viel zu viel geschrieben. Deswegen auch hier.

Symptomatische Eröffnung, weil radikal selbstreferentiell. Kein Beitrag zu Barth, sondern in erster Linie zu den Beiträgen über Barth, und damit Blick ins Gehäuse der Mediendebatte: jedes Wort schon mal gebraucht.

Die Einleitung etwa mit dem Fußballspieler Mike Hanke, dem Bücherlesen zu lange dauert, der Barth aber toll findet, stammt im Original aus Jörg Thomanns Apologie («FAZ» vom 28.11., heute auch online) des Komikers.

Oder: Dass viele von Barths Witzchen einen Bart haben - so wie dieser hier, den vor mir schon Henryk M. Broder gemacht hat...

Vgl. hierzu: H. M. Broder: Witz mit Barth, 'Spiegel' vom 26.11.

Denks These lautet nun:

Aber wahrscheinlich macht man sich da schon wieder zu viele Gedanken So wie die Kollegen von «Frankfurter Rundschau»,« Spiegel», «Tagesspiegel» und «FAZ», die Mario Barth in den letzten Tagen eindeutig zu viel Beachtung schenkten.

Vgl. hierzu: J. Gernert: Der Baller-Mann, 'Tagesspiegel' vom 27.11., und H. Nutt: Beim Barth des Mannes, 'FR' vom 24.11.

Denks Dilemma aber besteht darin, dass er seine Unlust, über Barth zu reden kaum anders als redend bekunden kann. Und so befeuert er die Debatte, indem er sie eigentlich beenden will.

Es steht zu befürchten, dass das noch nicht alles war, denn am Freitag startet «Mario Barth präsentiert» bei RTL ... Die Sendung selbst werden die oben genannten Medien wohl verreißen oder völlig ignorieren, doch am «Medienphänomen» Barth meinen die Redaktionen nicht vorbeikommen zu können.

Warum auch? Sprachlich geht es doch allein des Gegenstands wegen häufig wesentlich beschwingter zu als in Texten, die sagen wir, von EU-Richtlinien handeln. So können wir etwa nach Denks Artikel in unserer Kladde «Pseudonyme» unter «Broder, Henryk M.» das Wort «Erregungspitbull» notieren. Wie überhaupt «Broder» ein höchst interessanter Subtext der ganzen «Barth-Debatte» ist.

And now for something completely different: Die EU-«Richtlinie für audiovisuelle Dienste» soll heute in «zweiter Lesung» verabschiedet werden, was als wahrscheinlich gilt, wie Simon Feldmer in einem sehr luziden Beitrag in der «SZ» (Seite 15) darlegt.

Bis 2009 müsste dann in nationales Recht umgewandelt, dass Privatsendern künftig Schleichwerbung in Filmen, Serien und «Light Entertainment»-Formaten erlaubt ist, wenn sie als solche ausgewiesen wird.

Das heißt, die Sender müssen vor oder nach der Sendung informieren. Möglicherweise wird es auch eine Einblendung im laufenden Programm geben.

Klingt umständlich. Und birgt, wie eine Drehbuchautorin anmerkt, die Gefahr, dass Geschichten um Produkte herum geschrieben werden.

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Die Zuschauer von Privatsendern sind gebildeter als die der Öffentlich-Rechtlichen. Zu diesem Schluss kommt überraschenderweise eine Untersuchung im Auftrag von SevenOne ('FTD', auch 'FR', «FAZ», Seite 40). SevenOne ist der Werbezeitenvermarkter von ProSiebenSat.1. +++ Die Tagung der ARD-Intendanten in Bremen ist zu Ende, und überall erscheinen Resümees: 'taz', 'Tsp', 'Berliner', 'FR'. +++ Zu erfahren ist neben den bekannten Personalien, Herres wird Struve (Programmkoordinator), Hirz wird Radke (Phoenix-Chef), dass Netzer und Delling (Fußballmoderation) Netzer und Delling bleiben bis 2010. Erfüllen will die ARD ihren Vertrag bei der Übertragung der Tour de France im nächsten Jahr. +++ Auch in Bremen beschlossen, aber nur in der «SZ» (Seite 15) vermeldet: Dagmar Brandenstein, «gewiefte Verhandlungsführerin» einst der Öffentlich-Rechtlichen, nun für Kirch, darf für eben den bis Mitte nächsten Jahres nicht verhandeln – die ARD weigert sich, von der Vertragsklausel abzusehen. +++ Fußballvermarktung: Auch der DFB träumt von mehr Geld für seine Pokalspiele ('Tsp') – «Der DFB-Pokal hat sich in den vergangenen Jahren zu einer absoluten Top-Marke entwickelt.» Diese Managersprache ist so ermüdend, seufz. +++ Selbst ZDF-Nachrichtensprecherin Dunja Hayali zeigt sich davon nicht unbeeindruckt im Interview mit der 'Berliner': Die Kollegen bei RTL machen einen guten Job, aber im ZDF sehe ich diese Form der Nachrichten nicht. +++ Die 'FAZ' hat mit Frau Rehbein gesprochen, die von den Ausbildern bei der GEZ berichtet: Schon an der ersten Tür hat er den Daumen schön fest auf die Klingel gedrückt. +++ Die 'FR' erinnert anlässlich des 40. Geburtstages des ARD-Kulturjournals «Titel, Thesen, Temperamente», dass solche Sendungen nicht immer um 23 Uhr gelaufen sind. +++ Die 'Berliner' sinniert über die Exklusivität der eine Zigarette langen Geschichten, die Helmut Schmidt jede Woche dem «Zeit»-Leben-Magazin erzählt. +++ Der 'Tsp' stimmt freudig auf die neue NDR-Talk-Show ein. Der Grund: das neue Moderatorenpaar Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. +++ Die «FAZ» (Seite 40) beschäftigt sich heute mit der Gratiszeitungsstudie des Leipziger Kommunikationswissenschaftlers Michael Haller, die gestern in der 'Berliner' thematisiert wurde. +++ Heute wird dort vermeldet, dass – ebenfalls gestern beklagt – «Berliner»-Redakteur Andreas Förster Einsicht in seine BND-Akte erhält. +++

Der Altpapierkorb füllt sich Freitag wieder gegen 10 Uhr.


Für das Web ediert von Matthias Dell