09.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Wenn er 'Garantien von erstklassigen Banken' mitbringt, würde ihn auch die Liga wieder begrüßen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Fulminantes Comeback in der Gerüchteküche: Leo Kirch ist wieder da
Ein Unterschied zwischen privatwirtschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Medien liegt in der Auskunftsfreude. Wenn etwa ein Unternehmen wie der «Spiegel»-Verlag, der mehrheitlich den eigenen Mitarbeitern gehört, keine Lust hat, seine Beschlüsse zu erklären, dann schweigt er halt.
Noch viel schwerer zu
greifen ist
Leo Kirch. Die Unternehmen des nun (siehe
Altpapier) nach jahrelanger Pause wieder in Aktion getretene Moguls haben derzeit nicht mal einen Internetauftritt.
Heute befassen sich «SZ»
und «taz» mit dem
«Comeback ohnegleichen». Dass «die Bundesliga angeblich einen Sender gründen» will, «eine Art Bundesliga-TV», berichtet die «SZ» (S. 15). Kirchs Firma solle die Produktion übernehmen. Allerdings will die «SZ» auch aus «Verhandlungskreisen» gehört haben, dass «Bundesliga-Fußball samstags ab 18.30 Uhr nicht gefährdet» wäre.
Die
'taz' beruft sich auf
'FR'-Recherchen vom Montag und hat selbst ein paar der Kritiker aus der Liga namhaft gemacht, von deren
Vorbehalten gegen Kirch derzeit oft die Rede ist. «Ich verbinde mit dem Namen Leo Kirch - nach dem Bundesliga-Skandal - die größte Krise der Liga», sagte etwa Bayer Leverkusen-Geschäftsführer
Wolfgang Holzhäuser. Nicht ohne hinzuzufügen: «Da muss schon einiges Positives rüberkommen, um diesen Makel zu beseitigen».
Jürgen Born (Werder Bremen) hat einen Vorschlag: «sichere Garantien von erstklassigen Banken».
Solang es
nicht die Deutsche Bank sein muss, würde Kirch so etwas sicher hinkriegen. Aufschlussreich ist womöglich, was die Webseite
'sport1.de' schreibt: «Wie aus
Insiderkreisen verlautete, müsse es eine doppelte oder gar dreifache finanzielle Absicherung durch Bankbürgschaften geben, sollte Kirch eine Chance auf den Zuschlag erhalten». Denn auch wenn sonst wenig über Kirchs neues «
Firmengeflecht, wie es für den aus der Versenkung auftauchenden Medienmogul früher typisch war»
('FR' heute), bekannt ist: Dass «sport1.de» dazu zählt, ist gewiss.
Jene Auskunftsfreude, die man sich von Kirch und dem «Spiegel»-Verlag wünschen würde, die gibt es geradezu im Überfluss bei den
Öffentlich-Rechtlichen, aber auch bei den privatwirtschaftlichen Medien, sobald sie sich zu
Lobbyverbänden zusammengeschlossen haben. Beides führt dann oft zu
Streit. Ein prima Exempel dafür liefert
Holger Wenk in der
'Berliner Zeitung'. Einerseits zanken die «Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk» und der «Verband Privater Rundfunk und Telemedien»; andererseits liegen sich die Chefs von Deutschlandradio und ARD,
Fritz Raff und
Ernst Elitz, in den Haaren.
Es geht um etwas, das die meisten allenfalls vom Lesen kennen, auch wenn es zum Hören gedacht ist: das digitale Radio, das mit den rund 250 Millionen derzeit in Deutschland genutzten UKW-Radios sowieso nicht zu empfangen ist.
AltpapierkorbAuch nicht leicht zu durchschauen ist das
Naturalrabatt-System mit «Freispots», das die Belegung von Werbezeiten im Fernsehen durch Mediaagenturen regelt. Jetzt könnte sich daran etwas ändern: «Womöglich müssten die Agenturen die Freispots - dieser Eindruck ergibt sich aus den Vermerken der Wiesbadener Staatsanwaltschaft - generell den Altkunden gutschreiben».
('Süddeutsche'). +++ Anlässlich der Buchmesse und ihrer Gast-Kulturregion, kommt der
'taz' sozusagen
spanisch vor, was im inzwischen radikalnationalistischen öffentlichen Sender «Catalunya Radio» abgeht:
Cristina Peri Rossi wurde
entlassen, weil nicht katalanisch spricht. +++ Was es mit der
Ausladung Manfred Schells bei
Anne Will auf sich hat
('Tagesspiegel'). Und wie die Show ohne Schell, aber mit
Hartmut Mehdorn war: «So direkt haben wir das dann doch nicht oft: Da sitzen sich der kleine Angestellte mit nicht mal 30.000 Euro jährlich und sein Boss mit dem Hundertfachen dieser Summe gegenüber»
('FR'). +++ «Das Internet ist
viel zu fragmentiert. Das Fernsehen aber spielt immer noch eine dominierende Rolle im Alltag von Jugendlichen». So sieht es zumindest die Bundeszentrale für politische Bildung, von deren Strategien, «bildungsferne Jugendliche» zu erreichen, die
'Rundschau' berichtet. +++
Stellvertretende Chefredakteure aufgepasst: Bei der «Berliner Zeitung» sind derzeit gleich drei solcher Stellen ausgeschrieben
('taz'). Außerdem wurden die vom «Spiegel» genannten «Sparvorgaben von rund 2 Millionen Euro» dementiert. +++ Als «Monk»- Autor und Produzent
Lee Goldberg zum ersten Mal einen «Tatort» sah, «glaubte er, die Farbeinstellung an seinem Fernseher sei
kaputt» (sic): Kölns
'Stadtanzeiger' berichtet weiterhin von der Cologne Conference. +++ Die
'taz' fragte den
«Paläste der Macht»-Filmemacher
Gero von Boehm, was genau ihn vom ARD-Adelsexperten
Rolf Seelmann-Eggebert unterscheidet. +++ Wenn das Fernsehen auf dem
Dachboden spielt
('Berliner'), zeigt es streng genommen natürlich meistens alte Kinofilme. +++ Um das «besonders aufreibende Radio-Genre
Großhörspiel» geht es in der
'FR'. +++ «Seltsam, seltsam: In Deutschland kämpft die Deutsche Post heftig für einen Mindestlohn in der Branche (bis 9,80 Euro pro Stunde). Doch im Ausland will der Konzern davon offenbar aber nichts wissen!» Dafür engagiert sich die «Bild»-Zeitung im Internet
genau anders herum, versäumt aber, auf des Springer-Verlags
'attraktives Investment in den ertragsstarken Markt der Postdienstleistungen' hinzuweisen.
Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10.00 Uhr.