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Die Frage, wie und was gezeigt und was verdeckt wird, ist 30 Jahre nach 1977 nicht so klar. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Frage, wie und was gezeigt und was verdeckt wird, ist 30 Jahre nach 1977 nicht so klar.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Deutscher Herbst zum Beispiel oder das Niveau der Berichterstattung: Cross-Promotion, Störung der Totenruhe und Steuergelder, die an Ko-Autoren fließen.


Sittenverfall, wohin man schaut.

In der 'FR' beklagt Daland Segler den Umgang mit den Toten 30 Jahre nach dem deutschen Herbst.

Die Schwellen werden immer niedriger. Die Bildzeitung macht es täglich vor, aber bislang galt das Zeigen von toten Menschen als mindestens umstritten, wenn nicht als Verletzung eines Tabus, das einst «Störung der Totenruhe» hieß.

Nun aber zeigt die «Spiegel»-Titelgeschichte dieser Woche und die dazugehörige ARD-Dokumentation von Stefan Aust und Helmar Büchel neue Bilder.

Fotos und Filme von den Anschlagsopfern in Karlsruhe nach dem Buback-Mord und in Köln nach der Schleyer-Entführung waren zum Teil so öffentlich noch nicht zu sehen. Und Video-Aufnahmen der toten Ulrike Meinhof, die sich am Fenster ihrer Zelle erhängt hatte, auch noch nicht.

Die «Cross-Promotion» zwischen «Spiegel»-Geschichte und ARD-Dokumentation (Kritik aus dem 'KStA') findet Christopher Keil in der «SZ» (Seite 17) fragwürdig:

Hat da der Spiegel mit einem ehemaligen RAF-Mitglied gesprochen? Oder Spiegel TV? Oder der NDR? Die Quellen sind nicht mehr adressierbar. Und Aust? War der für den Spiegel aktiv? Oder für Spiegel TV? Oder hat er für Spiegel TV einen ARD-Film gemacht? Oder hat er einen ARD-Film gemacht und nebenbei eine Spiegel-Titelgeschichte entworfen?

Fassungslos macht eine 24-Zeilen-Meldung in der 'FAZ' :

Mit dem Thema RAF lässt sich ein gutes Auskommen finden. Einer, der sein Dasein besonders erfolgreich darauf gegründet hat, ist der ehemalige Terrorist Peter-Jürgen Boock.

Leider gibt's noch keine Bilder von Boocks 24-Zimmer-Villa auf Barbados oder seinen durchtanzten Nächten in St. Tropez mit Florida-Rolf, coolen Drinks und hotten Ladies. Aber die Information, dass derzeit ein Film («Schattenwelt») entsteht, «bei dem Boock nicht nur als Informant, sondern als Ideengeber und Ko-Autor fungiert».

Und «dafür wiederum ist ein Teil der Produktionsförderung, die der Film erhalten hat, an Peter-Jürgen Boock geflossen.»

Wie groß Boocks Batzen ist, kann sich jeder selbst ausrechnen:

Bereits 2002 bewilligte die Filmförderung Baden-Württemberg für «Schattenwelt» 455.000 Euro, Kultur-Staatsminister Bernd Neumann gab im vergangenen November nochmal 175.000 Euro dazu.

Kann man sich schon fragen, ob dieser verweichlichte Rechtsstaat noch alle Tassen im Schrank hat, wenn so was möglich ist. Und möchte «schamlos» rufen mit dem Leserkommentar von «Walter Gaenger (Gaenger)» angesichts einer solchen Meldung. «Walter Gaenger (Gaenger)»:

Aber dieser Staat ist eben so wie die Leute, die ihn tragen. Maqn merkt das hier, aber auch, wenn man etwa rechte Standpunkte öffentlich vertreten will: Dieser Staat ist 68, er ist in Grundzügen linksextrem, er ist intolerant, auf weiche Art und Weise totalitär und trotz allem Betroffenheitsgebaren auch ein Bißchen RAF.

So wird's wohl sein.


Altpapierkorb

Um die Sitten geht's in gewisser Weise auch in Thomas Steinfelds Nachbetrachtung der Eva-Herman-Entlassung in der 'SZ', die in der These mündet: Den tiefen Graben, der sich zwischen Eva Herman, der Angestellten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, und Eva Herman, der Buchautorin und Fanatikerin der Mutterschaft, ziehen soll - es gibt ihn nicht. Alles, was sie tut, besteht darin, dem medialen Prinzip des entfesselten Geplappers zu gehorchen. Ihr fataler Irrtum aber bestand darin zu meinen, ihre Enthemmung nicht nur zugunsten des Senders, sondern auch um ihrer selbst willen betreiben zu dürfen. +++ Reaktionen von und auf Eva Herman, die für die heutige «Kerner»-Sendung wieder ausgeladen wurde, haben 'Welt-Online', 'Tagesspiegel' und Netzeitung.de gesammelt. +++ Noch mal Peter-Jürgen Boock: Über den «Karl May der RAF» sinniert die 'taz'. +++ Noch mal Anne Will: Die 'Berliner' portraitiert ausführlich. +++ Mit einigem «Pathos» bezeichnet Heribert Prantl in der «SZ» (Seite 17) den Fall, den das Bundesverfassungsgericht heute verhandelt, als bedeutend für die «Zukunft des Fernsehens». Es geht um die Praxis der Gebührenfestsetzung, die bislang so aussah, dass die Öffentlich-Rechtlichen einen Vorschlag machten, die unabhängige Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) prüfte und die Länder auf Grundlage dieser Prüfung die Gebühren festsetzen. 2005 nun sind die Länder unter dem Vorschlag der KEF geblieben, dagegen klagen nun ARD, ZDF und Deutschlandfunk (auch in 'FR' und 'FTD'). +++
Das Urteil ist bereits gefallen: zugunsten der Kläger. +++ Apropos Gebühren: Teil 6 der «GEZ»-Reihe in der «FAZ» (Seite 40). +++ Der «Spiegel» steht laut einem Bericht des 'Handelsblatt' vor dem Einstieg bei der «Financial Times Deutschland», die 2008 erstmals die «Gewinnschwelle» überschreiten soll. Die Übernahme des 50-Prozent-Anteils von der britischen Medienfirma Pearson soll «in den nächsten Wochen über die Bühne gehen». +++ Das Medienspektakel um «Madeleine» beleuchtet die 'taz'. +++ Über die bundesweite Verbreitung der kostenlosen, aber nicht unumstrittenen Schülerzeitung «Spiesser» berichtet der 'KStA'. +++ Über 10 Jahre Radio Eins der 'Tagesspiegel'. +++ Mittlerweile zwei Fälle von mutmaßlicher Korruption vermeldet die «FAZ» (Seite 40) aus Schweden. +++ Die 'taz' hat in ihrer Radio-Reihe «NE-WS 89.4» gehört. +++ Und die 'FTD' weiß, dass Gabriele Paulis Latex-Handschuhe, die sie bei ihrem, nun ja, legendären Auftritt in «Park Avenue» trug, für 1131 Euro versteigert wurden. Das Geld fließt in die Jugendarbeit im Landkreis Fürth. +++

Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10 Uhr.


Für das Web ediert von Matthias Dell