07. Mrz 2007 15:21, ergänzt 21:07
Die krisengeschüttelte SPD in Hamburg hat in Michael Naumann einen neuen Spitzenkandidaten gefunden. Weitere Unterstützung kommt vom Ex-Kanzler Gerhard Schröder.
Naumann sicherte sich zudem prominente Unterstützung: «Gerhard Schröder hat mir versprochen, Hamburg zu unterstützen», sagte Naumann. Auch die Hamburger SPD habe ihm ihre Solidarität zugesichert. «Aber ich mache es, weil ich die Stadt liebe. Ich schätze die Hamburger Solidität, die bürgerlichen Tugenden. Hier gelten noch Handschläge», sagte er dem «Tagesspiegel». Die Bundesspitze der SPD zeigte sich erleichtert über die Nominierung Naumanns. Er sei der «richtige Mann für Hamburg», hieß es in einer Mitteilung von Parteichef Kurt Beck und Generalsekretär Hubertus Heil. «Mit Michael Naumann als Erstem Bürgermeister kann Hamburg seine Chancen entschlossen nutzen.» Als ehemaliger Staatsminister im Kanzleramt verfüge Naumann über Regierungserfahrung. Als Chefredakteur und Herausgeber habe er die «Zeit» journalistisch und wirtschaftlich zu neuen Erfolgen geführt. «Er kennt und liebt Hamburg und seine Menschen», hieß es weiter.
Ähnlich äußerte sich der Vize-Sprecher der SPD-Linken und Bundestagsabgeordnete Niels Annen. Er rechnet der Hamburger SPD nach der Festlegung auf Naumann als Spitzenkandidaten gute Chancen auf einen Sieg bei der Bürgerschaftswahl 2008 aus. Der «Zeit»-Herausgeber sei «eine überzeugende Lösung», sagte Annen im Gespräch mit Netzeitung.de. «Naumann wird sich einreihen in die Riege erfolgreicher sozialdemokratischer Bürgermeister in Hamburg.»
Annen, der selbst der Hamburger SPD angehört, hob Naumanns Fähigkeiten hervor. Er sei nicht nur Hamburger und auch «vom Typ ein Hanseat». «Michael Naumann hat ein Gefühl für den Puls der Stadt und für das, was Hamnburg ausmacht.»
Als erster Kulturstaatsminister überhaupt habe er sich zudem «bundesweit einen exzellenten Ruf» erworben. Außerdem habe Naumann in dieser Funktion auch Erfahrung sammeln können im Leiten einer großen Behörde.
Für das Amt des SPD-Landesvorsitzenden wird nach Angaben des Landesverbands der Bürgerschaftsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ingo Egloff vorgeschlagen. Auf einem Landesparteitag am 24. März sollen eine neue Parteiführung gewählt und ein Bürgermeisterkandidat nominiert werden. «Die SPD tritt mit einem starken Team an, um die Freie und Hansestadt Hamburg sozial gerechter und wirtschaftlich erfolgreicher zu machen», sagte stellvertretende Landesvorsitzende Dorothee Stapelfeldt. Hamburg brauche Alternativen zum CDU-Senat.
Mit dem Vorschlag endet ein wochenlanges Tauziehen um die Spitzenkandidatur. Der SPD-Landesvorstand war in der vergangenen Woche geschlossen zurückgetreten. Bei einer Kampfabstimmung um die Spitzenkandidatur für die Bürgerschaftswahl 2008 waren zuvor rund 1.000 Briefwahlzettel verschwunden.
Der Hamburger SPD-Landesvorsitzende Petersen hatte danach auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz und eine Spitzenkandidatur bei der Bürgerschaftswahl 2008 verzichtet. (nz)