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Altpapier vom Mittwoch

24. Okt 2007 10:08, ergänzt 11:33
'Bild'-Chefredakteur Kai Diekmann will den 68ern jetzt Saures geben
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«Bild»-Verursacher Kai Diekmann und SPD/ «Zeit»-Mann Michael Naumann zofften sich hart, aber fair beim Edel-Italiener im «taz»-Haus.

Was macht eigentlich Michael «Mike» Naumann? Der Mitherausgeber der «Zeit» macht natürlich weiterhin Wahlkampf für die Bürgerschaftswahl, die in 123 Tagen in der Medienstadt Hamburg stattfinden wird.

Am Montagabend aber, da war Naumann in Berlin beim «Edel-Italiener» ('taz') im Hause der «taz» und trat bei der Vorstellung des Buchs von Kai Diekmann auf.
Diekmann ist der hauptverantwortliche Verursacher der «Bild»-Zeitung. Sein Buch «Der große Selbstbetrug» ist «eine Polemik wider die Flucht der Deutschen aus der Wirklichkeit, ein Plädoyer für den gesunden Menschenverstand!»
(Piper-Verlag) und gegen die alten 68-er, die vor allem aus Eva Hermans Talkshow-Argumentation bekannt sind. Hier fasst Diekmann seine Thesen für die etwas seriösere Schwesterzeitung zusammen.

Einerseits zitiert heute nicht nur die «taz» Naumanns Äußerung aus dem Jahre 2004, dass die «Bild»-Zeitung das «Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien» sei (was Naumann seinerzeit negativ , ausschließlich negativ meinte). Andererseits äußerte 'Bildblog.de' den Verdacht, Naumann könnte durch seine Mitwirkung an der Buchpräsentation etwas gegen den in der SPD beklagten Umstand tun, dass sein Hamburger Wahlkampf selbst von der Hamburg-Ausgabe der «Bild»-Zeitung «weitgehend ignoriert» wird.

Der Abend verlief dann so: Erst las Diekmann aus seinem Werk, dann trug Naumann kämpferisch seine Kritik daran vor (hier als PDF). «Auf einen Deal war der nicht aus», hat dann hinterher die «taz» Diekmann «im kleinen Kreis» sagen hören. Und war selbst ganz begeistert («Wie effektiv Naumann Diekmanns Rambo-Thesen konterte, zeigte sich allein schon daran, dass Bild-Kolumnist Franz-Josef-Wagner nach einer Viertelstunde einen seiner üblichen Tobsuchtsanfälle bekam»).

Auch sonst künden die Berichte von einem feurigem Schlagabtausch, wobei Kampf- und Haltungsnoten natürlich immer vom Auge des Betrachters vergeben werden.
Ralf Wiegand und Paul-Anton Krüger («SZ», S. 3) sehen die Sache von Hamburg aus so: «Seit Mitte September berichtet Bild wieder über Michael Naumann... Und vier Wochen später verhilft Naumann dem Buch seines schärfsten Gegners zu größter Aufmerksamkeit. 'Wenn Sie das für PR halten', sagt Naumann spitz, 'ich sehe das anders'».
Ihr Artikel heißt «Die Rache des Verschwiegenen», ist aber nicht identisch mit dem kämpferischen Online-Beitrag 'Die Rache des Kulturministers' (über Diekmann: «Völlig steif vor Gel, das Entenschwänzchen dort, wo andere Männer ehrlicherweise einen Zopf tragen würden»).

Der «FAZ»-Beitag 'Naumanns Rache' wiederum beschreibt die Blicke der anwesenden Betrachter (Der von Naumann «fürwahr nicht gelobte Diekmann ertrug es mit demselben säuerlichen Lächeln, mit dem Naumann zuvor Diekmanns Einführung gelauscht hatte. Die zunächst bedrückten Mienen des SPD-Plakatkünstlers Klaus Staeck und des ehemaligen 'Bild'-Redakteurs und hernach Regierungssprechers Bela Anda hatten sich zwischenzeitlich aufgehellt, die der Springer-Journalisten verdüstert»).
Ubrigens («sueddeutsche.de») war Cherno Jobatey auch dabei.

Michael Hanfeld von der «FAZ» ist natürlich tendenziell Diekmann-Fan. Auch wenn er beim Interview über dessen 68-er-Thesen heute («FAZ», S. 46, derzeit nicht frei online) durchaus nachhakt, anders als im Mai, als Diekmann die «FAZ» wählte, um den Umzug nach Berlin zu verkünden.
Heute geriert sich Diekmann kämpferisch («Vor allem aber leidet das Land an Blauäugigkeit und dem fatalen Hang, sich aus der Wirklichkeit zu stehlen. Das gilt für Ausländer-, Renten-, Familien-, Wirtschafts-, Umwelt-, Schul- oder Gesundheitspolitik, aber auch für den Bereich der Strafverfolgung und Prävention. Dazu gebe ich in meinem Buch viele Beispiele»).

