VW bezahlt - wieviel Kommerz vertragen Weblogs?27. Feb 2007 11:25, ergänzt 12:52  |  PR im Internet: Hape Kerkeling als Horst Schlämmer | Foto: dpa |
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Was können Werber mit Blogs verdienen? Außerdem: Kein Blog ohne Hyperlinks und gefährliches Bloggen. Wie immer dienstags: Blogblick.
Ein Weblog ist oft dann erfolgreich, wenn erkennbar wird, wer es schreibt. Meistens steht eine Person dahinter, aber nun gesellen sich immer öfter Kunstfiguren dazu.
Horst Schlämmer
ist auch Blogger, aber im Grunde ist er ein lebendig gewordener Witz. Er trägt einen verschwitzten, speckigen Kittel, hat schlechte Zähne und ist sich für keinen dummen Spruch zu schade. Wie alle Fernsehfreunde wissen, ist «Schlämmer» eine Erfindung des TV-Komikers Hape Kerkeling.
Als Blogger ist «Schlämmer» jedenfalls sehr erfolgreich: innerhalb weniger Wochen hat es «Schlämmers» Weblog in die Top 100 der meistverlinkten und meistgelesenen
Deutschen Blogcharts
geschafft. Aber warum bloggt eine Kunstfigur?
Don Dahlmann hat bereits Ende Januar darauf hingewiesen, dass «Schlämmers» Blog eine
PR-Aktion von VW
ist. Eine Agentur schreibt die Texte, Volkswagen macht Werbung, Kerkeling verdient ein paar Euro. Die
Klarstellung
«Schlämmers» folgte vergangene Woche – zu spät, wie manche Blogger finden.
Malte nimmt im Spreeblick-Weblog Kerkeling die PR-Aktion
übel
und sieht «Schlämmers» Blog in einer Linie mit einem anderem kommerziellen Weblog: DSDS-News ist ein Blog, das die gleichnamige Castingshow begleitet. Zugleich ist es ein Musterbeispiel dafür, wie man Websites für Suchmaschinen optimiert. Innerhalb weniger Wochen hat es das Bildblog von den
Plätzen verdrängt.
Don Alphonso kann beiden Konzepten
nichts abgewinnen.
Sven fragt auf Medienrauschen, ob Weblogs nun
weniger glaubwürdig
würden. Gelassen reagieren auf diese Entwicklung PR-Blogger
und das
CIO-Weblog
Kein Weblog ohne Hyperlink: aber wer darf auf welche Weblogs verlinken? In der vergangenen Woche hat nicht nur die Netzeitung ein
Redesign
durchgeführt.
Auch Welt.de wurde neu gestaltet, eine Rubrik mit Weblog-Empfehlungen eingeführt. Das
Bildblog
wurde aufgeführt, verschwand aber sehr bald wieder aus der Liste.
Bildblog-Mitbegründer Stefan Niggemeier findet das
einleuchtend:
«Und lustig daran ist vor allem, dass das erste Medienblog, das 'Welt Online' nun empfiehlt, eines ist, das es in seiner ganzen Lebensdauer auf nicht mehr als zehn Einträge geschafft hat — und seit einem Dreivierteljahr tot ist.»
Dieses
Watchblog
hat seine Pause just aus dem Anlass der Verlinkung unterbrochen; der zweite Eintrag datiert von Mai 2006 (zur Korrektur: das hatten wir übersehen). Und auch diese Reaktion blieb nicht aus: Im
Lawblog
stellt sich die alte Frage, ob das Bildblog überhaupt ein Weblog sei.
Solche Formen von «Zensur» sind im internationalen Vergleich Petitessen. Nehmen wir Ägypten: dort wächst die Zahl regierungskritischer Weblogs stetig. Allerdings gibt es seit vergangener Woche auch einen ägyptischen Blogger weniger. Denn
Karem Amer,
im November 2006 festgenommen, wurde nun zu vier Jahren Haft verurteilt. Auf
Medienrauschen,
Dienstraum
und
cliff cosmos
stehen Hintergründe zu diesem Fall gefährlichen Bloggens.
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang +++ Monocle: Micro_Robert hat Tyler Brûlés neues Magazin gelesen und
stellt fest:
«Es gibt überall eine Geschäftsidee, einen Trend oder ein Produkt zu entdecken, die Welt ist angerichtet zum Konsum»+++ Peinlich: Frank Lachmann von Argh! fühlt sich beim Kauf der Vanity Fair auch in der dritten Woche
unwohl
+++ Fieber: Texas-Jim hatte zwei Tage lang
Fieber. Nun ist er wieder
unterwegs durch die Bars
+++ Unversöhnlich: Georg vom Hauptstadtblog geht durch den Untergrund Berlins und fordert
Strafen für Spucker
+++ Dieses Retro ist gar keines. Mercedes Bunz sieht ein großes Jahr kommen, ohne Nostalgie, Retro-Geschmuse, ohne einen verqueren Begriff vom Archiv. Alleine die Musik, die 2007 erschienen ist, könnte einen durch den
Rest des Jahres tragen.
+++ New York, Reinbek, Hongkong: Christian Y. Schmidt kündigt in der Riesenmaschine das neue Buch von Max Goldt an. Das könnte für
Missverständnisse sorgen.
+++ «Waschmaschine und Mülltonne» ist ein lustiges Spiel. Man sollte jedoch keinesfalls das falsche Wort sagen. Mehr bei
... is a blog.
+++ Vorurteile: Anders als viele andere findet Robert Basic nicht, dass sich Blogger zu wichtig nehmen.
Ein kleiner Essay.
Für das Web ediert von Stephan Heinen |