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Wenn er 'Garantien von erstklassigen Banken' mitbringt, würde ihn auch die Liga wieder begrüßen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wenn er 'Garantien von erstklassigen Banken' mitbringt, würde ihn auch die Liga wieder begrüßen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Fulminantes Comeback in der Gerüchteküche: Leo Kirch ist wieder da

Ein Unterschied zwischen privatwirtschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Medien liegt in der Auskunftsfreude. Wenn etwa ein Unternehmen wie der «Spiegel»-Verlag, der mehrheitlich den eigenen Mitarbeitern gehört, keine Lust hat, seine Beschlüsse zu erklären, dann schweigt er halt.
Aktuell haben die 'Berliner Zeitung' und der 'Tagesspiegel' versucht, Auskunft in puncto «Financial Times Deutschland» zu bekommen. Jeweils vergebens.

Noch viel schwerer zu greifen ist Leo Kirch. Die Unternehmen des nun (siehe Altpapier) nach jahrelanger Pause wieder in Aktion getretene Moguls haben derzeit nicht mal einen Internetauftritt.
Heute befassen sich «SZ»
und «taz» mit dem «Comeback ohnegleichen». Dass «die Bundesliga angeblich einen Sender gründen» will, «eine Art Bundesliga-TV», berichtet die «SZ» (S. 15). Kirchs Firma solle die Produktion übernehmen. Allerdings will die «SZ» auch aus «Verhandlungskreisen» gehört haben, dass «Bundesliga-Fußball samstags ab 18.30 Uhr nicht gefährdet» wäre.

Die 'taz' beruft sich auf 'FR'-Recherchen vom Montag und hat selbst ein paar der Kritiker aus der Liga namhaft gemacht, von deren Vorbehalten gegen Kirch derzeit oft die Rede ist. «Ich verbinde mit dem Namen Leo Kirch - nach dem Bundesliga-Skandal - die größte Krise der Liga», sagte etwa Bayer Leverkusen-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Nicht ohne hinzuzufügen: «Da muss schon einiges Positives rüberkommen, um diesen Makel zu beseitigen». Jürgen Born (Werder Bremen) hat einen Vorschlag: «sichere Garantien von erstklassigen Banken».

Solang es nicht die Deutsche Bank sein muss, würde Kirch so etwas sicher hinkriegen. Aufschlussreich ist womöglich, was die Webseite 'sport1.de' schreibt: «Wie aus Insiderkreisen verlautete, müsse es eine doppelte oder gar dreifache finanzielle Absicherung durch Bankbürgschaften geben, sollte Kirch eine Chance auf den Zuschlag erhalten». Denn auch wenn sonst wenig über Kirchs neues «Firmengeflecht, wie es für den aus der Versenkung auftauchenden Medienmogul früher typisch war» ('FR' heute), bekannt ist: Dass «sport1.de» dazu zählt, ist gewiss.

Jene Auskunftsfreude, die man sich von Kirch und dem «Spiegel»-Verlag wünschen würde, die gibt es geradezu im Überfluss bei den Öffentlich-Rechtlichen, aber auch bei den privatwirtschaftlichen Medien, sobald sie sich zu Lobbyverbänden zusammengeschlossen haben. Beides führt dann oft zu Streit. Ein prima Exempel dafür liefert Holger Wenk in der 'Berliner Zeitung'. Einerseits zanken die «Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk» und der «Verband Privater Rundfunk und Telemedien»; andererseits liegen sich die Chefs von Deutschlandradio und ARD, Fritz Raff und Ernst Elitz, in den Haaren.

Es geht um etwas, das die meisten allenfalls vom Lesen kennen, auch wenn es zum Hören gedacht ist: das digitale Radio, das mit den rund 250 Millionen derzeit in Deutschland genutzten UKW-Radios sowieso nicht zu empfangen ist.


Altpapierkorb
Auch nicht leicht zu durchschauen ist das Naturalrabatt-System mit «Freispots», das die Belegung von Werbezeiten im Fernsehen durch Mediaagenturen regelt. Jetzt könnte sich daran etwas ändern: «Womöglich müssten die Agenturen die Freispots - dieser Eindruck ergibt sich aus den Vermerken der Wiesbadener Staatsanwaltschaft - generell den Altkunden gutschreiben». ('Süddeutsche'). +++ Anlässlich der Buchmesse und ihrer Gast-Kulturregion, kommt der 'taz' sozusagen spanisch vor, was im inzwischen radikalnationalistischen öffentlichen Sender «Catalunya Radio» abgeht: Cristina Peri Rossi wurde entlassen, weil nicht katalanisch spricht. +++ Was es mit der Ausladung Manfred Schells bei Anne Will auf sich hat ('Tagesspiegel'). Und wie die Show ohne Schell, aber mit Hartmut Mehdorn war: «So direkt haben wir das dann doch nicht oft: Da sitzen sich der kleine Angestellte mit nicht mal 30.000 Euro jährlich und sein Boss mit dem Hundertfachen dieser Summe gegenüber» ('FR'). +++ «Das Internet ist viel zu fragmentiert. Das Fernsehen aber spielt immer noch eine dominierende Rolle im Alltag von Jugendlichen». So sieht es zumindest die Bundeszentrale für politische Bildung, von deren Strategien, «bildungsferne Jugendliche» zu erreichen, die 'Rundschau' berichtet. +++ Stellvertretende Chefredakteure aufgepasst: Bei der «Berliner Zeitung» sind derzeit gleich drei solcher Stellen ausgeschrieben ('taz'). Außerdem wurden die vom «Spiegel» genannten «Sparvorgaben von rund 2 Millionen Euro» dementiert. +++ Als «Monk»- Autor und Produzent Lee Goldberg zum ersten Mal einen «Tatort» sah, «glaubte er, die Farbeinstellung an seinem Fernseher sei kaputt» (sic): Kölns 'Stadtanzeiger' berichtet weiterhin von der Cologne Conference. +++ Die 'taz' fragte den «Paläste der Macht»-Filmemacher Gero von Boehm, was genau ihn vom ARD-Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert unterscheidet. +++ Wenn das Fernsehen auf dem Dachboden spielt ('Berliner'), zeigt es streng genommen natürlich meistens alte Kinofilme. +++ Um das «besonders aufreibende Radio-Genre Großhörspiel» geht es in der 'FR'. +++ «Seltsam, seltsam: In Deutschland kämpft die Deutsche Post heftig für einen Mindestlohn in der Branche (bis 9,80 Euro pro Stunde). Doch im Ausland will der Konzern davon offenbar aber nichts wissen!» Dafür engagiert sich die «Bild»-Zeitung im Internet genau anders herum, versäumt aber, auf des Springer-Verlags 'attraktives Investment in den ertragsstarken Markt der Postdienstleistungen' hinzuweisen.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10.00 Uhr.


Für das Web ediert von Christian Bartels