Rasch ein Blick auf die «Bild»-Zeitung selbst.

Und dann zu einem blonden jungen Mann, der heute sein sicher vielbeachtetes ARD-Debüt geben wird - nicht Oliver Pocher, der ist erst morgen dran, sondern Frank Plasberg.
Frisch zu haben sind drei Porträts ('Berliner Zeitung', 'taz', 'Welt'), ein, ähm..., faires Interview («Warum sollte jemand wie Kurt Beck in Ihre Sendung kommen, anstatt zu Anne Will oder Maybrit Illner zu gehen?», will die 'Frankfurter Rundschau' wissen), und ein erfreulich hartes.


Mehr im Internet: Die Artikel des Tages


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Acht Millionen Zuschauer wird Plasberg heute um 21.45 Uhr von «Ein spätes Mädchen», Hendrik Handloegtens Film mit Fritzi Haberlandt, sicher nicht mitnehmen können. «Ärgerlich und missraten, auf hohem Niveau, versteht sich», sei der Film, meint Björn Wirth ('Berliner') . «Das artistische Kunststück ... ist ein intimes Kammerspiel, vor allem aber ein grandioser Monolog über die Möglichkeiten und die Unmöglichkeit eines geglückten Lebens, den man nicht verpassen sollte» (Heike Hupertz, «FAZ»). «Aber auch so kann ein Happy End im Fernsehen aussehen: Dass man mal das Fenster aufreißt, frische Luft hineinlässt und – den Staub wahrnimmt, der sich auf allem erdrückend niedergelegt hat» ('Tagesspiegel'). +++ Der WDR, der ja bislang Plasbergs Show beherbergte, programmiert heute Bernd Stelter dagegen. Damit das nicht so bleiben muss, geht ab nächster Woche der biswerige NDR-Mann Gerhard Delling mittwochs beim WDR auf Sendung. «Nun versucht er, sich beim WDR eine zweite Karriere aufzubauen», schreibt Hans Hoff («SZ»-Medienseite). Sein Porträt klingt trist, in puncto Sender («schließlich bedeutet das auch, ... dass über all die langen Jahre, in denen Fritz Pleitgen der Chef war, versäumt wurde, sich um den Nachwuchs zu kümmern»), Sendung («eine Magazinsendung mit Einspielern, Gesprächen und Rubriken», die «zwangsläufig auch im Seichten fischen muss», wo sich Delling unwohl fühlt) und Delling («Jahrelang war er vornehmlich der Aushelfer: Bei den 'Tagesthemen', dann beim Medienmagazin 'Zapp' ... ...»). +++ Al Gore kommt im Namen von EnBW nach Berlin - «und erteilt Journalisten einen Maulkorb», denn außer um die Erde sorge sich Gore auch «um das Urheberrecht», erfuhr die 'taz' von der zuständigen PR-Agentur. +++ Der Fernsehsender «Das Vierte», womöglich geläufig durch Krimiserien wie «Law & Order», steht vor Gericht. Es muss geklärt werden, ob er seine Internetadressen «unrechtmäßig erworben hat» ('Focus.de'). +++ Das Holtzbrinck'sche «Handelsblatt» meldet, die eigene Verlagsgruppe sei «Wunschkandidat» der verkaufswilligen «SZ»-Eigentümer (nicht frei online). Unspektakulärere, dafür feststehende Verlagsgruppen-Nachrichten, nämlich «mehrere Wechsel auf der Ebene der Geschäftsführungen», vermeldet der «Tagesspiegel». +++ Frei online im «Handelsblatt»: Wie die Deutsche Telekom ihr Internetfernsehen den Wohnungsbaugesellschaften andient und so das Geschäftsmodell der Kabelnetzbetreiber attackieren will. +++ Radiotipps. +++ Alain Minc, Aufsichtsratsvorsitzender der «Le Monde», hat «seinen vorzeitigen Rücktritt zum 31. März 2008 angekündigt» ('FR'). +++ Sagt die Nonne zum kranken Papst: «Wir sind besorgt um Euere Heiligkeit». Sagt Johannes Paul II.: «Ich bin auch besorgt um meine Heiligkeit.» (Die «SZ» empfiehlt die Arte-Serie «Karol - Papst und Mensch»)

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 10.00 Uhr.

 
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