«WAZ»-Online: Im «Westen» geht die Sonne auf30. Okt 2007 07:31  |  Warum denn so ernst? Chefredakteurin Katharina Borchert | Foto: Franz-Peter Tschauner dpa |
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Der Lokaljournalismus hat im Westen der Republik ein neues Online-Gesicht. Aber nicht alle sind begeistert. Außerdem: Wer spielt Minesweeper am SPD-Parteitag? Der Blogblick.
Lange hat es gedauert und viele Blogger haben brav gewartet, weil hier mit Katharina Borchert eine langjährige
Bloggerin
die Chefin gibt: «Der Westen» heißt der neue, am Montag gelaunchte
Online-Auftritt
der «WAZ»-Mediengruppe.
Nun ist das Portal zu besichtigen und mitmachen kann man auch noch. Die Reaktionen der Blogger lassen jedenfalls nicht auf sich warten, zumal «Der Westen» nicht nur Nachrichtenseite ist, sondern mit «
WestPoint
» auch einen eigenen Weblogbereich bereit stellt. Zehn Weblogs mit zum Teil wundersamen Namen wie «
Prellblog
», «
Ein Zebra in der Achterbahn
» oder «
Selbstläufer
» warten auf Aufmerksamkeit, erste Beiträge sind bereits erschienen und
Kommentare
gibt es auch schon.
asbuka stellt das Portal und seine
Besonderheiten
kurz vor: «Neben den Artikeln der fünf WAZ-Tageszeitungen wurde das Angebot unter derwesten.de im Web 2.0-Stil ergänzt: Videobeiträge und Weblogs von etablierten Autoren, Foren für Nutzer, die ihr Profil anlegen und Beiträge und Fotos einstellen können. Besonders stolz ist Chefredakteurin Katharina Borchert auf das neu entwickelte Prinzip Geo-Tagging.» Denn so könnten «die Nutzer mittels Landkarte die Veranstaltungen oder Online-Aktivitäten aus ihrer Heimatregion finden.»
Thomas Gigold, Medienrauschen,
meint:
«Auf den ersten Blick hat die Mannschaft hinter Katharina Borchert wirklich gute Arbeit geleistet. Die Seite wirkt aufgeräumt und bietet die typischen Web 2.0-Dinge: Kommentare und Trackbacks, (Geo-)Tagging sowie die oft schon berichteten 'Lokalisierungsangebote'. Daneben Videos, eine Community (die derzeit Ladehemmungen hat) und Weblogs. Aus deren Reihe tanzt 'reich und schön - das Promiblog' hervor, auf dessen Leben ich gespannt bin … Zur Feier des Tages reichen wir dem Team im Westen eine virtuelle Flasche Champagner und gratulieren zum Launch.»
Gregor Nathanael Meyer, Spackblog,
nimmt sich
das «Geotagging» mal genauer vor: «Ein Feature, von dem ich mich schon lange frage, warum die Lokalzeitungen das nicht machen (Nintendo hat sowas im Weltmaßstab auf der Wii realisiert, sehr cool übrigens). Man guckt also flugs mal Google-Maps mäßig in seiner Gegend, was so gewesen ist und noch läuft. Dazu ein bisschen lokale Werbung eingestreut und das Leben im Westen ist schön.» So könnte es sein, doch die Realität auf den Seiten bestehe aus «grauen Kartenfenstern», in denen kaum etwas passiere. Kurz: Die «Umsetzung» sei «unzulänglich», resümiert der Blogger kritisch.
Ebenfalls nicht ganz so euphorisch
reagiert
Andreas Frackowiak, INS-Blog. Er wollte sich als User registrieren, bekam aber eine seltsame Fehlermeldung. Für ihn ist klar: «Ein Programmierer hat nicht aufgepasst. Und ja, der Fehler ist (von mir) reproduzierbar. Was in mir den unguten Verdacht aufkommen lässt, dass wegen der fehlenden oder fehlerhaften Überprüfung der Benutzereingaben der 'Westen' unsicher und anfällig gegen XSS oder Injection Attacken sein könnte.»
