«Ab Oktober wird das Bilderverbot für die Titelseite aufgehoben, die Frakturschrift über den Kommentaren abgeschafft», berichtet der «Spiegel» von bevorstehender
«Designkosmetik» bei der «Frankfurter Allgemeinen»: «Das neue Layout hat nicht nur ein Foto auf Seite eins, sondern sogar ein farbiges. Es verzichtet auf die heilige Frakturschrift über den Kommentaren. Es verabschiedet die Linien zwischen den Spalten».
«Die Fraktur kann man wirklich nicht mehr sehen», wird im dreiseitigen Artikel
(hier stark verknappt) gar noch der Vorsitzende des «FAZ»- Herausgebergremiums,
Werner D'Inka, zitiert.
Immerhin, im Zeitungskopf scheint die Frakturschrift geduldet zu bleiben. Das kann man auf einem recht kleinen Foto sehen, auf dem der «Spiegel» die neue «FAZ»-Optik zeigt.
Im Sinne der politischen Farbenlehre schenkt auch die «SZ»-Medienseite 15 der «FAZ» noch einen ein: «Heutige
Neonazis freilich halten's lieber mit Fraktur», weiß
Hans-Jürgen Jakobs, ohne freilich den Hinweis zu vergessen, dass die alten Nazis in der Frakturschrift «Judenlettern» sahen. Und mit jenem bayrischem Schmäh, der zumindest ungenannt bleibende «FAZ»-Redakteure bei der «SZ»-Lektüre «jeden Tag drei-, viermal»
schmunzeln lässt, nennt Jakobs auch
Snoop Dogg als zeitgemäßen
Freund der Fraktur.
Inhaltliche Veränderungen verspricht die «FAZ» zu vermeiden: «Keine einzige neue inhaltliche Idee ist mit der Reform verbunden» («Spiegel»). Das heißt, Unique Selling Points wie der «marottenhafte Konservativismus», die erschöpfte «Debattenathletik» im Feuilleton und Frank Schirrmachers «Selbstdarstellungshandwerk» sollen wie gewohnt erhalten bleiben.
Und damit auch «die eigentlichen Probleme des Blattes», meint das Magazin.
Ganz hinten in der «FAZ», tief im Feuilleton, findet freilich auch die fernseh-interessierte Jugend der bis 49-Jährigen oft interessanten Lesestoff. An diesem Montag mal wieder die
Top-Personalie des Mediengeschäfts:
Die ARD will offenbar
Bruce «Drama, Drama, Drama» Darnell anheuern, also den, äh... die
«Model-Ikone» («FAZ») von Pro Sieben. Es geht um «ein vielteiliges, sogenanntes Coaching-Format» im Vorabendprogramm. Programmdirektor
Günter Struve soll bereits mit Darnell verhandeln.
Wer den marottenhaften Einkauf all derer, die im Privatfernsehen junge Zuschauer erreicht haben, durch die ARD ärgerlich findet, kann sich mit einem Blick wiederum in die «SZ»-Medienseite trösten:
In einem Artikel, der sich verschlungen über die wechselhafte Programmierung des Montagabends mokiert («Dass beispielsweise 'Die Große Wanderung der Gnus' und die sicher sehr emotionale Darstellung eines Frauenschicksals durch Veronica Ferres ... viel miteinander verbindet, würde man nicht behaupten wollen»), heißt es: «Vielleicht aber zählt das im Spätherbst 2008 nicht mehr. Im Oktober 2008 wird der seit 1992 amtierende ARD-Programmdirektor Günter Struve verabschiedet. Gut möglich, dass nach ihm plötzlich viele Programmexperten alles anders machen wollen in der ARD».
Einer, der das ARD-Programm in Zeiten, als es noch die
Straßen fegte, und über weitere Jahrzehnte geprägt hat,
wird heute auf allen Medienseiten mit Nachrufen gewürdigt: Jürgen Roland, der sich «immer ...als Journalist verstanden» hat
('taz'). «Unter den neueren Sendeformaten hat er 'Big Brother'am meisten gehasst - als Geschäftsmodell, als Haltung und Form» (
Andreas Kilb, «FAZ», S. 42). +++ Die deutsche
Romantik lebt in all ihrer Grundsätzlichkeit und will verhindern, dass
werbende Blogger wie in den USA «zur Normalität» werden, meint Medienwissenschaftler
Norbert Bolz ('Tagesspiegel'). +++ Gegenüber
David gibt es
nur zwei Positionen: «Sympathie, weil er der Schwache in der Auseinandersetzung sei, oder Ablehnung, weil er hinterhältig sei». U.a. dieses Zitat des Politologen
Herfried Münkler nahm die
'Berliner' von der Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung über Terrorismus und Medien mit. +++ «Zimmer frei»-Außenreporter
Manes Meckenstock sollte «froh sein, nicht für den NDR zu arbeiten», also den Ex-Eva-Herman-Sender. Meckenstock hatte angesichts der Viva-Moderatorin
Gülcan «sinngemäß gesagt, immer wenn er sie sehe, frage er sich, warum die
Nürnberger Rassengesetze nicht mehr in Kraft seien» und darf dennoch weiter für den WDR arbeiten. Das berichtet
Hans Hoff in der «SZ». +++ Jungen Leuten, die was mit Medien machen wollen, empfiehlt die
'taz' das von
Sebastian Turner und Paulus Neef ersonnene Praktikumsprogramm «creativevillage». +++ An diesem Montag um 0.20 Uhr, streng genommen also am Dienstag, kommt «Montag kommen die Fenster» im Fernsehen: «ZDF
versteckt Berliner Schule in der Nacht»
('Tsp.'). +++ Außerdem «
bagatellisiert» das ZDF sachliche Information «durch spekulative Optik«
('FR' anlässlich dessen, was das ZDF »Champagner-Produktion« bzw. «Super-Doc» nennt und zur besten Sendezeit bringt). +++ Vom Wochenende:
'Frankfurter Rundschau': «Bei der Grundversorgung kann man feststellen, dass 64 Hörfunkprogramme, x Fernsehsender und Riesen-Angebote im Internet doch wohl mehr sind als bloße 'Grundversorgung'. Da sind wir uns doch einig, oder?» -
Ernst Elitz: «Ich glaube, wir sind uns einig, dass der Nationale Hörfunk mit seinen beiden Programmen Grundversorgung betreibt». Nachfragen bestätigen, dass der Deutschlandfunk-Intendant da vergleichsweise
handfeste Kritik an der ARD übt. +++
Voll auf Talk eingestellt, der
'Tagesspiegel'. Er talkte mit
Hubertus Meyer-Burckhardt, der seinerseits gern mal mit «Westernhagen oder Jil Sander, Wiedeking von Porsche, Telekom-Chef René Obermann» talken würde. Im Hauptberuf verursacht Meyer-Burckhardt als Vorsitzender der Geschäftsführung der «Polyphon»-Gruppe
übrigens Filme wie «Im Tal der wilden Rosen» und «Kreuzfahrt ins Glück». +++
Außerdem lieferte
Hans Mahr eine scharfe
Anne-Will-Kritik, und
es wurde auf
Wills Blog hingewiesen. +++ «So lange in Elektromärkten noch Geräte mit einer
Bildschirmdiagonale von über 70 Zentimetern verkauft werden, kann es dem Fernsehen so schlecht nicht gehen»
('Freitag'). +++
Am Dienstag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.