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Altpapier vom Donnerstag

10. Mai 2007 10:10, ergänzt 11:08
Eine Straße wurde nach Alan Posener noch nicht benannt, aber für Aufregung bei Springer sorgt er doch
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Der «Spiegel» will «gelassen Evolution» betreiben. Nicht sehr gelassen zeigt sich mal wieder einmel Springer: Mitten im Verlag wurde die «Bild»-Zeitung kritisiert.

Der zweitgrößte deutsche Diktator des vergangenen Jahrhunderts?

Walter Ulbricht war's. Sagt einer, der es wissen muss: Mario Frank ist zwar Jurist, hat über den Generalsekretär der SED, den «Mann mit einer ungeheuren negativen Macht», aber doch ein Buch geschrieben. Es ist übrigens gerade günstig zu haben.

Mit dem zeitgeschichtlichen Schlenker startet das große 'FAZ'-Interview mit dem seit Januar amtierenden Geschäftsführer des «Spiegel»-Verlags. Vor 20 Schreibmaschinen sitzend, auf Wachstum im Internet setzend, macht Frank, was «zu meiner Aufgabe» gehört: «kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren und Vertrauen gewinnen».

Seine dabei wohl wichtigste Aussage: «Ich würde schon zu einer 'line extension' neigen, wenn wir denn eine wirklich gute Idee hätten. Die aber, sage ich ganz ehrlich, haben wir im Moment nicht».

Die Überleitung vom Thema Ulbricht zum Thema «Spiegel» gelingt der «FAZ» gleich in der zweiten Frage. «Sie waren Geschäftsführer in den neuen Ländern», also dort, wo früher Ulbricht waltete, «helfen Ihnen die dort gemachten Erfahrungen beim 'Spiegel'?», lautet sie.

Antwort: «Anders als bei meiner vorhergehenden Aufgabe, in der ich mich um eine Neuordnung des Unternehmens kümmern musste, ist es beim 'Spiegel' so, dass man ganz gelassen Evolution betreiben und das Unternehmen weiterentwickeln kann».

Gelassen Evolution betreiben - das ist Walter Ulbricht, den man vielleicht Möchtegern-Revolutionär nennen kann, eben nicht gelungen. Es ist aber auch schwer.

Auch der Springer-Verlag mit seiner bewegten Nachkriegsgeschichte kann davon ein Lied singen.

Was im Spannungsfeld von «Meinungspluralismus» und «Unternehmenskultur» nun wieder vorgefallen ist, berichten 'taz' , 'Handelsblatt' und 'Berliner' gedruckt. Entdeckt wurde die Geschichte vom 'Bildblog' gestern.

Alan Posener, der unter nicht so Springer-affinen Lesern beliebte «WamS»-Kommentarchef und 'Apocalypso'-Blogger, hat den «Bild»-Zeitungs-Chefredakteur Kai Diekmann in einen Zusammenhang mit den «Wichsvorlagen», die auf der von ihm verantworteten Zeitung immer drauf sind, sowie in andere unschöne Zusammenhänge gerückt.

Was die strenge Unternehmenssprecherin Edda Fels zu einer deutlichen Rüge veranlasste:
«Der Beitrag von Alan Posener über Kai Diekmann ist ohne Wissen der Chefredaktion in den Weblog von Alan Posener gestellt worden. Der Beitrag ist eine höchst unkollegiale Geste und entspricht nicht den Werten unserer Unternehmenskultur. Bei Axel Springer gilt Meinungspluralismus, aber nicht Selbstprofilierung durch die Verächtlichmachung von Kollegen» (zitiert nach «Bildblog», «taz»).

Wer denn nun den Beitrag von Alan Posener ohne Wissen der Chefredaktion in den Weblog von Alan Posener gestellt hat, hat Edda Fels noch also nicht ausgeplaudert. Wer weiß, was das noch nach sich zieht...

Wer aber gleich von «Tumult im Springer Verlag» ('Spiegel Online') schreibt, sollte berücksichtigen, dass die Nerven dort sowieso schon blank liegen.

Nicht nur wegen des Wegzugs von 700 bis 1.000 «Bild»-Zeitungsmitarbeitern aus Hamburg (heute die hanseatische 'Zeit': «Es ist paradox: In dem Moment, in dem am Potsdamer Platz symbolträchtig die Fensterscheiben aus den Möchtegernhochhäusern fallen und die Fassaden bröckeln, will 'Bild' ein Berliner sein)».

Sondern auch, weil ausgerechnet in Berlin das Verwaltungsgericht in Sachen Rudi-Dutschke-Straße einen «politischen Angriff auf die Axel Springer AG» und die «Integrität des Konzerns» (Springer-Juristen) gestern bestätigt hat.


Mehr im Internet: Die Artikel des Tages


Altpapierkorb

Tolle neue Innovation vom Medienstandort Hamburg: «Ebay gibt's jetzt auch gedruckt». Gruner + Jahr bringt eine Zeitschrift dazu heraus. «Dabei legt die Redaktion Wert darauf, journalistisch unabhängig zu sein» ('Welt Online'). +++ Als Timm Klotzek und Michael Ebert «im vergangenen Jahr im Berliner Hauptquartier der Versteigerungsplattform Ebay anklopften, hatten die beiden Chefredakteure der Zeitschrift 'Neon' mit viel Gegenwind gerechnet». Aber es kam anders und auch ein «recht unterhaltsames erstes Heft» heraus ('Tsp.' dazu). +++ «SZ»-Medienseite: Michael Jürgs' «Lobrede auf den Fotografen und diesjährigen Henri-Nannen-Preisträger Robert Lebeck» sowie Neues vom BBC-Reporter Alan Johnston, der im März im Gaza-Streifen entführt wurde: Das nun Al-Dschasira zugespielte Video «gibt mehr Anlass zur Sorge, als dass es Hoffnung wecken könnte. Denn das Band enthält keinen Hinweis darauf, ob Johnston noch am Leben ist». +++ Wer kennt diesen Topflappen oder jenes Damenfahrrad? «Aktenzeichen XY... ungelöst» wird 400 Sendungen alt, und das muss gewürdigt werden. +++ «Wo RTL am Samstag aufhörte, macht das ZDF diese Woche weiter. Nur am Senderlogo kann man an manchen Abenden noch erkennen, ob man einen öffentlich-rechtlichen Sender eingeschaltet hat» («FAZ», S. 42, über «Kerner»). Doch «seinen Adorno hat Bohlen natürlich in petto» (Alexander Gorkow, der früher mal Medienressort-Chef der «SZ» war und jetzt das Wochenendressort leitet, gesellt sich nun auch zur Schar der Talkshowrezensenten. Gedruckt auf der «Panorama»-Seite, auch frei online). «Das ozeanblaue Lacoste-Poloshirt, das Bohlen .. trug, gibt es bei Ebay für 40 Euro», schreibt er weiter - was ja schon grandioser Stoff fürs zweite 'ebay-magazin' ist.

Am Freitag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.

 
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