Und über nochwas hat sich Blogger Frackowiak
geärgert
: «In der Frühstückspause habe ich die Website mal ohne Popup- und Werbeblocker besucht und traute meinen Augen kaum: Welcher Wahnsinnige hat die mit Werbung so überfrachtet? So viele und so penetrant aufpoppende Werbung muss doch wirklich nicht sein - das ist ja richtig abschreckend. Dazu kommt, dass in der rechten Spalte in den grauen Kästen Werbung nicht von Community oder redaktionellen Inhalten genau unterschieden werden kann.»
Auch kai3k, wenktec.de,
bemängelt
technische Aspekte: «Jede Seite (ca. 150 Objekte), die man dort aufruft, ist zwischen 500 und 800 KB groß. Das Web 2.0 lässt grüßen - aber das bedeutet nicht, dass man über 330 KB an JavaScript dabei haben muss. Ein paar JS-Frameworks und weitere Funktionen in eine Datei gepackt - und die Kommentare drin gelassen und keinerlei Kompression. Da freuen sich doch die Modem-User (es soll noch welche geben!).»
Bei soviel Kleinteiligkeit kontert Jens im Pottblog, einem Weblog, dem in diesem Fall allein schon wegen des Namens geballte Kompetenz zugesprochen werden muss, mit einem umfangreichen und trotzdem detailliert erarbeiteten
Blick aufs Ganze
. Er untersucht «einzelne, ausgewählte Bereiche von DerWesten» wie Startseite, Video, Community, Städte, Weblogs etc. kritsch, aber wohlwollend. Das Fazit lautet: «Natürlich ist DerWesten gegenüber den bisherigen Webangeboten der WAZ-Mediengruppe ein Quantensprung. Inwiefern DerWesten sich etablieren wird, kann man jedoch jetzt noch nicht einmal ahnen - denn das hängt natürlich vor allem auch von den Inhalten ab.»
Ähnlich differenziert geht man im blog.50hz.de
zur Sache
: «Die neue Startseite kommt fast bieder daher. Auf den ersten Blick ist derWesten.de in der Tat nicht mehr als ein ganz normales Nachrichtenportal mit lokalem Schwerpunkt.» Klar sei aber auch: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nach dem Launch den alten Auftritt 'seiner' Zeitung - etwa waz.de oder nrz.de - ernsthaft vermissen wird.» Was für ein schönes und prägnantes Schlusswort zum Thema.
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang
Zeit & Raum: Mit Mario Andrich, Juggernaut Invasion Systems, möchte man nicht
tauschen
: «Damned, da möchte man es sich mal seit langem wieder nen Abend im Internet gemütlich machen - ZAPP - Bluescreen und ein neu startender Rechner, der sich in der ewigen verzweifelten Schleife des versuchten Neustarts befindet.» Johnny, Spreeblick, hat «Clocklink»
entdeckt
- ein neues «Gimmick für die eigene Website»: «Dort gibt es, wer hätte das gedacht, Uhren.» Schade nur, dass es kurzfristig «Probleme mit der Zeitumstellung» gab, die aber schnell behoben waren. Spezielle Welten: Ballgrounds ist von einem NBA-Werbevideo in eigener Sache sichtlich
angetan
; Nico Lumma, Lummaland,
berichtet vom
Parteitag der SPD: «Der Schmidt lädt hier nur seine Akkus auf, wahrscheinlich damit er nachher wieder im Plenum Minesweeper spielen kann. Mittlerweile spricht Elke Ferner von vielen Kämpfen der Frauen für Gleichberechtigung, 'damals' fällt oft. Jan ist wieder da, hat eine Zeitung dabei und sortiert erst mal seine Bilder bei Sevenload. Auch kein Arbeitsethos, diese Deligierten.» Burkhard Schröder
freut sich
über den Streit zwischen den Grünen und der katholischen Kirche: «Natürlich amüsieren sich alle vernunftbegabten Menschen, wenn die Verehrer des Lattengustl sich mit anderen Bekloppten prügeln.»
Für das Web ediert von Maik Söhler |